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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-24 · Heft 35 (24.8.1886) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 35 (24.8.1886)
Date
1886-08-24
Page
Seite 556 (sequence 12)
Language
German
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556 von mehr als 20,000 Rubeln zugefügt wurde. In Privathäusern der Juden wurde alles Möblement zerstört, und retteten sich die meisten vor der wüthenden Menge in die Keller. Als die Ordnung wiederhergestellt war, langte der Kiewer General-Gouverneur im Städtchen an, welcher sofort eine strenge Untersuchung einleitete. Es wurden in zahlreichen Bauernhäusern Durchsuchungen vorgenommen, wobei eine Menge geraubter Maaren und werthvoller Gegenstände gefunden wurde, welche die Bauern nicht gutwillig ausfolgen wollte». In Folge dessen kam es wiederum zu heftigen Scenen zwischen der Polizei und den Bauern, welche zahlreiche Verhaftungen zur Folge hatten. (Es scheint hier ein Streit von Juden gegen Juden stattgefunden zu haben, und die Bauern machten sich zum Strafwerkzeug dafür.) Cypern. Aus Cypern, im Juli. So gewiß es ist, daß die Idee jüdischer Ackerbaucolonien ihren Weg machen und schließlich zu einigen guten Zielen kommen werde: so unterliegt doch ihre Ausführung mancherlei Schicksalen, da sie ebenso eine glückliche Wahl des Ortes, der Bodenbeschaffenheit und das Klima erfordert, wie die Befähigung und Tüchtigkeit der Colonisten. Vor einiger Zeit ließen sich ca. 30 jüdische Familien in Rumänien von einem protestantischen Missionär, der diese seine Eigenschaft verheimlichte, verleiten, nach der Insel Cypern auszuwandern, wo er ihnen Stücke fruchtbaren Landes anzuweisen verhieß, indem er Land und Klima aufs herrlichste rühmte. Jede Familie mußte ihm 500 Frs. zahlen. Diese Leute sind nun auf Cypern in das größte Elend versunken. Der Boden ist durchaus steinig, das Wasser fehlt, die Hitze unerträglich. Man macht nunvon Jerusalem aus Anstrengungen, die sonst durchaus braven und zur Arbeit geneigten Menschen nach Palästina zu überführen, um sie dort in einer Colonie anzusiedeln. In Jerusalem besieht ein Verein „Ebra", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, der protestantischen Mission ihre Leute abzujagen. Seine Mittel aber, die gedachten jüdischen Colonisten aus Cypern herüberzuführen, sind zu schwach, und er fordert deshalb zu Beiträgen auf. Mögen diese ihm genügend zufließen, und das traurige Loos der armen rumänischen Juden sich bessern! Palästina. Frankfurt a. M., im August. (Privatmitth.) Der hier domicilirte Verein „Zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" schreitet langsam fort, da ihm immer noch sehr mäßige Mittel zufließen, obgleich sein Wirken ein recht wohlthätiges ist. So konnte er 1885 nur einen, den vierzehnten Zögling in seine Anstalt aufnehmen, und war noch nicht in den Stand gesetzt, wie er es wünschte, einen fünfzehnten aufzunehmen. Dagegen erhält er 30 Externe und mehrere Knaben in der Handwerksschule, wo sie gute Fortschritte machen. Die meisten dieser Knaben sind russisch polnischen Ursprungs; aber Niemand in Polen denkt daran, dem Vereine einige Unterstützung zukommen zu lassen. Einnahmen und Ausgaben beliefen sich auf M. 15508, wovon Effecten für M. 2923 angeschafft wurden. Der Fond beläuft sich gegenwärtig auf M. 74575. Hoffen wir, daß der Verein immer mehr an Mittel und Wirksamkeit gewinnt! Bonn, 15. August. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Der Advokat vr. Isidor Baumgarten, ein Israelit, ist zum Vice-Staatsanwalt beim hiesigen k. Gerichtshof ernannt worden. — Die Rabbiner Lövy in Oberehnheim und Dreifuß in Zabarn (Elsaß) haben jüngst ihr 50 jähriges Amtsjubiläum theils als Lehrer, theils als Rabbiner gefeiert, und haben vom deutschen Kaiser den Kronenorden vierter Klasse erhalten. Dem Letzteren wurde diese Auszeichnung in der Synagoge vom Kreisdirektor feierlich überreicht. Feuilleton. Correspim-eriz. Hannover, im Juli. protocoll der am (4. Juni (886 im Sitzungssaale der Synagoge zu Hannover stattgcfundenen Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. Anwesend waren 32 Mitglieder und die beiden Ehrenmitglieder Herr Landrabbiner vr. Gronemann-Hannover, und Herr Seminardirector vr. Krön er-Hannover. Erste Sitzung, Montag, 14. Juni. Der Vorsitzende, Fauerbach-Hildesheim, eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache. Er gab zunächst seiner Freude Ausdruck über den zahlreichen Besuch der Versammlung, darin einen Beweis dafür erblickend, daß die Anwesenden an den Bestrebungen zur Hebung des jüdischen Schulwesens, wie diese in der Presse zur Zeit sich kund gebe, thätigen Antheil nehmen. Es sei ihm um so erfreulicher, I dies sagen zu können, da auch er der Ansicht sei, daß sowohl I für die Stellung des Lehrers, als auch für die Hebung des

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