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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-31 · Heft 36 (31.8.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 36 (31.8.1886)
Date
1886-08-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein imparteiWcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne-! ment in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition: Leipzig, Woßpkrrh 17. In revactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 31. August 1886. Nr. 36. Inhalt. Leitende Artikel: Der Antisemitismus der „Kreuz-Zeitung". — Unsere Vorfahren. — Zur Unsterblichkeitslehre in der heil. Schrift. — Ein Zusatz zum Buche Daniel. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Stuttgart, Gera, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Rumänien: Bukarest — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg, Turek. — Bonn: Notizen. — Bonn, Turek: Literarische Notizen. — Feuilleton: Correspondenzen. — Die Erbtöchter. Zcikavibz SU'fci'ßeß Bonn, 25. August. Der Antisemitismus der „Äreuz-Ieitmlg". ii. Wer die beiden Artikel der Kreuzzeitung vom 12. und 13. Augnst „Die Juden in Frankreich" in ihrem Wortlaute liest, dem muß es scheinen, als ob sie der Aufmerksamkeit, welche sie seitens der liberalen Blätter gefunden, gar nicht Werth seien, und daß. sie eben nur durch diese letztere» einige Bedeutung erhalten haben, die sie an sich gar nicht besitzen. Denn mit Ausnahme des Schlusses, in welchem die Kreuzzeitung eingesteht, was übrigens Niemandem eine Neuigkeit ist, daß, wenn die Aristokraten die Herrschaft hätten, die Gleichberechtigung der Juden längst beseitigt wäre, und daß die conservative Partei gesetzgeberisch auf die Vernichtung der confessionellen Gleichberechtigung dringen werden — sind die beiden Artikel eigentlich nur albern. Die „Kreuzzeitung" gesteht zwar selbst zu, daß das Drummond'sche Buch an „Einseitigkeit und Uebertreibungen leide", und, „was schlimmer sei, es enthalte unbegründete Ausfälle gegen den Protestantismus". Dennoch eignet sie sich diese Uebertreibungen an und behauptet ernsthaft die lächerlichsten Dinge. Sie sagt z. B.: »Die Juden haben sich in Frankreich aller Dinge bemächtigt, deren man sich überhaupt bemächtigen kann: der Regierung, der Wahlen, der Presse, der Literatur, der Justiz, der Statistik, des Schulwesens, des Theaters und, last not least, der mächtigen Großlogen." Wer kann aber eine solche Behauptung , daß eine Nation von 38 Millionen Seelen, die sich einer zweitausendjährigen Culturarbeit erfreut, sich von 45,000 Inden, von denen die ungeheure Mehrzahl nichts als einfache Geschäftsleute der gewöhnlichsten Art sind, dermaßen beherrschen lassen soll, anders als albern und lächerlich bezeichnen! Das muß wohl auch die Kreuzzeitung empfunden haben, denn sie macht für ihren Zweck mit Drummond ans dieser statistisch erwiesenen Zahl von 45,000 — 500,000. Allein seit mehr als 30 Jahren, also längst vor der Zeit des Drummond'schen Buches, veröffentlichen die israelitischen Consistorien in den jüdischen Kalendern die Zahlen der jüdischen Bevölkerung ihrer Sprengel, und da kommen, nachdem Elsaß- Lothringen Deutschland gehört, abgerechnet von Algerien, für Frankreich nur 45,000 heraus. Niemand aber kann diesen Consistorien die Absicht zutranen, die Zahlen um das Zehnfache zu reduciren, noch dazu, da es in ihrem Interesse gelegen hätte, die Zahl ihrer Heerden höher anzugeben, um leichter bessere Subventionen aus Staatsmitteln zu erlangen. Das Drummond'sche Werk fand in den maßgebenden Kreisen der Nltramontanen keinen Beifall. Wurde der Verfasser doch aus der Redaction der „France“ ausgeschlossen und fand als ultramontaner Journalist keinen Platz mehr. Noch mehr, der Erzbischof von Paris erließ eine Erklärung, in welcher er jenes Lügenwerk verurtheilte. Das konnte auch der Kreuzzeitung nicht verborgen bleiben, aber wie lächerlich klingt nun ihre Ausrede: „Der Erzbischof von Paris hat sich in Sachen des Drummond'schen Buches von der Judenschaft eine philosemitische Erklärung abpressen lassen."!!! Das edle Blatt muß doch bei seinen speciellen Lesern auf eine große Gläu- 36

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