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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-03 · Heft 32 (3.8.1886) · p. Seite 511

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 32 (3.8.1886)
Date
1886-08-03
Page
Seite 511 (sequence 15)
Language
German
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511 Alsdann ergriff Namens der Angehörigen des Gefeierten Herr Rechtsanwalt Dr. Mann-Stettin das Wort: Hochverehrte Festversammlung! Tiefbewegten Herzens, bis ins Innerste ergriffen von den innigen Worten der Anerkennung, der Liebe und Freundschaft, welche dem Entschlafenen, meinem Schwager, gewidmet waren, drängt es mich, im Namen der Hinterbliebenen allen denjenigen, die mitgewirkt haben an der Errichtung dieses hehren Ehrendenkmals den gebührenden Dank auszusprechen. Wohl ist es wahr, daß der Heimgegangene viel geleistet, daß sein Wirken und Schaffen bleibende Spuren hinterlassen hat, aber auch seine, des Einzelnen Thätigkeit konnte nur gedeihen im Kreise von Genossen, die selbst von edlen Anschauungen beseelt und belebt der Humanität treue Diener waren. In dem Gemeinwesen Colbergs hat es von jeher Männer mit weitschauendem Blicke gegeben, welche sich zusammenthaten, dem Wohl der Gesammtheit zu dienen. Und dieselben Männer, die mit dem Lebenden den Kranken und Siechen geholfen, die mit ihm aus Colberg ein Weltbad schufen, welches in seiner Vereinigung von Sool- und Seebad einzig darsteht, die Männer, die insbesondere in den letzten zehn Jahren wenn auch unter schweren Opfern für Colberg Verbesserungen zu Stande gebracht haben, wie solche kaum ein anderes Bad auszuweisen hat, dieselben Männer sind es, welche sich zusammenschaarten und den Gedanken hinaustrugen, ihrem geistesverwandten Freunde in treuer Liebe ein Denkmal zu setzen. Ihr Ruf fand mächtigen Wiederhall und heute nach kaum einem Jahr ist das Ziel erreicht. Wie soll ich da Worte genug des Dankes finden, wie jedem Einzelnen, welcher das Seinige beigetragen, wie insbesondere den hochverehrten Comitomitgliedern, welche so aufopfernd, so rastlos sich bemüht, Ausdruck davon geben, was das Innerste meines Herzens bewegt und erbeben läßt. Sie sind dem Entschlafenen Freunde über das. Grab hinaus gewesen, jedem von Ihnen könnte ich die gleichen Worte der Anerkennung zurufen, welche der Festredner in so beredten von Herzen kommender und zu Herzen gehender Weise Ihrem einstigen Mitbürger geweiht hat. Unser Dank sei dem Künstler dargebracht, der das Werk erdacht und dem, der es geschaffen. Sie haben in den edlen, reinen Formen ihr Verstandniß für das schlichte Wirken des Menschenfreundes, für den es bestimmt war, kund gethan. Unvergessen wird auch für alle Zeiten im Herzen der Hinterbliebenen die Theilnahme der Bürger Colberg's sein, welche der Wittwe und den Kindern in trüben Tagen Trost gespendet, und welche durch ihr so zahlreiches Erscheinen bei der heutigen Feier zu erkennen gaben, daß sie das Wirken des opferfreudigen, berufstreuen Arztes, ihres selbstlosen Mitbürgers in sich lebendig halten wollen. Nur in einem gesunden, kräftigen Gemeinwesen können solche vom edelsten Joealisrnus getragenen Anschauungen sich aufrechterhalten. Daß Colberg solch Gemeinwesen besitzt, daß es von Männern verwaltet wird, welche diese Anschauungen Hochhalten und pflegen, davon haben der hohe Magistrat und die hochverehrten Stadtverordneten Zeugniß abgelegt. Auf dem Grund und Boden der Stadt Colberg ist dies Denkmal errichtet, und das Denkmal selbst ist in ihr Eigenthum übergegangen. Der Dank, welchen ich für diese würdige Anerkennung der Bürgertugend des Heimgegangenen den hohen Verwaltungsbehörden hiesiger Stadt ausspreche, ich will ihn im Geiste und Sinne des Mannes, den Sie heute so hoch geehrt haben, in den Wunsch zusammenfassen: Es blühe, wachse und gedeihe das Gemeinwesen Colberg; es finde die verdiente Anerkennung das Streben seiner Behörden und Bewohner ihre besten Kräfte der Hebung des Bades zu weihen; und es fehle in Colberg nie an solchen Männern, wie ich sie zahlreich vor mir sehe, welche die Humanität Pflegen, das Gute, Edle und Schöne wahren und fördern. Das „Halleluja" aus dem Mendelssohn'schen Messias beendete die erhebende Feier, welche auf die Festgenossen sichtlich einen tiefen Eindruck machte und sie in dem Andenken an den Verstorbenen und in dem Gefühl vereinigte, daß die Bürgerschaft, indem sie einem hochverdienten Mitbürger ein Denkmal errichtet, sich dadurch nur selber ehrt. Und so möge denn das Denkmal des guten und edlen Mannes, dessen Tod wir beklagen, durch die Jahrhunderte ragen, als ein schöner Schmuck unserer Stadt, als ein Gedächtnißmal an den Verstorbenen und als eine Erinnerung, ihm nachzueifern in treuer Pflichterfüllung und edler Menschenliebe. Anzeigen. Eine tüchtige, perfecte Haushälterin, die einem großen Haushalte vorstehen kann, wird gesucht. Den Offerten sind Photographie und Zeugnisse beizusügen. [£c.2624 Kose & Co., Dortmund. Pensionat und Höhere Töchterschule von Frau Dr. Letrerson in Hannover, Wergartenstraße 3 und 4. —1 Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. ...-

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