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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-31 · Heft 36 (31.8.1886) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 36 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
Seite 568 (sequence 8)
Language
German
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568 den Bestrebungen des Württemberger Bolksschullehrervereins anzuschließen. Zur Revision der Lesebücher für israelitische Schulen wurde eine Kommission gewählt. Ein gemeinsames Mahl vereinigte sämmtliche Mitglieder an der Tafelrunde und später eine gemüthliche Unterhaltung im „Petersburger Hof". — Einer Gesellschaft von Kurgästen in Wildbad ist es gelungen, daselbst einen geregelten Gottesdienst zu veranstalten. Von städtischer Seite ist vom nächsten Jahre an hierzu ein Betsaal verwilligt worden. Herr Dulziensky aus Kiew hat für die neuzuerstehetlde Knrgemeinde eine Thorarolle gestiftet, welche vom Landrabbiner Dr. Buchholz aus Emden letzte Woche in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben wurde. Gera, im Aug. Nach einer Notiz der „Dorfztg." hat der Stadtrath dem FleischermeisterRaithel des Schlachtendes Biehcs nach jüdischem Ritus, „Schächten" genannt, als Thierquälerei bei 150 M. Strafe untersagt. (Hoffentlich wird das zuständige Gericht über diese Verfügung des Stadtrathes angerufen. Red.) Aus Württemberg, 22. August. (Berichtigung.) Die Allgemeine Zeitung des Judenthums vom 17. August d. I. Nr. 34 entnimmt einer Zuschrift der „Freis. Zeitung." aus Württemberg, worin unter anderem angeführt wird: „Daß ein jüdischer Einjährig-Freiwilliger Reserveoffizier werden könne, sei gar nicht denkbar." Dem ist aber nicht so, da schon im Jahre 1873 ein Jsraelite namens Theodor Stern aus Stuttgart, nach absolviertem Dienstjahr und bestandenem Examen, zum Reserveoffizier ernannt wurde. St. (Wir wünschen, daß 1886 das Gleiche gälte wie von 1873! Red.) Oesterreich - Ungarn. Wien, Mitte August. (Privatmitth.) Es ist eigenthümlich, wir lachen über den Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, weil er meint, daß ihn der Jäger nicht sehen werde, und wir Menschen thun öfters ganz Aehnliches und meinen superklug gehandelt zu haben. Es liegt mir nämlich Nr. 31 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vor, in welcher der Artikel des Herrn Dr. Asher ganz und meine Cvrrespondenz theilweise aus Nr. 31 der „Allg. Zeitung des Judenthums" reproducirt worden und die Redaction der Oesterreichischen Wochenschrift will dem Leser weißmachen, ich hätte mit meiner abfälligen Bemerkung über die Haltung einer hiesigen jüdischen Wochenschrift in Angelegenheit des Antisemitismus die „Neuzeit" gemeint. Daß die „Oesterr. Wochenschrift" nicht daran glaubt, ist selbstverständlich, sie sucht nun, wie kleine Kinder, die Schuld von sich abzuwälzen. Es wird ihr aber auch kein anderer Mensch diese Mähre glauben, der die „Neuzeit" liest, oder der weiß, „daß Herr Prediger Dr. Jellinek der sxiritns rector dieses Blattes ist. Die „Oesterr. Wochenschrift" liefert überdies in der vorliegenden Nummer neuerdings den Beweis dafür, daß sie nicht objectiv ist. Sie reproducirt den Artikel Dr. Asher's soweit er vom Antisemitismus spricht und leider hat er Trübseliges zu berichten, vollständig, aus meiner kurzen Cvrrespondenz streicht sie jedoch jene Mittheilungen, die auf Lichtpunkte Hinweisen. Ich weiß nicht, ob Herr Vorsteher Baumgarten zu Ihren Mitarbeitern und Correspondenten gehört, da jedoch die „Oesterr. Wochenschrift" ihm die Autorschaft der angeführten Correspondenz aus Wien in Nr. 31 der Allg. Ztg. d.Judenth. unterschiebt, so bin ich in dem gegebenen Falle in der Lage, das auf das Entschiedenste dementiren zu können. *) Pest, 18. August. (Privatmitth.) Herr H. Davitcho, Kanzler des hiesigen serbischen Generalconsulats, wurde zum Ministerial-Secretär im serbischen Ministerium des Aeußern ernannt; derselbe verbleibt vorläufig noch auf seinem hiesigen Posten. Rumänien. Bukarest, 18. August. (Privatmitth.) In der Geschichte des modernen Antisemitismus wird es als eine bemerkenswerthe Thatsache zu verzeichnen sein, daß die antisemitischen Agitatoren, um einen Congreß abzuhalten, in keinem Lande mehr eine genügende Stätte fanden und deshalb Rumänien ausersahen, aber auch hier zurückgewiesen wurden. Mehr oder weniger fielen schon die früheren antisemitischen Congreffe dürftig, zuletzt in Cassel kläglich aus; von den Agitatoren selbst fanden sich viele nicht veranlaßt, zu erscheinen, und worauf >nan am meisten gerechnet, der Zustuß am Orte selbst blieb aus. Nun glaubten sie, daß gerade Rumänien eine ausreichende Staffage liefern würde. Aber gerade dies wird von vornherein abgesprochen, wie wir in vor. Nr. vom Romanul berichtet haben. Es stellt dies ein förmliches Fiasco vor und wird den Eifer und den Muth der Führer der Antisemitenpartei nicht erhöhen. Selbstverständlich hat man dabei nicht daran zu denken, daß Rumänien den judengehässigen Geist, der es beseelt, aufgegeben habe. Aber die Rumänen haben von Anfang an nichts mehr gefürchtet, als daß ihnen eine solche Gesinnung der Unduldsamkeit und des Fanatismus zugeschrieben werde. Selbst nicht den Racenhaß wollten sie besitzen. Sie wollten nur den Schein habön, daß sie gegen die Juden nur aus volkswirthschaftlichen Gründen so hart verführen. Natürlich ist dies nur Schein, aber sie streben danach, ihn aufrecht zu erhalten. Jeder Unbefangene weiß, daß die Juden gerade in volkswirthschaftlicher Beziehung den Rumänen, wenn nicht unentbehrlich, doch von 1) Wir können unserm Herrn Korrespondenten diese Richtigstellung nicht verargen, ohne uns deshalb mit der „Oesterreichischen Wochenschrift" in eine weitere Polemik einzulasscn. Redact.

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