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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-07 · Heft 37 (7.9.1886) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 37 (7.9.1886)
Date
1886-09-07
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 schule. „Wie können wir, sagt man, einem neuen Unterrichtsgegenstand die Aufnahme in die Schule gestatten, wenn uns kaum für die bisherigen Lehrfächer die genügende Zeit zur Verfügung steht." Bei normalen Schulverhältnissen, und nur mit solchen haben wir es zunächst zu thun, ist jedoch dieser Hinweis gar nicht am Platze; es läßt sich dort vielmehr ohne Benachtheiligung irgend eines Unterrichtsgegenstandes sehr wohl hinreichende Zeit für die nachbiblische Geschichte erübrigen. Nach den Falk'schen „Allgemeinen Bestimmungen" stehen der Oberstufe der einklassigen Volksschule im Ganzen wöchentlich fünf Religionsstunden zu. Vertheilt man dieselben nun so, daß eine Stunde auf biblische Geschichte, eine auf systematische Religionslehre, eine halbe Stunde auf hebräisch Lesen und drei halbe Stunden auf Gebet- und Bibelübersetzen entfallen, so ergiebt sich ganz klar, daß noch eine volle Stunde für nachbiblische Geschichte übrig bleibt, ohne daß ein anderes Fach dadurch benachtheiligt würde. (Hebräisch Schreiben, welches schon auf der Mittelstufe bis zur Geläufigkeit eingeübt sein muß, kommt ja auf der Oberstufe bei der Präparation zum Uebersetzen genügend zur Anwendung.) Wo die Verhältnisse weniger günstig liegen, lasse man lieber ein minder günstiges Fach, etwa Bibelübersetzen, aussallen, um der nachbiblischen Geschichte die ihr gebührende Stelle einräumen zu können. Oder aber man benutze eine Stunde des Samstags Nachmittags dazu, die älteren Schüler mit der jüdischen Geschichte bekannt zu machen. Gerade das letztere dürfte sich in kleineren Gemeinden mit ungünstigen Schulverhältnissen sehr empfehlen. Der dem Lehrer dadurch entstehende größere Aufwand an Zeit und Kraft würde bei etwas Eifer durch die später erzielten Erfolge sicherlich reichlich gelohnt werden. Gewiß gebe ich ferner zu, daß allerdings die jüdische Geschichte für Kinder sehr schwer zu erlernen ist, daß einzelne, ja viele Abschnitte derselben wegen ihrer Schwierigkeit in der Volksschule überhaupt nicht gelehrt werden können. Aber das berechtigt doch keineswegs dazu, das ganze Gebiet der jüdischen Geschichte wegen einzelner besonders schwieriger Abschnitte als für die Volksschule überhaupt zu schwer aus derselben zu verbannen. Gerade als wenn ich sagen wollte: Weltgeschichte kann in der Volksschule nicht getrieben werden, weil viele weltgeschichtliche Ereignisse den Kindern doch nicht verständlich sind. Nun lehrt aber die Erfahrung, daß gerade in dem historischen Unterricht, in der Welt- und speciellen vaterländischen Geschichte viele Schulen glänzende Resultate erzielen, daß sie sogar ziemlich verwickelte geschichtliche Thatsachen mit sehr gutem Erfolge behandeln. Daß aber die in der Volksschule entworfenen ausgewählten Bilder aus der Weltgeschichte auch in etwas leichter seien, als viele Darstellungen aus der jüdischen Geschichte, j wird wohl Keiner behaupten können und wollen. Es ist also nicht einzusehen, warum Kinder, welche in einem Unterrichtsfache ganz Erkleckliches leisten, nicht auch in einem anderen, welches diesem einen so eng verwandt ist, dasselbe Ziel erreichen können. Kurz gesagt: Wenn die Volksschule Weltgeschichte treiben kann, dann kann uud muß auch die nachbiblische Geschichte in ihr Aufnahme finden. Ist diese Aufnahme nur erst einmal erfolgt, hat also die nachbiblische Geschichte als selbständiges Fach in dem Lehrplan der Volksschule Platz gefunden, dann werden ihr sicherlich auch schöne Resultate nicht fehlen, sofern nur der Stoff in richtiger Weise ausgewählt uud den Kindern dargeboten wird. In richtiger Weise ausgewählt, das ist das zunächst wichtigste Bedingniß. Der Lehrer darf vor allen Dingen nicht beabsichtigen wollen, den Schülern die jüdische Geschichte von der Zerstörung des ersten Tempels bis auf die neueste Zeit vollständig uud möglichst lückenlos darzubieten; für die Volksschule muß vielmehr die Darstellung der wichtigsten Ereignisse, die sehr wohl in innere Verbindung mit einander gebracht werden können, voll und ganz genügen. So dürfte bei gleichmäßiger Vertheilung auf das siebente und achte Schuljahr etwa folgender Stoff für die Volksschule vollständig hinreichen: 1. Die Juden unter Alexander dem Großen. 2. Die Juden unter syrischer Herrschaft; die Makkabäer. 3. Die Parteien im Judenthum. (?) 4. Synode und Synhedrion, 5. Untergang der Herrschaft der Hasmonäer; Herodes. 6. Entstehung des Christenthums. (?) 7. Judäa unter römischen Landpflegern. Vespasian und Titus. Die Zerstörung des zweiten Tempels. 8. R. Jochanan ben Sakkai. 9. Bar Kochba. R. Akiba's Märtyrertod. 10. Der Talmud; Babylonische Hochschulen. 11. Die Karäer. (?) 12. Geonim. 13. Die Juden in Spanien; Juda Halevi; Abraham ibn Esra. 14. Moses Maimonides. 15. Die Inquisition; Verfolgung und Vertreibung der spanischen Juden. 16. Die Juden in der Türkei; Joseph Karo; Sabbathai Zewi. 17. Die Juden in Frankreich; Raschi. 18. Verfolgungen der Juden in Frankreich. 19. Die Leiden der Juden in Deutschland; die Kreuzzüge und ihre Folgen. 20. Beschuldigungen und Anklagen gegen die Juden; Ausnahmegesetze gegen die Juden. 21. Die Juden in Holland; Benedict Spinoza. (?)

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