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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-07 · Heft 37 (7.9.1886) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 37 (7.9.1886)
Date
1886-09-07
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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883 22. Moses Mendelssohn. 23. Die politische Besserstellung der Juden; ihre Emanzipation in den verschiedenen Ländern. 24. Die neuesten judenfeindlichen Bewegungen. 25. Die neuere Entwickelung im Judenthume. Dieser Stoff dürste nach meiner bis jetzt gemachten Erfahrung für die Oberstufe der Volksschule ganz genügen. Er enthält die wichtigsten Momente der jüdischen Geschichte und das reicht eben vollständig hin. Was darüber ist, ist vom Uebel. Denn die Volksschule kann und will den Schülern in der jüdischen Geschichte keineswegs ein abgeschlossenes Ganzes darbieten, dazu reicht ihre Zeit und Kraft nicht hin; sie muß sich vielmehr damit begnügen, den Kindern eine gute Grundlage zu geben, auf der sie später erfolgreich weiter arbeiten können; sie muß in ihren Zöglingen vor allen Dingen das Interesse an der Sache wachrufen und pflegen, und sie soweit zu fördern suchen, daß sie dereinst, wenn sie herangereift und der Schule entwachsen sind, selbständig und aus eigenem Antriebe immer tiefer in die Geschichte ihrer Ahnen einzudringen streben. Kann die Volksschule das erwirken, dann hat sie ihr Ziel erreicht. Und sie kann und wird dasselbe auch zweifellos erreichen, wenn der Lehrer es nur versteht, den Kindern die zu behandelnden Stoffe in lebensfrischer, packender Form darzubieten, die Zöglinge in freiem und fließendem, anschaulichem und warmem Vortrage mit der jüdischen Geschichte bekannt zu machen und für dieselbe zu begeistern. Das freie Wort des Lehrers, welches überall im Unterrichte die Hauptsache ist, muß auch hier das zunächst Wichtigste sein. Wünschenswerth wäre es allerdings, wenn zur wirksamen Belebung dieses mündlichen Bortrages den Schülern ein Lesebuch der jüdischen Geschichte in die Hand gegeben werden könnte. Hauptsache ist für jetzt, daß man endlich einmal ernstlich darangehe, die jüdische Geschichte in die Oberklasse der Volksschule aufzunehmen. Möchten diese Zeilen neue Anregung dazu geben. Deutschland. Berlin, 29. August. (Privatmitth.) Man hätte doch denken sollen, daß die Vorgänge in Bulgarien nicht im Entferntesten irgend eine Beziehung zu den Juden hätten. Und dennoch kam es anders. Es fiel nämlich der „Kölnischen Zeitung" ein, ihrem innersten Judenhaffe einmal wieder Luft zu schaffen. Sie fühlt dieses Bedürfniß von Zeit zu Zeit, und da sie älter ist als die „Kreuzzeitung", kamen auch ihre judenfeindlichen Ausbrüche schon früher vor, z. B. im Anfang der 40er Jahre, als vr. Hermes ihr Hauptredacteur war und sich mit ganzer Kraft der Gleichberechtigung der Juden widersetzte. Ein damals vom Redacteur der „A. Z. d. Jud." gegen sie geführter Streit brachte sie bei dem Scheine von Liberalismus, den sie stets zu bewahren beflissen war, genugsam in die Enge. Wir erwähnen dies, um begreiflich zu machen, daß man sich über die antisemitischen Ausfälle der Kölnerin nicht zu wundern braucht. Die Natur läßt sich eben nicht austreiben. Doch zum vorliegenden Falle. Die Vorgänge in Bulgarien haben in der ganzen Welt und in Deutschland besonders eine außergewöhnliche Theilnahme geweckt. Die officiösen Blätter, die Köln. Z. voran, brachten sofort Beruhigungsartikel, indem sie andeuteten, daß der Sturz des Fürsten Alexander dem europäischen Frieden nützlich sei. Bald kamen die Nachrichten von dem Sturze derer, welche den Putsch veranlaßt, und von der Einmüthigkeit der bulgarischen Nation zu Gunsten des Fürsten. Eine, bald erbitterte Polemik erhob sich von Seiten aller liberalen Blätter, bei welcher die K. Z. schlecht wegkam. Auf welche Weise vertheidigte sie sich nun? Wir lesen im zweiten Blatte vom 27. August folgenden, aus Berlin datirten Artikel: „Moses und alle großen und kleinen Propheten der deutschen Demokratie von der Spree bis zum Main sind in Entrüstung darüber, daß es Leute giebt, die nicht wie sie bei einem ernsten Ereigniß durch die Straßen laufen und Auwaih! schreien. Namentlich soll das Auswärtige Amt eine gar grausame Gefaßtheit bei der Nachricht von der bulgarischen Revolution gezeigt haben. Gleich nach dem Auswärtigen Amt bekommts natürlich die Kölnische Zeitung, die gleichfalls für den Geschmack dieser Leute zu wenig Geschrei gemacht hat, obschon sie vor aller übrigen Welt im Besitz der Nachricht von dem Geschehenen gewesen sei. Den Vorwurf, daß wir uns aufs Schreien nicht verstehen, müssen wir uns gefallen lassen und wir werden ihn uns voraussichtlich noch öfter zuziehen. Das ist Sache der Nerven. Die Königstreue, das monarchische Princip, das konservative Staatsgefühl — welche Dinge alle Fürst Bismarck verrathen hat, weil er sich weigerte, die etwa vom bulgarischen Volke vollzogene Absetzung des Fürsten Alexander im voraus zu einem Kriegsfall zwischen Deutschland und Rußland zu erklären —, die werden Gott sei Dank gerettet und zu Ehren gebracht in den Blättern der Deutschfreisinnigen und der Demokraten. Also braucht man am monarchischen Geiste in Deutschland trotz dem Fürsten Bismarck noch nicht zu verzweifeln; von Moses bis Cohn sind

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