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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-31 · Heft 36 (31.8.1886) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 36 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
Seite 571 (sequence 11)
Language
German
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571 zu reisen. — Ein 17 jähriges Fräulein Mirjam Samuelowitsch in Glochow hat nach überstandenem Abiturienten- Examen am Gymnasium eine goldene Medaille als Anerkennung ihres seltenen Fleißes erhalten. — Der hebräische Schriftsteller B. Mandelstamm ist in Symferopol gestorben. — Im Medicinalbezirk Odessa fungiren 99 Aerzte jüdischer Religion (darunter 6 Frauen). 2 Veterinäre, 9 Zahnärzte, 35 Hebammen, 10 Feldscherer, 19 Apothekenbesitzer und 4 Verwalter von Apotheken; im Ganzen 178 Juden. — Die wissenschaftlichen „Besthuschew'schen Curse für Frauen" in Petersburg besuchen in diesem Schuljahre 905 Zuhörerinnen, wovon 194 Jüdinnen sind, also 22 pCt. der Gesammtzahl. Die betreffende Lehranstalt zählte im Schuljahre 1884—1885 ca. 150 jüdische Töchter zu ihren Schülerinnen. — Von unseren Glaubensgenossen wurde in Cherson unter Betheiligung der Spitzen der Behörden ein neues Hospital eingeweiht. Das Prachtgebäude enthält 50 Krankenbetten und kostete 38,200 Rubel. Der dortige Rabbiner I. Pjesker hielt die Festrede in russischer Sprache. — In allen Schulen zu Petersburg wurde der jüdische Religionsunterricht eingeführt. — Mehrere Juden, welche in den russischen Lehranstalten amtiren, wurden in Anerkennung ihres Eifers für ihren Beruf vom Kaiser mit dem Rang als Ehrenbürger, mit dem verschiedene recht günstige Privilegien verbunden sind, ausgezeichnet. — Einer der hervorragendsten Vertreter der jüdischen Journalistik, der allbekannte und allverehrte Redacteur und Herausgeber des hebräischen Wochenblattes „Hamagid", Herr David Gordon in Lyck (Ostpreußen), ist jüngst im Alter von 54 Jahren gestorben. Gordon wurde in einem Städtchen Serhai (Russisch-Polen) im Jahre 1832 geboren. Nachdem sich der Verwaiste mit wahrem Feuereifer dem Talmudstudium zugewandt und sich eine bedeutende Kenntniß erworben, begab er sich schon im frühen Jünglingsalter nach London und von da nach Liverpool, wo er seine wissenschaftlichen Studien vollendete. Bald darauf trat er in die Redaction des „Hamagid", zuerst als Mitarbeiter und später als Redacteur ein und widmete fast drei Decennien hindurch seine volle Thätigkeit diesem Blatte. Auch gab er lange Zeit hindurch die in deutscher Sprache erscheinende „Lycker Zeitung" heraus. Mehrere wissenschaftliche Werke, theils Originale, theils Uebertragungen, sind von ihm in hebräischer Sprache erschienen. Moses Feinkind. Bonn, 22. August. (Notizen.) Die Pfalz ist abermals um eine neue Synagoge bereichert worden, und zwar in Rockenhausen; die feierliche Einweihung derselben fand am 13. d. Nachmittags statt. — Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin hat den Weinhändler Moritz Traube (Jude) zu Breslau zum correspondirenden Mitglied der mathematisch-physikalischen Masse gewählt. Der Breslauer Gelehrte, dessen Arbeiten auf dem Gebiete der Gährungschemie, sowie über gewisse Arten der Zellenbildung ihm einen großen wissenschaftlichen Ruf erworben haben, hat niemals eine Lehrthätigkeit auf einer Universität ausgeübt, obwohl dies seiner Neigung am meisten entsprochen hätte. In Folge des Todes seines Vaters sah sich der ungewöhnlich veranlagte und arbeitseifrige Naturwissenschaftler genöthigt, das große Traube'sche Weingeschäft zu übernehmen. Allein dies hat ihn doch nicht gehindert, unausgesetzt wissenschaftlich thätig zu sein. Wie sein leider zu früh verstorbener Bruder Ludwig, ist auch Moritz Traube von einer kaum zu überbietenden wissenschaftlichen Forschungsstrenge und von einer eben so großen Vorsicht in der Schlußfolgerung. Daher gelten denn auch die wissenschaftlichen Ergebnisse beider Brüder als äußerst zuverlässig und nur sehr schwer anfechtbar. — Es wird uns aus Breslau geschrieben, daß der 81jährige Wilhelm Freund jetzt eine neue gänzlich umgearbeitete Auflage seines Lat.- Deutschen Wörterbuchs vorbereitet, und zwar mit ganz besonderer Berücksichtigung der Jurisprudenz und der Kirchenväter, wozu der hochverdiente alte Herr noch umfassende Studien getrieben hat. — Von den vor kurzem in Frankreich gewählten Generalräthen hat der des Dep. des Hsrault zum sechsten Male Herrn E. Lisbone, ehemaligen Deputirten, zu seinem Präsidenten gewählt. Der Generalrath der Rhonemündungen wählte Herrn BenjaminAbr a mzum Präsidenten. — Der König der Sandwich-Jnsein hat unseren Glaubensgenossen Abram Hoffmann zu seinem Geschäftsträger bei der Königin von England ernannt. — Man schreibt uns aus Westfalen: In der Aula des Seminargebäudes der Marks-Heindorfschen Stiftung zu Münster fand am 15. August eine ebenso schöne wie seltene Feier statt, die des 50 jährige» Amtsjubiläums des Direktors, Herrn Dr. Steinberg. Herr Treu leitete Namens des Festcomites den feierlichen Act durch eine Ansprache ein, worin er unter Zugrundelegung des Verses orn ni rc. die Bedeutung des Tages für den Jubilar, dessen Schüler, die Anstalt, dessen ganzen Lehrerstand in markigen Zügen zeichnete, über Würde, Gegner und Freunde des Lehrerstandes sprach und schließlich seinen Wünschen für den Jubilar, in Amt und Familie, warmen Ausdruck verlieh. Hierauf verlas H. T. eine Adresse von ehemaligen Schülern sowie von Amtsgenossen und überreichte von ebendenselben eine recht hübsche Festgabe. Desgleichen verlas der Präses des Curatoriums eine Adresse und Herr M. Feibers gratulierte Namens des Vorstandes der isr. Gemeinde Münsters dem Herrn Jubilar in recht warmen Worten. Hübsche Deklamationen (eigens zu dem Feste gedichtet) und Gesänge trugen viel zur Hebung des Festes bei. Im Laufe des Tages empfing der Gefeierte sehr viele Zuschriften und Telegramme, worunter besonders ein Schreiben des Herrn Rittergutsbesitzer Löb, begleitet von einer kostbaren Festgabe, 3€*

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