Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 35 (24.8.1886)
- Date
- 1886-08-24
- Page
- Seite 552 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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SSL New-Iorker Club „Harmonie" auf Anregung des augenblicklich in Deutschland weilenden New-Iorker Advokaten Sigismund Kaufmann mit dem Künstler wegen Ankaufs des Bildes. — In der Revue des Etudes juives vom Jahre 1884 und 1885 war von de Maulde eine Geschichte der Juden unter der Herrschaft der Päpste in den französischen Provinzen veröffentlicht worden. Dieses hochinteressante Geschichtswerk ist der Academie des Inscriptions in der Sitzung Vom 30. Juli vom Verfasser vorgelegt und von dieser mit besonderer Auszeichnung entgegen genommen worden. %QAX\\Yi<pvvac Deutschland. Berlin, 10. August. (Privatmitth.) Die Aeußerungen des Prof. Schmoller über den in einem Theile der jetzigen deutschen Studenten, namentlich bei den Juristen herrschenden Mangel an wissenschaftlichem Streben, über deren Bummelei und Kneiperei, haben viel Aufsehen gemacht, und in vielen Zeitungen werden jene Bemerkungen und die Vorschläge, die Schmoller gemacht, erörtert. In den meisten Fällen stimmt man Schmoller bei. So u. A. der „Hannov. Cur.", der jedoch verlangt, daß man bei etwaigen Veränderungen den idealen Geist in der Studentenwelt schonen müsse. Hiergegen erhebt sich eine Corresp. der „Franks. Ztg.", der behauptet daß von diesem idealen Geiste bei der Mehrzahl der jetzigen Studenten gar nichts mehr vorhanden sei. Sie hielten viel mehr auf ihre äußere Erscheinung, Toilette u. s. w., und beurtheilten hiernach ihre Commilitonen. Hieran knüpfte sich von selbst die Frage nach der Familie und der Abstammung. Er schließt: „Und dies ist auch das Thor, durch welches der Antisemitismus seinen Einzug auf die Universitäten halten konnte. Wie weit es damit bereits gekommen, mag die Thatsache illustriren, daß der größte akademische Gesangverein Leipzigs, der zahlreiche Juden zu seinen alten Herren zählt, neuerdings keine Juden mehr aufnimmt. Gerade das war dcreinsten der Stolz der deutschen Studenten, daß die gesammten Commilitonen eine Republik bildeten, in der kein Stand und Name galt. Gerade das war der Boden, auf dem ein „idealer Schwung" gedeihen konnte; hier berührten sich alle Extreme, der Reiche und der Arme, der Gläubige und der Freidenker, der Christ und der Jude, sie fanden sich als akademische Bürger, jeder dem anderen gleich und nicht ein Zoll breit geringer, sie tauschten ihre Gedanken aus und schlossen Freundschaft. Das gab Anregungen für das ganze- Leben, die nirgend anderswo zu holen waren; das gav den frischen Ton, den „ idealen Schwung" des akademischen Lebens. Darnach will uns bedünken, daß die Mahnung des „Cur.", den idealen Schwung des Studententhums zu schonen, wenig Berechtigung hat. Roth thut es vielmehr, wieder den Boden zu schaffen, auf dem ein ideales Leben entsprießen kann. Die Aufgabe ist eine schwierige, eine sehr schwierige. Aber die Pädagogen sollten die Nuß nicht ungeknackt lassen, weil sie hart ist. Wem's gelänge, er würde des Dankes aller Derer gewiß sein, denen das wahre Wohl unserer studirenden Jugend am Herzen liegt. — Es ist immerhin zu erwähnen, daS in diesen Tagen ein Jude, Herr Prof. Dr. Leopold Kronecker, der bekannte Mathematiker, zum Dekan der philosophischen Fakultät an der hiesigen Universität gewählt worden ist. Die hiesigen Blätter machen über ihn folgende Mittheilung: Kronecker ist am 7. Dezember 1823 zu Liegnitz von jüdischen Eltern geboren. Seine akademischen Studien legte' er im Anfänge der vierziger Jahre in Berlin vornehmlich unter Lejeune-Dirichlet zurück. Im Jahre 1845 promovirte er hier zum Doktor der Philosophie mit einer Schrift „über die kompletten Einheiten". Hierauf kehrte er nach seinem Heimathsort Liegnitz zurück, siedelte aber in den fünfziger Jahren wieder nach Berlin über. Bon Liegnitz aus und später in Berlin veröffentlichte er eine Reihe von Abhandlungen zur Theorie der Zahlen und der Lehre von den algebraischen Gleichungen, zum Theil in deutscher, zum Theil in französischer Sprache, welche ihm 1861 die Berufung in die Berliner Akademie eintrugen. Hier wirkt er gemeinsam mit seinen Freunden Kummer und Weierstraß. Bon seinen Fachgenoffen war er am engsten mit seinem einstigen Lehrer Lejeune-Dirichlet befreundet. Im vergangenen Jahre erst brachten die „Göttinger Anzeigen" den Briefwechsel der beiden Gelehrten. Als Akademiker hielt Kronecker seit dem Winter 1861 Vorlesungen an der Universität. Seit dem Sommer 1883 bekleidet er eine ordentliche Professur. Ein jüngerer Bruder von ihm, Hermann Kronecker, früher Professor der Physiologie an der hiesigen Universität, ist zur Zeit in Bern Dekan der medizinischen Fakultät. Berlin, 10. August. Unter der Ueberschrift „Antisemitisches" schreibt die „Volksztg." Folgendes: Wir erhalten folgende Mittheilung: visoret. „Antisemitische Correspondenz" und Sprechsaal für innere Partei-Angelegenheiten. Leipzig, 188«. Juli. Nr. e. Wird nur an zuverlässige Parteigenossen versandt. Unter diesem Titel erfolgt die neueste Kundgebung der Hetzpartei mit der gleichzeitigen Versendung einer Anzahl