Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-31 · Heft 36 (31.8.1886) · p. Seite 572

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 36 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
Seite 572 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227609-3227646--43794-3264175
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

572 ehrend für den Absender wie für den Empfänger, besonderer Erwähnung verdient. Aus besonderen Gründen hatte das Comit« von einem geräuschvollen Festessen, zumal der Herr Jubilar kein Freund von äußerem Gepränge ist, absehen zu müssen geglaubt; dagegen war aber ein sehr ansprechendes Abendfest unter Betheiligung der Lehrerfamilien mit den Seminaristen veranstaltet worden. Diesen Festact eröffnete der Herr Dr. Mansback (Mitglied des Comitös) mit einer kurzen, sinnigen Ansprache, die mit einem Toaste auf den Herrn Jubilar schloß, worauf dann Toaste und Gesänge in heiterer Stimmung rasch folgten. Die Seminaristen brachten das bekannte n^-in cms^ (zu dem Zwecke von dem Herrn Seminarlehrer Feinstein übersetzt) zur Aufführung. — Möge es dem Herrn Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre an der Haindvrfschen Stiftung, der Heimstätte tüchtiger Lehrerbildung, rüstig zu wirken: das walte Gott! Bonn, 22. August. (Literarische Notizen). Wir haben wiederholt bei Besprechung des fünften Bandes von Mommsen's römischer Geschichte den Grundgedanken dieses Schriftstellers zurückgewiesen, der „römische Staatsgedanke" sei von so hoher civilisatorischer Wirkung gewesen, daß die von den Römern unterjochten Nationen keine Berechtigung gehabt, sich gegen deren Herrschaft aufzulehnen. Nach Mommsen erscheinen die Völker, welche gegen die römische Herrschaft kämpften, als Barbaren und Räuber. Ganz besonders gehässig führt er dies gegen die Juden durch in den beiden Freiheitskriegen derselben. Daß Mommsen trotz der Hochachtung, die sein Werk genießt und verdient, hierin Gegner findet, ist natürlich. Sprechen doch die Thatsachen gar zu deutlich dagegen. Konnten wir doch aus der Broschüre Nöldekes, ohne daß dieser gegen die Anschauung Mommsen's sich ausspricht, die Menge von Fakten betonen, die dieser Gelehrte aus der Geschichte des Ostens gegen Mommsen's Darstellung anführt. Wir zweifeln deshalb nicht, daß in nicht zu ferner Zeit Mommsen's Auffassung und Darstellung allgemein verworfen werden wird. Es geschieht solches jedem Geschichtsschreiber, der mit einem gewissen Fanatismus einen einseitigen Standpunkt festhält. Wir finden zur Befestigung dieser unserer Ansicht eben in einer Abhandlung eines Gymnasiallehrers über „Die Folgen der „Entbürdungs"-Agitation", folgende sehr bezeichnende Stelle: „Die immer noch bestehende Bevorzugung der lateinischen Sprache hat kein anderes Recht als das der Tradition und größeren Leichtigkeit; über den geringeren Werth der lateinischen Literatur sind die Acten längst geschlossen; ja für den, der sich durch glänzende äußere Erfolge nicht täuschen läßt über den unsauberen Charakter der angewandten Mittel und die sittliche Qualität der erstrebten Ziele, ist auch die vielgerühmte politische Ueherlegenheit der Römer im Gegensatz zum Fiasco der Hellenen mehr als fraglich; wer will brhaupten, daß die aussaugende Regierung des hellenisirten Ostens und die Romanisirung des Westens eine volle Entschädigung bietet für die Zerstörung der Keime oder Früchte einer selbständigen italienischen, iberischen,, celtischen, und karthagischen Cultur? Was die Griechen, vor Allen die Athener auf kleinem Raum und für kurze Zeit geleistet, das haben sie erreicht durch glühende Freiheitsliebe, Achtung vor dem Gesetz und bereitwillige Unterordnung unter die Führung ihrer genialsten Mitbürger, während die Weltherrschaft der Römer nicht nur ihren Grund hat in ihrer allerdings erstaunlichen Zähigkeit, Energie, militärischen Disciplin und ihrem Berwaltungstalent, sondern ebenso in rücksichtsloser Habsucht, dämonisch kalter Grausamkeit und mehr als punischer Perfidie, die durch heuchlerische Anwendung eines geist¬ und herzlosen religiösen Ceremonienkrams doppelt widerlich wird; dazu eine ungentile Abwesenheit jeder Spur von ritterlicher Gesinnung gegen hochherzige Feinde — das sind die Ingredienzien des moralisch-pädagogischen Werthes, den die Betrachtung der römischen Geschichte haben soll." Turek,30.Juli. (LiterarischeNotizen.) rwon ni^d Einleitung in die Mischnah (hebräisch) von Jakob Brüll, Rabbiner in Kojetein, 2 Theile. (Verlag: Dr. A. Brüll in Frankfurt a. M.) Der I. Theil dieses Werkes, der bereits noch 1876 erschienen ist, enthält das Leben und die Lehrmethode der Gesetzeslehrer von Esra bis zum Abschlüsse der Mischna, und der II. Theil, der jüngst den Druck verlassen hat, behandelt Plan und System der Mischna nach der Methode Rabbis (o-i). Der Vers, hat sein auch typographisch gut ausgestattetes Werk mit großer Belesenheit nach allen Quellen der talmudischen und midraschischen Literatur bearbeitet, und kann es daher Allen empfohlen werden, welche talmudischen Studien obliegen. — Das in Petersburg in neuhebräischer Sprache bisher zweimal wöchentlich erscheinende für die russische Judenheit sehr schätzbare Organ „Hamelitz", dessen Redakteure uud Herausgeber die Herren Alexander Zederbaum, Dr. A. I. Goldenblum und L. Gordon sind, wird nunmehr von diesem Quartal ab als „Tageblatt" erscheinen. Wir wünschen diesem Unternehmen besten Erfolg.— Die unter der Redaction des Herrn A. Zederbaum herausgegebene neue illustrirte, jüdisch-wissenschaftliche Monatsschrift (Die Rundschau, hebräisch) hat, nach nur 4 Heften, zu erscheinen aufgehört. — Bon dem Redacteur der „Drohobyczer Zeitung", Herrn A. H. Zuznik, ist da« erste Heft seiner hebräischen Monatsschrift „fi'L" erschienen. — Von S. Schechter sind „Testamente der Ascher'schen Söhne: Juda und Jakob", hebräisch nach Manuscripten des Britischen Museums, nachdem er sie bereits im „Beth -Talmud" von Weiß veröffentlicht hat, in einer besonderen Ausgabe (Preßburg 5646) erschienen. Wie ihr Vater Ascher ben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.