Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1886)
- Date
- 1886-08-03
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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508 Auswanderung dahin täglich größere Dimensionen an. Denn einerseits ist dem größten Theile der hiesigen Juden der Boden unter den Füßen geschwunden und fehle» ihm beinahe alle Existenzbedingungen, anderseits lauten die Berichte der bereits Ausgewanderten größtentheils günstig, und die zahlreichen Aufforderungen derselben mit Einsendung von Schiffskarten an ihre zurückgebliebenen Angehörigen ermunternd. Der Fehler in der Beurtheilung liegt darin, daß man an den rumänischen Juden den Maßstab des deutschen und englischen Arbeiters anlegt, welche eine Summe von Bedürfnissen aus der Heimath mitbringen, deren Befriedigung in Amerika auf Schwierigkeiten stößt, die aber der rumänische Jude nicht kennt. Der Strom der Auswanderung ist daher nicht zum Aufhalten, er ist Hierlands eine Nothwendigkeit geworden, seine Beförderung ist vielmehr dringend geboten. Das einzige Hinderniß besteht bloß im Mangel an Transportkosten. Mit diesem Mahnrufe erlauben wir uns daher, die jüdischen Gemeinden des Auslandes im Allgemeinen und die von Glücke begünstigten Stammesangehörigen zu bitten, sie mögen ihr ererbtes echt jüdisches Mitgefühl für die leidende Menschheit durch Thaten des Mitleids und der Barmherzigkeit an den unglücklichen Juden Rumäniens bethätigen, und die Beiträge der Mildthätigkeit an bestimmten Orten zwischen Jassy und Hamburg bei beliebigen Personen deponiren, welche auch darüber zu wachen haben werden, daß dieselben zur Erleichterung der Durchfahrt von Rumänien nach Amerika gehörig verwendet werden. Im Namen Vieler. vr. Lippe. Serbien. Belgrad, im Juli. (Privatmitth.) Unser Glaubensgenosse, Herr Oserovies, ist wieder zum Mitgliede der Skuptschina vom Könige ernannt. Bonn, 25. Juli. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Der Ungvarer Rabbiner H. Mannheimer, einer der Säulen der ungarischen Orthodoxie und Mitgründer der Schomre Hadath, ist den 20. d. M. aus dem Leben geschieden. Aeuilleton. Colberg, 11. Juli 1886. Die Enthüllung -es Hirschfeld-Denkmals. Unseres Wissens ist das zu Colberg eben enthüllte Denkmal deS Sanitätsraths vr. Hirschfeld das erste in Deutschland, welches auf einem öffentlichen Platze einem Juden errichtet worden und in das Eigenthum der betr. Stadt überging. Allerdings hat man am 4. Januar zu Dessau einen Platz zu einem Denkmale Moses Mendelssohns bestimmt, aber dessen Ausführung wird noch einige Zeit erfordern. Dieses Denkmal eines nach seinen äußeren Verhältnissen einfachen jüdischen Arztes ist aus einer allgemeinen Initiative hervorgegangen. Um so angemessener erscheint cs, die ausführliche Schilderung der Enthüllungsfeier, wie sie die „Zeitung für Pommern" vom 10. Juli gebracht, an dieser Stelle wiederzugeben. Die Enthüllung des Denkmals für den verstorbenen Sanitätsraths vr. Hirschfeld fand gestern Nachmittag unter sehr großer Betheiligung der Bevölkerung, sowie der Gäste statt, welche von der Liebe und Verehrung, deren sich der Verewigte in den weitesten Kreisen erfreute, aufs neue ein lebendiges Zeugniß ablegte. Auch die Kollegen des Gefeierten, Vertreter des Magistrats und Stadtverordneten, der Geistlichkeit und der Spitzen der Behörden waren der Einladung gefolgt. Eingeleitet wurde die Feier durch den Krönungsmarsch aus dem Propheten, alsdann ergriff der Vorsitzende des Comittz's, Herr von Buggenhagen, das Wort zu folgender Ansprache: Hochgeehrte Versammlung. In festlich gehobener Stimmung haben wir uns an dieser Stätte vereint, um mit dankbarem Herzen das Andenken eines Mannes zu ehren, der in hingebender Liebe für die leidende Menschheit so treu und rastlos gewirkt und der uns allen so werth und theuer war. Der Sanitätsrath vr. Hirschfeld, der in Colberg über ein Menschenalter als Arzt und Menschenfreund thätig gewesen, schied am 17. Juni 1885 zum tiefem Schmerz der Seinen aus diesem Leben; aber kaum waren seine Augen geschlossen und ihm in unseren und anderen Blättern ein ehrender Nachruf gewidmet, als sich auch schon der Wunsch Bahn brach, das Andenken an den Dahingeschiedenen auch für die kommenden Geschlechter wach zu erhalten! Es trat daher bereits am 30. Juli v. I. ein Comits zusammen, welches einen Aufruf erließ und die Verehrer des Verstorbenen aufforderte, Beiträge zu einem Denkmal für den Heimgegangenen beizusteuern. Der Aufruf übte überall, wie sich erwarten ließ, die gewünschte mächtige Wirkung aus und von Nah und Fern, von Reich und Arm strömten dem ComitS oft recht reiche Gaben zu der Errichtung eines Denkmals zu. Das Comite konnte nunmehr ungesäumt zur Ausführung des gesagten Planes schreiten. Erlassen Sie mir gütigst, auf die Verhandlungen in den Sitzungen näher einzugehen und