Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 35 (24.8.1886)
- Date
- 1886-08-24
- Page
- Seite 554 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(Öberschlesien), Braunschweig, Breslau, Bromberg, Cassel, Cöln, Danzig, Darmstadt, Dresden, Frankfurt a. M., Fürth, Gnesen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe i. B., Leipzig, Lissa in Posen, Magdeburg, Mainz, Mannheim, München, Memel, Nürnberg, Regensburg, Stettin, Thorn, Worms, Würzburg. Man sieht, einige glänzen noch durch ihre Abwesenheit. Vom 1. April 1885 bis zum 1. April 1886 betrugen die Einnahmen M. 27518 und die Ausgaben die gleiche Summe, wovon jedoch für M. 8510 Effecten angekauft wurden und M. 721 Saldo blieben. Das Vermögen betrug M. 75021. Aus der „historischen Commission" erfahren wir, dag ihr bereits hinreichende Geldmittel zu Gebote gestellt sind und die Vorbereitungen zu den Regesten getroffen werden. Angehängt ist noch „Erbauliches" von Prof. Steinthal, der die Synagoge seiner kleinen Vaterstadt Gröbzig und die Persönlichkeit und Vortragsweise des früheren und dortigen Vorbeters als „eine Jugenderinnerung" schilderte. Breslau, II. August. (Privatmitth.) Am Morgen des 8. August c. ist nach mehrwöchentlichem, schwerem Leiden der ehrwürdige Rabbiner hiesiger Synagogen-Gemeinde, der königl. Landrabbiner Gedalia Tiktin im Greisenalter von 78 Jahren aus diesem Leben geschieden. Durch das Ableben dieses Gottesmannes, der 43 Jahre als Nachfolger seines frommen Vaters, Rabbi Salomon Tiktin, den hiesigen Rabbinatssitz einnahm, hat ein Rabbinatsgeschlecht zu bestehen aufgehört, das seit Anfang dieses Jahrhunderts in der Provinz Schlesien und speciell in Breslau durch Wissenschaft, Lehre und That Großes für das Judenthum geleistet hat. Die Nachricht von seinem Tode hat darum alle Gemüther tief ergriffen, weil der Verewigte es verstanden hat, durch seine hervorragende Begabung, seine Gelehrsamkeit und unerschütterliche Ueberzeugungstreue sich in allen Kreisen die größte Verehrung zu verschaffen. Hierzu gesellt sich noch seine persönliche Liebenswürdigkeit, die ihm alle Herzen gewann. Diese Hochachtung wurde ihm nicht nur von seinen Glaubensgenossen entgegen gebracht, sein frommer, dem Wohlthun geweihter Lebenswandel fand auch an höchster Stelle volle Würdigung. König Friedrich Wilhelm IV. zeichnete ihn durch Verleihung des Titels „Königl. Landrabbiner" aus und der Kaiser decorirte ihn mit dem preußischen Rothen Adlerorden. Der Heimgegangene beschränkte sich nicht darauf, seinen heiligen Beruf ausschlieslich in der Gotteslehre und der Ausübung der rabbinischen Pflichten zu erblicken, sondern er erfaßte im ganzen Umfange die Pflichten der ihm anvertrauten Seelsorge. Nicht eine einzige Wohlthätigkeitsanstalt und humanitäre Gesellschaft existirt in der hiesigen Gemeinde, der er nicht als Ehrenmitglied oder als thätiges Vorstandsmitglied angehörte. Wie aufopfernd widmete er in jeder Woche einen Tag dein Besuche der Strafanstalten, um auch hier den Verirrten und Bestraften durch seinen religiösen Zuspruch Trost und Aufrichtung zu spenden. Die gestern Nachmittag 3 Uhr stattgehabte Leichenfeier legte ein beredtes Zeugniß für die allgemeine Trauer über den unersetzlichen Verlust ab, von dem das Judenthum und die Gemeinde Breslau betroffen worden ist. Eine nach Tausenden zählende Begleitung folgte der Bahre zunächst nach dem Gotteshause, wo der Hingeschiedene Rabbiner zum letzten Male weilen sollte, von wo aus er das Gotteswort der Gemeinde verkündet hatte. Die Estrade vor der Bundeslade und diese selbst waren schwarz drapirt. Hier mußte der letztwilligen Bestimmung des Verstorbenen, daß keine Trauerrede gehalten werden dürfe, Rechnung getragen werden. Nach Recitirung einzelner, der Feier entsprechender Psalmen, wurde das Gebet für sein Seelenheil gesprochen, das einen tiefergreifenden Eindruck auf die andächtige Versammlung ausübte, die die Räume der großen Synagoge füllte. Nach Beendigung dieser ernsten, wirkungsvollen Feier wurde der Sarg von den Vorstehern der Gemeinde auf den Leichenwagen gehoben und nach dem Friedhofe geleitet. Eine dichtgedrängte Menschenmenge bildete auf allen Straßen, die der Zug passirte, Spalier, bis derselbe 472 Uhr sein letztes Ziel erreichte. Unter den vom Ritus vorgeschriebenen Gebeten wurde die irdische Hülle der Erde übergeben. Das Gedächtniß dieses Frommen und seiner Ahnen wird in der Gemeinde Breslau fortleben und stets hochgehalten werden. Posen, im August. (Privatmitth.) Die hiesige Israelitische Waisen-Knaben-Anstalt hat in ihrem 48. Berichte (über das Jahr 1885) den schmerzlichen Verlust dreier eifriger Directionsmitglieder und einer verdienstvollen Ehrendame, dagegen recht erfreuliche Legate und Spenden zu verzeichnen. Die Zahl der Waisenknaben beläuft sich auf 26; außerdem erhält die Anstalt 8 Handwerkslehrlinge, die, da auf die Heilighaltung des Sabbaths und der Festtage streng geachtet wird, um so mehr Kosten verursachen. Einnahmen und Ausgaben beliefen sich auf M. 26920, wovon M. 13600 dem Fonds zufielen. Kattowitz, 7. August. (Schles. Z.) In den hier erscheinenden „Oberschles. Nachr." war vor einiger Zeit in einer „Plauderei" die als unrichtig erwiesene Behauptung aufgestellt worden, daß die Lehrer in der städtischen Fortbildungsschule die Juden dadurch verhöhnten, daß sie mit Bezug auf dieselben den Schülern häßliche Spötteleien in die Feder dictirten. Am Schluffe der an diese Behauptung geknüpften Kritik war die Bemerkung gemacht worden: Stöcker ist wohl hier Kreisschulinspector!" Durch den letzten Satz fühlte sich der Kreisschulinspector und durch den Artikel selbst hielten sich die betheiligten Lehrer in ihrer Amtsehre gekränkt. In der vor der Strafkammer des Landgerichts zu Beuthen stattgehabten Verhandlung wurde erwiesen, daß ein