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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-03 · Heft 32 (3.8.1886) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 32 (3.8.1886)
Date
1886-08-03
Page
Seite 509 (sequence 13)
Language
German
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509 gestatten Sie mir nur anzuführen, daß nach sorgfältiger Prüfung der vorgelegten Entwürfe einmüthig beschlossen wurde, den hiesigen Steinmetzmeister Herrn Kruschke zu beauftragen, das Denkmal nach dem gelungenen Entwürfe des Stadtbauraths Herrn Bachsmann und unter dessen Leitung anzufertigen. Inzwischen waren mit den städtischen Behörden darüber Verhandlungen gepflogen, auf welchem Platze das Denkmal eine Stelle finden, und daß dasselbe in das Eigenthum der Stadt übergehen sollte. Nachdem diese Verhandlungen einen für alle Theile befriedigenden Abschluß gesunden, sind wir heute in der glücklichen Lage, das Denkmal zu enthüllen und den städtischen Behörden zu übergeben. Für alle Zeiten wird dies Gebilde aus Künstlerhand Zeugniß dafür oblegen, wie Colbergs Bewohner den aufopfernden Menschenfreund und hochverdienten Mitbürger dankbar zu ehren wissen und kommende Geschlechter anspornen, sich gleicher Ehren theilhaftig zu machen. Nachdem der Redner geendet, hielt der Prediger Dr. Goldschmidt die nachfolgende Festrede: Hochansehnliche Festversammlung! Kaum ist ein Jahr verflossen, seitdem dort drüben in jenem schlichten Hause, der Stätte seiner segensreichen Wirksamkeit, sich das Auge eines edlen Mannes zum letzten Schlafe geschlossen, und seiner sterblichen Hülle ein mächtiger Trauerzug zu Grabe folgte, um ihr die letzte Ehre und die letzte Liebe zu erweisen. — und wieder steht heute eine zahlreiche Versammlung vor dem Granitdenkmal versammelt, welches den späten Geschlechtern Zeugniß und Kunde von der Bedeutung desselben Mannes geben soll, dessen Name in Colberg wohl nimmer vergessen werden wird. Noch steht das Denkmal verhüllt vor unseren Augen; noch ein Paar Augenblicke, und die Hülle fällt, und vor unserm Blicke erhebt sich ein schlichter, aber wetterfester, wetterbeständiger Stein, um zu zeugen ebenfalls von einem geraden und schlichten Mann, dessen edler Charakter nicht minder als fest und beständig sich erprobt und bewährt hat gegen jeden Sturm der Leidenschaft, gegen jede Anfechtung des Lebens; — ein Stein, dessen schmucklose Inschrift inmitten unserer festlich prangenden Münde, der herrlichen Schöpfung, die zum großen Theil seiner rastlosen Arbeit ihr Dasein verdankt, künden wird, daß er errichtet ist, um aufopfernde Berufstreue, edle Menschenfreundlichkeit und echte Bürgertugend zu ehren und zu verherrlichen. Hochansehnliche Versammlung! In einem uralten Buche findet sich das bemerkenswerthe und denkwürdige Wort: „Edlen tugendhaften Männern braucht man kein Denkmal zu errichten; ihre Worte und Werke sind Denkmäler, die nimmer verwittern, nimmer zusammenbrechen und Zusammenstürzen." Denkmäler von Stein und Erz können verwittern, vom Zahn der Zeit benagt oder von der Gewalt der Naturmächte umgestürzt und zerschmettert, ihre Inschriften von der Hand der Jahrtausende verwischt oder unleserlich gemacht werden. Aber Eines giebt es, das wetterfester ist als Stein und Erz, das unverrückbarer steht als Granit und Eisen: es ist die Erinnerung an die Verdienste guter und edler Menschen. Nein! Die Denkmäler eines edlen Geistes verwittern nicht; die Sprache und die Schrift, die der Finger Gottes auf die Tafeln guter und edler Herzen gegraben, die verstummt nicht und wird nimmer verwischt. Systeme stolzer Denker der Vorzeit sind in Trümmer gegangen und der Vergessenheit anheimgefallen; zahllose Altäre vergötterten Wahnes sind eingestürzt; mächtige Throne sind vom Erdball verschwunden; — aber was ein guter edler Geist gewirkt, was ein menschlich fühlend Herz erstrebt und erzielt, das ist noch nie verwittert und zusammengestürzt, das hat eine dankbare Menschheit noch zu jeder Zeit sestgehalten, zum ewigen Gedächtniß mit dem Griffel der Geschichte und der spätesten Nachwelt dankbar aufbewahrt. Nein! nicht Prachtgewölbe, nicht Marmorsteine, die mit prunkenden Inschriften weithin das Lob und den Ruhm des Menschen künden, sondern die Treue in unserem Lebensberufe, die Thräne der Liebe und Barmherzigkeit und echte wackere Bürgertugend sind und bleiben ewig; die Namen der Wohlthäter der Menschheit sind und bleiben unsterblich, und jeder, in dessen Adern auch nur ein Tropfen ihres Blutes rollt, hat das Recht adelsstolz zu sein; denn, wie der weise Spruchdichter sagt: „Das Gedächtniß der Frommen wirket ewig fort zum Segen!" Und so wird auch der Name Hirschfeld unter uns fortleben, nicht weil wir aus Dankbarkeit ihm heute ein Denkmal aus wetterfestem Stein errichtet haben, auf dem schlicht und einfach seine Verdienste um uns, um seine Mitbürger, um diese ganze Stadt eingegraben stehen, nicht weil sein Name auf diesem Stein mit goldenen Buchstaben weithin leuchtet, — sondern weil er durch seine aufopfernde Berufstreue, seine edelherzige Menschenfreundlichkeit, durch seine leuchtende ächte Bürgertugend sich selbst einen unsterblichen Zeugen seiner Verdienste, ein wetterbeständiges und wetterfestes Denkmal seines segensreichen Wirkens gesetzt hat. Sein sterblicher Leib, der unter uns Sterblichen einst über diese Erde gewandelt, ist gestorben; aber sein Geist, seine unendliche Liebe zu seinen Mitmenschen, die Dankbarkeit seiner Mitmenschen gegen ihn ist nicht gestorben. Seine Gattin, mit der er Freud und Leid des Lebens redlich getheilt, — seine Kinder, die er wie der Adler seine Jungen aus seinen Flügeln über alle Gefahren und Abgründe des Lebens hinweggetragen, — die Unglücklichen, die Müden und Beladenen, deren Noth er gelindert, deren Schmerzen er gestillt, deren Thränen er getrocknet, deren Last und Bürde er getragen, — seine Freunde, denen er ein guter, lieber, treuer Freund ge°

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