Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1886)
- Date
- 1886-08-17
- Page
- Seite 538 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m Literatur für und wider haben die dabei sich bietenden Fragen wesentlich geklärt; es hat sich herausgestellt, daß auch für die Israeliten das Schächten nach der heute üblichen Art, wenn auch ein durch langes Herkommen ehrwürdiger Brauch, der zunächst nur humanitäre Zwecke verfolgte, durchaus als keine feste bindende religiöse Satzung zu betrachten ist. Religiöse Vorschrift ist nur das vollständige Ausblutenlassen durch den Halsschnitt. Daß die Betäubung wohl damit zu vereinigen ist, das zeigt der Umstand, daß in Wien die sofortige Betäubung durch Stirnschlag nach dem Halsschnitte erfolgt, ohne daß darin von den dortigen Israeliten eine Verletzung ihrer religiösen Vorschrift gesehen würden. In einigen Cantonen der Schweiz ist sogar das Schächten durch Gesetz als thierquälerisch verboten." Fürth, 5. August. In Nr. 32 d. ,.A. Z. d. I." wird an den Bericht über die Enthüllung des Denkmals vr. Hirschfeld, Sanitätsrath in Cvlberg, die Vermuthung geknüpft, daß dieses Standbild das erste in Deutschland sein dürfte, welches auf einem öffentlichen Platze aus öffentlichen Mitteln einem Juden errichtet wurde und in das Eigenthum der betr. Stadt überging. Das Denkmal, welches dem großen Philosophen Moses Mendelssohn in seiner Geburtsstadt Dessau errichtet werden soll, harrt erst der Vollendung. Gestatten Sie mir, obige Annahme zu berichtigen, das Monument Herz-Erlangen existirt schon seit 1875. Die Bedeutung Herz's als Mensch, Lehrer und Arzt rechtfertigt einen Rückblick auf das vielseitige Wirken dieses einst so gefeierten Mannes. Hirschfeld trat 1810 in den Lehrkörper der Universität Erlangen ein, er war ein Mann von eminenter Wirksamkeit, gepaart mit seltener Aufopferung und Uneigennützigkeit. Er stand im Rufe eines bedeutenden Chirurgen und Arztes, sein Name drang über Deutschlands Grenze und führte eine große Anzahl Hilfsbedürftige aus den fernsten Gegenden zu ihm. Seiner Confession wegen hatte er manche Zurücksetzung zu erdulden, so wurde er bei den in den Jahren 1854 und 1867 eingetretcnen Vacanzen der chirurgischen Klinik umgangen, ein Ereigniß, welches selbst in Universitätskreisen um so mehr auffiel, als ihn Specialfachgeuoffen als die erste Autorität Deutschlands in Bezug auf seine Vorlesungen über chirurgische Anatomie feierten. Dem Zusammenwirken Herz's mit dem Histologen Gerlach war es zu verdanken, daß die Erlanger medicinische Fakultätin den erstenJahren des Fachstudiums so vieleHörer aufzuweisen hatte. Im April 1867 decorirte ihn weiland König Ludwig II. mit dem Verdienstorden des hl. Michael 1. Klasse. Im gleichen Monat ernannten ihn die Gemeindebehörden Erlangen's in Anerkennung seiner Verdienste um die communalen Interessen zum Ehrenbürger. Nach 29 Jahren segensreichen Wirkens, im Jahre 1869, wurde Herz als ordentlicher Professor der Medizin an der Universität Erlangen ernannt. Der Märtyrer seines Berufes und seines Glaubens erreichte durch seine Charakterstärke, was er erstrebte. Er trotzte allen Versuchungen; auf die Vorstellungen, daß dem getauften Juden Herz nichts unerreichbar ist, erwiderte er: Nur als Jude, und nicht anders, will ich Universitätsprofessor werden. Er war der erste jüdische ordentliche Professor in Bayern und sollte die Stelle, die er mühsam errungen, nur kurze Zeit inne haben, am 27. September 1871 schied er aus dem Leben. Schon am 28. September erschien ein von Männern aller Confessionen und Berufsklaffen Unterzeichneter Aufruf, in welchem die Errichtung eines Denkmals für Herz in Aussicht genommen wurde, an welche sich eine Stipendienstiftung anschließen soll. Das von Professor Zumbusch in Wien modellirte, von Lenz in Nürnberg gegossene, 10 Fuß hohe Denkmal wurde am 6. Mai 1875 enthüllt. Bei der Feier war die Regierung durch Ministerialrath Voelk, die Medicinalbehörde durch vr. Martius vertreten, Deputationen der Gemeindebehörden von Bamberg, Bayreuth, (Geburtsort von Herz) Fürth, Nürnberg, Vertreter der Universitäten Erlangen, München und Würzburg, der Militär- und Civilbehörden Erlangen's u. s. w. waren anwesend. Prof. vr. v. Brinz in München hielt die Festrede. Das Monument zeigt Herz in einfachem Gehrock, in dem porträtähnlichen Antlitze sind die Hauptcharakterzüge des verdienten Gefeierten: Milde und Herzensgüte vollendet ausgedrückt. Die Vorderseite trägt die Inschrift: krokessor vr Jacob Herz Geboren 2. Februar 1816 Gestorben 27. September 1871. Die Rückseite bezeichnet den Enthüllungstag. Namens des Comitss übergab der Festredner das Denkmal dem Bürgermeister Reichold als Vertreter der Stadt Erlangen und behändigte zugleich die Urkunde über die zum Andenken an den Verstorbenen errichtete Stipendienstiftung im Betrage von fl. 2000. Reichold dankte Namens der Stadt für die Uebergabe des Denkmals. Die erste Statue, welche in Deutschland einem Juden durch allgemeine Sammlung mit so großer Feierlichkeit gesetzt und enthüllt wurde, welche Aufstellung an einem öffentlichen Platze fand und in das Eigenthum einer Stadt überging, war das Herz-Denkmal in Erlangen. Die lange vorher errichtrte Standsäule Fuda-Touros wurde demselben durch seine Glaubensgenossen gewidmet. Sigmund Heumann. AuS Württemberg, im August. Wenn wir jüngst in dem Leitartikel „ die Reaktion" äußerten, daß auch in einigen größeren deutschen Staaten das Reichsgesetz über die Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen unbeachtet bleibt, so bestätigt dies eine Zuschrift, welche die „Freis. Ztg." aus Württemberg erhielt, wonach auch dort Juden keine Aussicht haben, eine Stelle an einer höheren Lehranstalt des Staates zu erhalten, und infolgedessen ausgezeichnete Schüler des Gymnasiums israelitischer Confession vom Studium der Philologie zurückgehalten werden. Daß ein jüdischer Ein-