Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1886)
- Date
- 1886-08-31
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 1× ep/1005321
- Tunis 1× ep/1048155
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Bonn, 18. August. bigkeil rechnen, wenn es ihnen weiß machen will, daß sich ein Erzbischof von Paris, der kurz vor seinem Tode ein so entschiedenes Manifest gegen die Regierung geschleudert, sich eine Erklärung und zwar durch die Juden, habe „abpressen" lassen. — Um zu zeigen, welchen Einfluß die Juden in Frankreich besitzen, bemerkt die „Kreuzzeitung" auch: „Vor einiger Zeit geriethen der französische Patrioten-Club und der deutsche Turnverein sich in die Haare. Beide Vorsitzende hießen Maier und beide waren — Juden!" Wenn dies wahr ist, was wir noch bezweifeln, so hat doch auch der deutsche Turnverein einen Juden zu seinem Vorsitzenden gewählt, und der französische Jude und der deutsche Jude sind, natürlich aus nationalen Motiven, gegen einander losgefahren. — Wer irgend in Frankreich eine politische Bedeutung erlangt hat, den stempelt Drummond zum Juden und die Kreuzzeitung nimmt es als richtig an. Leon Say, Locroy, Gambetta, der Herzog von Decazes u. A. sind für diese siamesischen Zwillinge Juden und bleiben es trotz aller authentischen Widerlegungen. Auf diese Weise ist es freilich leicht, den Inden einen überwiegenden Einfluß in Frankreich zuzuschreiben. Die Kriege in Tunis und Tonking sind „lediglich um Judeninteressen geführt", ja selbst der Krieg von 1870 hat einen solchen Ursprung. Diese Beispiele werden wohl genügen, um unser Urtheil über die beiden Artikel der Kreuzzeitung zu rechtfertigen. Unverkennbar trägt sich die Kreuzzeitung mit der Absicht, dem Antisemitismus auch in Deutschland wieder einige Nahrung zuzuführen und das von der Tagesordnung im Verschwinden begriffene Gespenst noch einmal mit recht schwarzen Farben auf die Bühne zu bringen. Schade, daß sie hierin durch die Besprechungen in der Tagespreffe, welche bei der jetzigen politischen Stille nach pikanten Gegenständen eifrig ausschaut, unterstützt wird. Möglich auch, daß die Kreuzzeitung hierin eine Förderung ihres Hammerstein'schen Projectes auf eine episkopale Organisation und größere Dotation der protestantischen Kirche erblickt, oder auch damit auf die „Mittelparteien" diesen Gegenstand ihres Hasses, loszuschlagen glaubt. Ob ihr die Wiederbelebung des Antisemitismus gelingen und ob sie für die Beschränkung der Gleichberechtigung im Reichstage eine Unterstützung finden werde, ist sehr zweifelhaft, ja, was die letzte Frage betrifft, höchst unwahrscheinlich. Aber wiederholen wir, eine neue Leistung der Kreuzzeitung ist es nicht, sondern nichts weiter als ein neues gedrucktes Blättchen in dem bereits starken Bande ihrer judengehässigen Auslassungen. Unsere Vorfahren. Der Prophet Jeremias (51, 15.) hat in der trübsten Zeit, da der Untergang des Staates und die Knechtung in der Verbannung über Israel schwebte, seinem Volke ein Trostwort in's Herz gesenkt, das ihm niemals wieder entschwand, das Wort: :?s~W' t6 „nicht verwaist ist Israel!" >) Zunächst meinte der Prophet, daß Israel niemals verlassen sei von „seinem Gotte, dem Ewigen der Heerscharen"; doch Gott bedient sich zur Ausführung seiner Werke innerhalb der Menschenwelt der Menschen als seiner Werkzeuge. Das wußte das Volk, und verstand deshalb den Spruch des Propheten sowohl von Gott als von berufenen, befähigten und willensstarken Männern, und in allen Gefahren und Nöthen hoffte es mit Zuversicht, daß sich die von Gott gesandten Retter einstellten. Sein Vertrauen ward nicht getäuscht. Es giebt wohl in der Geschichte der Menschheit kein Volk, keinen Stamm, der, wie Israel, im Laufe von drittehalb Jahrtausenden immer wieder nicht einen, sondern ganze Gruppen bedeutender Männer erstehen sah, die sich seinem Berufe und seinem Geschicke hingebend ihm in den Dienst stellten, und ihre Kräfte dem Heile und der Aufrichtung ihres tiefgebeugten und tiefbedrohten Stammes widmeten. Allerdings konnten diese in der späteren Periode das grausame Geschick ihres Volkes nicht verhindern; hatten sie doch selbst um so schwerer das Joch zu tragen, als sie sich desselben in ihrem erhellten Geiste um so mehr bewußt waren. Aber sie stemmten sich mit allen ihren Kräften dem Zerfall entgegen, suchten die Ihrigen über die Krise, ja die Katastrophe hinwegzubringen und durch geistige Kraft die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Dies war nicht ein Mal, nicht nur in der Blüthe des Volkes der Fall, sondern durch alle Zeiten, frühere und spätere, immer wiederholt, und dies macht eine besondere Eigenthümlichkeit in der Geschichte dieses merkwürdigen Stammes aus. Neben der riesigen Gestalt Mose's stehe» allerdings nur zwei, Aron und Josua, der glückliche Eroberer und getreue Nachfolger seines Meisters. Uebergehen wir die rauhe Zeit der Richter, so erscheinen in großer Bedrängniß, wo die Stämme auseinander zu fallen und die Beute der kriegerischen Nachbaren zu werden drohen, Samuel, Saul, David, Abener, Joab, denen sich Salomon anschließt. In dem inner» Kampfe, den Gotteslehre und Heidenthum unter den Königen mit einander führen, treten, von Elijah geführt, die Propheten als ewig leuchtende Sterne am Himmel auf. Die gefährlichste Zeit war sicherlich das babylonische Exil, wo die zerstreuten Juden in den weiten Fluren des Fremdlandes dem Vergessen und Aufgeben ihres überlieferten Glaubens und Gesetzes an- ') Wörtlich „nicht verwittwet.