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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-08-03 · Heft 32 (3.8.1886) · p. Seite 505

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 32 (3.8.1886)
Date
1886-08-03
Page
Seite 505 (sequence 9)
Language
German
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505 theilskraft begabten, jungen Menschen sein, eines gewissen Baruch Spinoza, von dem bereits Rabbi Isaak Jesurun gesagt hat: „Er sei eine an dem Busen der Synagoge genährte Schlange, die wahrscheinlich alle zerreißen wird , die sie gelabt und erquickt haben." Nun war aber Spinoza am 24. November 1632 geboren, also am 25. Mai 1641 etwas über 8 Jahre alt, und da konnte Barrios unmöglich so über ihn schreiben! Es schmeckt dies vielmehr nach dem Vorbilde, welches Gutzkow in seinem bekannten Drama llriel Acosta gegeben. Um einen gewissermaßen tröstlichen Schluß zu gewinnen, läßt Gutzkow den Jüngling Spinoza auftreten. Einen solchen Anachronismus kann sich ein Dichter erlauben, aber dem in der V. Z. übersetzten Schreiben wird dadurch der Charakter absichtlicher Erfindung ausgeprägt. %eituA^v^i>vtac Deutschland. Berlin, 22. Juli. (Privatmitth.. Wir haben in vor. Nr. über die Ansprache des Akademie-Directors Anton v. Werner berichtet. Der berühmte Künstler sprach sich entschieden gegen alles politische Treiben, insbesondere gegen das antisemitische seitens der Schüler der Akademie und bedrohte sie in solchem Falle mit Entlassung. Es ist natürlich, daß die Antisemiten hierüber sehr ergrimmt sind, und die „Kreuzzeitung" schafft ihrem Zorne Lust. Wie es diesem Blatte eigen ist, wandelt sich ihr Aerger sofort in eine Denunciation, der jedoch schwerlich Anton von Werner zum Opfer fallen wird. Wir entnehmen hierüber der „Franks. Ztg." folgenden Passus: Der seit den mehrfachen offiziösen Verleugnungen etwas in den Hintergrund getretene Antisemitismus scheint in der Zeit der politischen Stille sich wieder mehr hervorzuwagen. Der Director der Akademie der Künste. Anton v. Werner, hatte vor Kurzem in einer Versammlung des Lehrkörpers und der Studirenden sich sehr energisch gegen gewisse antisemitische Vorgänge unter den Studirenden ausgesprochen. Die „Kreuz- Ztg." behauptete heute, diese Vorgänge seien nicht antisemitisch, sondern es handle sich um die Pflege nationaler Gesinnung, ähnlich wie in den Vereinen der sogen, deutschen Studenten und um die Verdrängung fremdländischer Elemente ans dem Ausschuß der Studirenden. Sie hält daher die Verwarnung des Directors für unberechtigt und sagt: Wenn sich die Sache so verhalte, dann wäre das em neuer Beweis für die Ausnutzung der neuerdings ja auch öffiziös gepflegten Antisemitenangst zu jüdisch-freisinnigen Zwecken. Während der Reichskanzler bei jeder Gelegenheit vor Deutschland und der ganzen Welt betont, daß er seine ganze Hoffnung auf die Jugend und deren nationale Gesinnung setze, thun seine ungeschickten Diener diese nationale Gesinnung, die von der Abneigung gegen das Judenthum als Träger des antinationalen Momentes unzertrennlich ist, in den Bann und arbeiten den Feinden Deutschlands damit in die Hände. Da die „Kreuz-Ztg." neuerdings auf dem bei ihr traditionellen Gebiete des Denunciantenthums Erhebliches geleistet hat, wird sie sich nicht wundern, wenn man in ihrer Auslassung eine Denunciation des Directors Anton v. Werner erblickt. — Wir wollen der „Kreuzzeitung" den Widerspruch Nachsehen, daß sie zuerst den Antisemitismus des „Vereins deutscher Studenten" leugnet, dann aber wieder behauptet, daß derselbe von den Bestrebungen des Vereins gar nicht getrennt sein kann, sondern nothwendig in ihnen enthalten sei. Wir werden nicht aufhören, der Kreuzzeitungspartei und allen ihren Anhängseln die Behauptung zu bestreiten, das; die deutsche Nationalität die deutschen Juden von selbst ausschlösse; wir werden nicht müde werden, zu behaupten und zu erweisen, daß die Juden mindestens ebenso gute Deutsche sind, wie diese einseitigen und engherzigen Jünglinge, die eben die Schulbänke verlassen haben und nun am Biertische sich als Helden ausschließlich deutscher Nation aufspielen. Aber auch hinsichtlich des Christenthums meinen wir, daß mit demselben der Antisemitismus, d. h. die Judenverfolgung und die Judenhetze durchaus nicht identisch, durchaus nicht nothwendig verbunden sei. Diese Leute haben keinen Begriff, daß zwischen den Confessionen Friede und gegenseitige Achtung bestehen könne. Wir glauben ferner, daß das Christenthum, welches so viele Welttheile beherrscht und bald 19 Jahrhunderte hinter sich hat, von der Hand voll Juden nichts zu fürchten habe und ihm von diesen keine Gesahc drohe. Vielmehr ist es für Deutschthum und Christenthum ein Zeugniß der Schwäche, wenn sich diese Leute in den Harnisch werfen und mit Schwert und Streitaxt bewaffnen, um diese beiden großen geschichtlichen Erscheinungen gegen die paar Juden zu vertheidigen, welche in die Oeffentlichkeit zu treten befähigt wären. Dies Alles ist nur Vorwand und Ausgeburt des Judenhasses, von dem sie sich nicht losmachen können, auch nicht wollen, wie die Kinder, denen man den „schwarzen Mann" als Zuchtmittel vorgeredet hat. Uebrigens ist es klar: der Antisemitismus hat das Terrain der Volksversammlungen verloren und sucht nun seine Zuflucht in den Studentencommersen. — 32

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