Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1886)
- Date
- 1886-08-03
- Page
- Seite 510 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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510 wesen, — seine Berufsgenossen, denen er als Muster und Vorbild in der Ausübung seines ärztlichen Berufes vorangeleuchtet, — seine Mitbürger, denen er, jedem einzelnen tvie insgesammt, das rechtmäßige Erbe an seinem Geist und Herzen unverkürzt und ungeschmälert gegeben, — wir alle haben uns in dieser Stunde um dieses verhüllte Denkmal geschaart und wir alle gedenken sein in unsterblicher Dankbarkeit und Liebe und rufen andächtig die Hände faltend das Wort der Schrift: „Das Gedächtniß dieses Frommen wirket ewig fort zum Segen!" — Und das Gefühl dieser Dankbarkeit und Liebe, das er in unserm Herzen entzündet hat, — die edlen Gedanken, die er in unserer Brust hat angeregt, die mannigfachen Schöpfungen, die er ins Leben gerufen und zu denen er uns veranlaßt, das schöne Beispiel, das er uns gegeben hat, — das alles ist ein Denkmal, das er selbst in unserm Herzen ausgerichtet hat, und dieses Denkmal reicht über gewöhnliche Durchschnittshöhe hinaus und seine glänzende Inschrift wird noch von späten Geschlechtern gelesen werden mit Andacht, Rührung und Dankbarkeit. Hochansehnliche Festversammlung! Nicht nur den Todten ehren wir, indem wir ihm ein öffentliches Denkmal setzen, wir ehren damit auch uns selbst. Denn der Stein, von dem jetzt die Hülle fallen soll, er ist und bleibt auch ein Merkstein, ein Wahrzeichen für die tiefe Dankbarkeit, die uns belebt und beseelt, indem wir damit Zeugniß vor Gott und Menschen ablegen wollen, daß wir des Entschlafenen und seiner Tugenden eingedenk sein und bleiben, daß wir seine Verdienste um uns nicht vergessen, daß wir seinen Namen stets ehren wollen, weil er in Worten und Werken uns ein hochragendes Denkmal seiner hochherzigen Gesinnung hinterlasscn hat. Indem wir den ehren, aus dessen Hand wir so viele Wohlthaten empfangen haben, ehren wir uns selbst, unsere Stadt, unser Volk, ehren wir die menschliche und die göttliche Stärke in jedem Menschen überhaupt. Indem wir ihn ehren, ehren wir uns selbst und geben laut und mächtig Zeugniß davon, daß er Bein von unserm Bein und Fleisch von unserm Fleisch, aber auch Geist von unserm Geist, daß seine Größe und Tugend nur ein winziges Theil der Größe und Tugend des ganzen Menschengeschlechtes gewesen; daß der edle Bürgergeist, der ihn beseelt hat, kein anderer gewesen, als ein Ausfluß jenes großen Geistes und Bürgersinns, der zu jeder Zeit Colbergs Bürgern inne gewohnt, Colbergs Geschichte ruhmreich gemacht und seinen Namen mit ehernem Griffel cingegraben hat in die Jahrbücher unseres großen theuren Vaterlandes; ein Ausfluß jenes Geistes, der in den Mauern unserer Stadt und auf den blutgetränkten Feldern um Colberg in schwerer, hartbedrängter Zeit Großes und Unsterbliches geleistet und gewirkt hat. Indem wir ihn ehren, ehren wir auch uns selbst und geben laut Zeugniß davon, daß in Colbergs Bürgern und im Schooße seiner Behörden jener edle unsterbliche Geist lebt, der im Menschen nur den Menschen schätzt und achtet, nach der prophetischen Mahnung der Schrift: „Haben wir nicht alle Einen Vater, hat uns nicht alle Ein Gott geschaffen." Wir setzen dem Sanitätsrath vr. Hirschfeld dieses Denkmal, um sein Wort und Werk zu ehren, aber auch um in ihm uns selbst ein Wahrzeichen für unsere Dankbarkeit, einen Merkstein für unser eigenes Thun zu setzen. Sein Andenken wollen wir damit ehren, aber gleichzeitig uns selbst damit mahnen, dieselben Wege zu wandeln, die er gewandelt, den Geist, der ihn beseelt hat, unter uns und unfern Kindern nicht aussterben zu lassen, sondern mit Wärme und Liebe zu hegen und zu Pflegen, daß wir wie er leben und streben mit gleicher aufopferungsvoller Berufstreue, mit gleicher selbstloser Menschenfreundlichkeit und echter unverfälschter Bürgertugend! Das walte Gott! Darauf übergab Herr von Buggenhagen das Denkmal in das Eigenthum der Stadt Colberg, mit der Bitte, dasselbe pflegen und in Ehren halten zu wollen. Herr Stadtbaurath Bachsmann erwiederte mit folgenden Worten: Im Aufträge des Magistrats hiesiger Stadt übernehme ich hiermit das dem verstorbenen Sanitätsrath vr. Hirschfeld errichtete Denkmal und darf ich versprechen, daß die Stadtgemeinde dieses Denkmal, welches Liebe und Dankbarkeit entstehen ließen, mit Treue überwachen und erhalten wird. Unter den Klängen des Chorals: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr", fiel darauf langsam und feierlich die Hülle von dem, wie schon erwähnt, nach dem Entwurf und unter der Leitung des Stadtbauraths Bachsmann in der Werkstatt des Herrn Kruschke hierselbsi gefertigten Denkmals, welches sich in seiner einfachen Schönheit, umgeben von Blumen- und Pflanzenschmuck den Blicken der Anwesenden darstellte. Dasselbe besteht aus einem 12 Fuß hohen Obelisken aus polirtem Syenit, dessen dunkel glänzende Fläche sich wirksam von den Hellen gestockten Simsen abhebt. Auf der Vorderseite steht die Inschrift: Sanitätsratli Dr- HIRSCHFELD zum ehrenden Angedenken. Dem aufopfernden Arzt und ‘Menschenfreunde Dem hochverdienten Mitbürger gewidmet von seinen Freunden und Verehrern. Auf der Rückseite befindet sich das Datum der Enthüllung: Errichtet am 8. Juli 1886.