Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1886)
- Date
- 1886-09-07
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 die Demokraten dafür auf den Schanzen — nämlich auf den papiernen Schanzen ihrer Zeitungsblätter. Zu diesen Helden vom Papier gesellt sich aus der bessern Welt, soweit wir zu sehen vermögen, nur die etwas verworrene Leipziger Zeitung." — Wir brauchen sicherlich nicht diese Expectoration der K. Z. mit dem ihr zukommenden Eigenschaftswort zu bezeichnen. Fürwahr, Moses und die großen und kleinen Propheten — die sämmtlichen Redacteure und Correspondenten der K. Z. — sind nicht werth einem von ihnen die Schuhriemen zu lösen! Der kleinste dieser Propheten ruft vor 23 Jahrhunderten aus: „haben wir nicht alle Einen Vater? hat uns nicht Ein Gott geschaffen? Warum sollen wir treulos sein, Einer wider den andern?" (Mal. 2,10) — ein Ausspruch, der an der Spitze jedes politischen und sozialen Programms stehen müßte, ein Ausspruch, wie man ihn in den sämmtlichen Jahrgängen jener langen und langweiligen Zeitung nicht ausfinden könnte! Es ist aber ein Kunstgriff aller Antiliberalen, welcher allerdings schon sehr abgenutzt und recht geistlos ist, alle Liberalen als Juden zu bezeichnen, und zu mauscheln, um sie lächerlich zu machen. Wer nun alle die Blätter übersieht, welche in Deutschland die Partei des gestürzten Fürsten ergriffen oder doch Sympathie für ihn empfanden, wird alsbald bemerken, daß nur ein kleiner Theil derselben von jüdischen Redacteuren geleitet wird. Allein die K. Z. hatte keine andere Handhabe zu einer Erwiderung und zog sich deshalb hinter den Schutz der Antisemiten zurück, wohin sie freilich gehört. Jndeß giebt sie hierdurch nur das Zeugniß für sich ab, daß sie eben keine Gründe ins Feld zu führen hatte und deßhalb, wie es in solchen Fällen stets zu geschehen pflegt, zu Schimpfworten ihre Zuflucht nahm, was stets ein Zengniß der Schwäche ist. Dresden, 24. August. (Privatmitth.). Mit wahrhafter Trauer, die allgemein in unserer Stadt getheilt und gewiß an vielen Orten mit empfunden werden wird, berichte ich, daß heute früh nach kurzem Krankenlager der Oberrabbiner vr. W. Landau verschieden ist. Unsere Gemeinde trifft durch diesen Tod des allverehrten Seelsorgers ein herber Verlust, der aber auch das ganze deutsche Judenthum berührt. Obgleich literarisch nicht sehr thätig, war Landau eine weithin anerkannte Autorität, und mit ihm scheidet einer der letzten der älteren Männer, welche solch' hohes Ansehen besaßen. Sein liebenswürviger Charakter, seine aufrichtige Duldsamkeit, seine Gelehrsamkeit und Besonnenheit haben ihm aller Orten wahrhafte Anerkennung und Hochachtung erworben. Daher war er nicht bloß von seinen Glaubensgenossen, sondern in allen Kreisen unserer Stadt, selbst bei Hofe, namentlich vom König Johann, sehr geachtet und lebte im Einverständniß mit den protestantischen und katholischen Geistlichen hierorts. So lange der sel. Z. Frankl das Oberrabbinat bekleidete, war der Verstorbene als Dirigent und Lehrer in der jüdischen Gemeindeschule segensreich thätig; als Frankl die Leitung des Rabbinerseminars zu Breslau übernahm, wurde Landau einstimmig zu seinem Nachfolger von der Gemeinde gewählt. Seitdem hat er dieses Amt bis zum Tode jn seinem 79. Lebensjahre in eifrigster Pflichttreue und mit ausgezeichnetem Erfolge geführt. An der Synode zu Leipzig nahm er einen thätigen Antheil, sowie auch an der Herausgabe der Volksbibeln mit Kämpf und Philippson. Jn der Geschichte unserer Gemeinde, die sich unter seiner Mitwirkung in löblichster Weise entwickelt hat, wird er stets eine ehrenvolle Stelle einnehmen. Posen, 24. August. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit habe ich Ihnen in ihrem geschätzten Blatte mitgetheilt, daß Herr M. Rohr in Breslau den Betrag von 100,000 Mark zur Errichtung eines jüdischen Kranken- und Siechenhauses am hiesigen Orte bewilligt hat. Das auf Bewilligung von Sammlungen bei den jüdischen Einwohnern unserer Provinz an den Herrn Oberpräsidenten gerichtete Gesuch wurde jetzt von demselben genehmigt mit der Maßgabe, daß 1) die Sammlung an jedem Orte, an welchem sie stattfindet, nicht über acht Tage hinaus ausgedehnt werden darf und 2) daß die ganze Sammlung am 31. Dez. beendet sein muß. Jedenfalls wird nunmehr die Angelegenheit ihren Fortgang nehmen. — — Bekanntlich bringt in Gemeinden, die sich auf orthodoxer Grundlage halten, vielfach die Frage nachhaltigen Zwist hervor, ob die Gräber auf dem jüdischen Friedhofe bepflanzt und mit Blumen geschmückt werden dürfen? Es wird daher nicht ohne Interesse sein, daß in der hiesigen großen und streng orthodoxen Gemeinde die Bepflanzung und Ausschmückung der Gräber schon seit längerer Zeit zur Sitte geworden und jetzt auch die officielle Zulassung erhalten hat. Es waren nämlich aus dieser Sitte mancherlei Unzukömmlichkeiten entstanden, oa bislang keine Controlle stattfand. Der Vorstand der Gemeinde hat nun mit dem Friedhossgärtner einen Vertrag abgeschlossen, die Tarife für die verschiedenen Bepflanzungen festgesetzt und die ganze Angelegenheit unter seine Controlle genommen. Aus der betreffenden Tabelle ist ersichtlich, daß die Anpflanzung von Trauerweiden, Lebensbäuinen und Blumen, sowie mit Immergrün, Epheu und Eisblättern gestattet ist. Da das Rabbinat der hiesigen Gemeinde stets ein orthodoxes gewesen, folgen wohl andere Gemeinden diesem Beispiel. Fordon, 20. August. (Danz. Z.) Der hier schon siebzehn Jahre wohnende Schneider Rosenberg ist trotz mehrerer Eingaben an die Behörden mit seiner Frau und sechs Kindern ausgewiesen worden. Da derselbe in sehr dürftigen Verhältnissen lebte, konnte er das Reisegeld nicht bestreiten. Es wurden ihm daher von der jüdischen Gemeinde 300 Mark bewilligt.