Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1886)
- Date
- 1886-08-31
- Page
- Seite 569 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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- Tunis 1× ep/1048155
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589 größtem Nutzen sind, und zwar nicht blos vom kaufmännischen Gesichtspunkte, sondern auch als Handwerker, selbst als Viehzüchter. Die Motive des Judenhasses sind also in unserem Lande in der That religiöser und Racen-Fanatismus — nur will man dies nicht bekennen. Die Rumänen wollen freisinnig erscheinen und liberalen Grundsätzen folgen und dies Europa weismachen; zur Judenverfolgung soll sie nur die volkswirthschaftliche Schädlichkeit der Juden veranlassen. Dies ist eine Lüge, ein bloßer Vorwand für ihren Haß und ihren Neid. Aber hieraus erklärt sich auch, warum man keinen antisemitischen Congreß hier haben will. Rumänien soll nicht als eine Brutstätte des Antisemitismus gelten. So erscheint hier die eigenthümliche Combination! Die Juden müssen aus Rumänien flüchten, aber den Antisemiten verweigert man die Zuflucht. Frankreich. Paris, 18. August. (Privatmitth.) Wir hatten jüngst wieder über die Verleumdungen zu berichten, welche gegen die Alliance isr. univ. nicht blos in dem berüchtigten „La France juive", sondern auch int Journal des Debats von einem Kritiker jenes Pamphlets ausgesprochen wurden. Die gründlichste Widerlegung würde der, welcher überhaupt für eine solche zugänglich wäre, wiederum in dem jüngsten Bulletin der Alliance über das zweite Semester von 1885 und das erste Semester 1886 finden. Kein Verein der Welt kann über sein Thun und seine Mittel und hiermit über seine Zwecke der Oeffentlichkeit mehr übergeben, als es die Alliance thut. Es gehört entweder der schlechteste Wille oder eine verwerfliche Nachlässigkeit, sich über den wirklichen Stand der Dinge zu unterrichten, dazu, um solche Urtheile zu fällen, wie geschehen ist. — Das Bulletin giebt zuerst eine Uebersicht über die Ausbreitung der Alliance, dann über die gegenwärtige Lage der Juden in Rumänien, Rußland, Türkei, Maroeeo, andeutend, daß die Wirksamkeit der Alliance vorzugsweise nach diesen Ländern gerichtet ist, wo die Verhältnisse unserer Glaubensgenossen noch sehr drückend sind. Es folgen die Nachrichten über die Schulen der Alliance, namentlich die Ackerbauschule zu Jaffa, und die Lehranstalten für Handwerkerlehrlinge. Die Schulen befinden sich außer der Borbereitungsschule zu Paris, in Aleppo, Adrianopel, Bagdad, Brussa, Caifia, Schumla, Constantinopel, Damaskus, Fez. Jerusalem, Mehdia, Philippopel, Salonichi, Samoeoff, Smyrna. Sousse, Tanger, Tatar-Bazardjik, Tetuan, Tunis, Varna, Widdin, Jamboli. In 18 dieser Städte hat die Alliance auch Handwerkerschulen und Werkstätten für die Mädchen. Die 32 Knabenschulen werden von 5700 Schülern, die 16 Mädchenschulen von 2508 Schülerinnen, die 18 Anstalten für Handwerkerlehrlinge von 421 Knaben, die 6 Werkstätten für Mädchen von 154 besucht. Man kann aus diesen Angaben die segensreiche Wirksamkeit der Alliance nach dieser Richtung hin ermessen. Ausführliche Jnspectionsberichte folgen. Der finanzielle Rechenschaftsbericht beziffert die Einnahme auf Fr. 233,360, worunter eine Subvention des Baron Hirsch für die Handwerkerschulen und Werkstätten von Fr. 31,842 und eine Deckung des Deficits durch denselben Wohlthäter von Fr. 52,227 sich befindet. Die Ausgaben belaufen sich auf dieselbe Höhe. Jedermann kann sich aus dem speciellen Berichte über die Verwendung dieser Summen genau unterrichten, und wird sehen, wie wenig für andere als für Schulzwecke verausgabt wird. Es wäre zu wünschen, daß das Bulletin auch außerhalb der jüdischen Kreise eine recht vielfache Verbreitung fände, und zu diesem Zwecke erscheint es uns nützlich, daß ein Exemplar an die Redaction jedes größeren europäischen Blattes ohne Unterschied der Farbe geschickt wurde. Es giebt doch noch zu viele Freunde der Wahrheit, als daß sie sich nicht gern daraus unterrichten würden. Paris, 20. August. Seitdem den eingeborenen Israeliten Algeriens die Wehrpflicht auferlegt worden, also seit 1870, wurden den jüdischen Rekruten südsranzösische Garnisonen angewiesen, so daß sie ihre Dienstpflicht fern von ihrer Heimath zu leisten hatten. Die Absicht war, Streitigkeiten mit den christlichen algerischen Soldaten zu vermeiden. Man hat indeß seitens der Militärverwaltung die Unbilligkeit dieses Verfahrens eingesehen, und vom nächsten Termin an sollen die jüdischen Rekruten in Oran eingestellt werden. — Die Verbannung jedes Religionsunterrichtes aus den öffentlichen Schulen nach dem neuesten französischen Gesetze hat natürlich viele jüdische Eltern in Verlegenheit wegen des religiösen Unterrichts ihrer Kinder gebracht. Man sollte voraussetzen, daß das israelitische Consistorium sich beeilt hätte, gegen diesen Mangel an religiösem Unterrichte nöthige Vorkehrungen zu treffen. Das war aber bis jetzt nicht geschehen. Dann erst, nachdem eine Anzahl jüdischer Väter im dritten Arrondissement von Paris bei dem Consistorium um die Herstellung einer desfallsigen Lehranstalt nachgesucht hatten, hat das Consistorium für die Sonntags-Vormittage einen Religionsunterricht eingerichtet. Man erwartet nun, daß auch aus anderen Arrondissements gleiche Gesuche ergehen werden. — Man rühmt es dem israelitischen Consistorium in Lyon nach, daß es einen Jahresbericht, nunmehr auch für 1885, zu veröffentlichen pflegt. Es ist dies noch immer das einzige Beispiel in Frankreich, und es ist dies abermals ein Beweis von der Lässigkeit, mit welcher die Consistorien die Angelegenheiten behandeln. Denn wenn auch das betr. Gesetz ihnen die Ausarbeitung und Veröffentlichung von Rechenschaftsberichten nicht auferlegt, so gehört es wohl zu den nächsten Pflichten einer solchen Verwaltungs- I behörde über ihre Thätigkeit und namentlich über die Verso