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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-24 · Heft 35 (24.8.1886) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 35 (24.8.1886)
Date
1886-08-24
Page
Seite 553 (sequence 9)
Language
German
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553 Beilagen, durch welche der Eifer der großen Patrioten angespvrnt und vor allem versucht wird, aus dem großen Portemonnaie einige Kleinigkeiten für die „gerechte Sache" herauszuholen. Zu diesem Zwecke ist gleich eine Postanweisung beigefügt, so daß nur die Kleinigkeit des Ausfüllens derselben und des Abschickens von Moneten nöthig ist, um sich den Dank der Parteileitung zu sichern. Eine Empfehlung des „Deutschen Tageblatts" unterzeichnet: „Friedrich Luckhardt", ist gleichfalls beigefügt, und in derselben wird darauf hingewiesen, daß das edle Blatt niemals den „vornehmen Ton" verloren hat, der einem so großen Blatt, das für die „christliche Staatsidee" kämpft, so wohl ansteht. Trotz dieser Vorzüge, zu welchem noch der Kampf gegen die „internationale Geldaristokratie" und die „kapitalistische Aussaugung" kommt, ist das Blatt aber noch nicht so verbreitet, wie es im Interesse der „guten Sache" wünschenswerth ist, und deshalb hier gleich auch ein Bestellzettel mit dem Motto: „Immer rinn ins Verjnüjen!" Durch ein besonderes Anschreiben wird den geehrten Parteigenossen nun auch gleich mitgetheilt, woran die antisemitische Bewegung bisher gekrankt hat. Das Schreiben lautet: Leizig, Datum des Poststempels. Sehr geehrter Herr! Es wird immer mehr offenbar, daß wir niit der antisemitischen Bewegung nicht einen Schritt vorwärts kommen, solange es nicht gelingt, die weitesten Kreise für das Berständniß der Judenfrage zu gewinnen. Neunzig Prozent des Volkes, Gebildete und Ungebildete, stehen noch immer mit der unglaublichen Unwissenheit unseren Bestrebungen gegenüber. Besonders ist die Verblendung der Arbeitermassen, die im Begriff sind, mit der goldenen Internationale Hand in Hand zu marschiren, eins der gefahrdrohendsten Momente für die heutige Gesellschaft. Rief doch kürzlich in einer antisemitischen Versammlung in Leipzig ein Arbeiter dem Redner entgegen: „Wir Sozialdemokraten werden die Juden mit unserem Leibe decken!" — Gehen wir nicht ungesäumt und rastlos an eine Aufklärungs-Arbeit im größten Stile, so kann über Nacht das Verhängniß über uns Hereinbrechen. Das einzige Mittel, das uns noch retten kann, ist die maffenhafte Verbreitung von belehrenden Schriften. — Wenn man früher auf diesem Wege wenig Erfolg erzielte, so lag es daran, daß man meist ganz ungeeignete Schriften zur Agitation verwendete. Gehässige Schimpfereien und frivole Scherze über die Person der Juden sind nicht geeignet, wirkliche Aufklärung und Berständniß zu verbreiten. Wir empfehlen Ihnen auf dem anhängenden Bestellzettel eine Anzahl bewährter Schriften zu ermäßigten Preisen und bitten, für die Verbreitung derselben energisch zu wirken. Hochachtungsvoll Theod. Fritsch. Es wird also zugegeben, daßbisher „gehässigeSchimpferelen und frivole Scherze über die Person der Juden" die geistige Nahrung dieser Sozialreformer Neu-Deutschlands gewesen sind. Die Sache wird noch interessanter dadurch, daß in derselben Nummer der „Antisemitischen Correspondenz" sich folgende „Aphorismen" gedruckt finden: Die Juden werden von dem Tage an ehrliche Menschen und nützliche Staatsbürger werden, wo es die „Wissenschaft" erreicht, daß die Katzen Gras fressen, die Kaninchen Mäuse fangen und die Tiger Milch geben. * * Aus den Todtenschädeln Derer, die in Folge jüdischer Ausbeutung und der durch jüdische Mißwirthschaft allgemein entstandenen Noch zu Verzweiflung, Verbrechen und Selbstmord getrieben wurden, könnten wir eine Pyramide aufthürmen — imposanter als die Kriegs-Apotheose Wereschagin's, — ein Monument jüdischen „Culturfleißes", vor dem die Urheber selbst erschrecken müßten. Wozu der Antisemitismus sonst noch gut ist, wird in folgendem mitgetheilt: „Der Antisemitismus ist ein vortrefflicher Hebel für die Erweckung und Stärkung des nationalen Bewußtseins, sowie überhaupt für die politische Erziehung unseres Volkes. Der Judengegner, durch seine Antipathie gegen das fremde jüdische Element angespornt, gelangt zunächst zu einer besseren Werthschätzung des deutschen Wesens, zu einer bewußten Pflege deutscher Eigenschaften und zu einer Kräftigung des Zusammengehörigkeitsgefühls. Ferner aber veranlaßt ihn die Erkenntniß der Judengefahr zu einer Vertiefung in wirthschaftliche, soziale und politische Probleme und so zu einer gründlicheren politischen Entwickelung. Wir dürfen getrost behaupten, daß die besten Antisemiten zugleich die besten Patrioten und die besten Politiker sein werden." Wer nun noch glaubt, daß die Bewegung eine Schmach für Deutschland sei, der verdient eigentlich als ungläubiger Thomas heilig gesprochen zu werden. Hoffentlich werden nun die anderen 90 Prozent deutscher Reichsbürger ein Einsehen haben und vor allen Dingen — das ist die Hauptsache bei den Herren Luckhardt, Fritsch und Genossen — brav Geld schicken. Berlin, 12. August. (Privatmitth.) Der Deutsch- Israelitische Gemeindebund hat Nr. 16 seiner „Mittheilungen" ausgegeben. Er widmet zunächst seinem thätigen Mitgliede vr. David Honigmann einen warmen Nachruf. Hierauf folgen Rechenschaftsberichte. Die Zahl der dem Verbände beigetretenen Gemeinden ist gegenwärtig 318, woraus erhellt, daß dieselbe noch immer im Wachsen begriffen. Auch ist es höchst erfreulich, daß — mit geringer Ausnahme — alle größeren Gemeinden Deutschlands sich angeschlossen haben. Wir heben z. B. hervor: Aachen, Augsburg, Berlin, Beuthen 35

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