Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1886)
- Date
- 1886-08-03
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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504 wolle. Von derselben ist die erste Lieferung (Braunschweig, Schwetschke u. Sohn, 1886) erschienen. Sie enthält zwei Aufsätze über Moses Mendelssohn, der erste „Moses Mendelssohn und das Judenthum" von Dr. Jakob Auerbach, der zweite „Mendelssohn und die deutsche Literatur" von Franz Muncker. Diesen schließt sich ein Artikel „Zur Geschichte der Juden Deutschlands im früher» Mittelalter" von R.Hoe niger an, der aus einem in der Berliner historischen Gesellschaft gehaltenen Vortrage hervorgegangen ist. Miscellen und Nachrichten bilden den Schluß. — Die zweite Lieferung (April bis Juni) des laufenden Jahrgangs der Revue des Etudes juives (Paris, Durlacher) enthält die Fortsetzung der mit so großem Fleiße gearbeiteten Geschichte der Juden in Carpentras unter der päpstlichen Herrschaft von Isidore Loeb, über eine griechische Synagoge in Phocee nach einer jüngst ausgesundenen Inschrift von Salomon Reinach, aus welcher man den damals üblichen Bauplan der Synagogen erkennen kann; die gelehrten Juden zu Florenz zur Zeit von Lorenzo de Medicis von Joseph Perles; die Juden in Alberuni von Martin Schreiner; der Schutz der Juden in der Levante und in der Berberei seitens Frankreichs von Jonas Weyl; endlich die Fortsetzung der Geschichte des Rabbinats von Metz von Ab. Cahen. An diese schließen sich Notizen und Vermischtes, von welchen einige recht interessant sind. Die von Isidore Loeb gearbeitete Bibliographie bildet den Schluß. — Wir haben in Nr. 46 des Jahrgangs lö79 über den ersten Theil der vom Obercantor Rosenhaupt zu Nürnberg componirten spjr n'ty berichtet. Derselbe beabsichtigt, den zweiten Theil seines trefflichen Werkes, enthaltend den Sabbath-Morgen-Gottesdienst, herauszugeben. Vor Kurzem veröffentlichte er „Gottesdienstliche Schlußgesänge für die Synagoge", Joh. Kühl, Nürnberg. Der halbe Bogen enthält die Composition des Alenu in hebräischer und des Adon Olam in deutscher Sprache. — Der Großrabbiner von Paris Zadoc Kahn hat eine zweite Sammlung seiner Reden und Ansprachen „Sermons et Allocutions“, Paris, Durlacher 1886, erscheinen lassen. Der vorliegende Band enthält wieder Predigten über verschiedene allgemeine und specielle religiöse und sittliche Themen, und vier Reden bei der Einweihung von Synagogen und Betstuben. Der Redner besitzt eine warme und feine Empfindung für das religiöse Bedürfniß und zugleich für die Forderung unserer Zeit; seine Sprache ist beredt und geistvoll, und wir kennen kaum jüdisch-französische Reden, die wir nach dieser Richtung hin den vorliegenden gleichsetzen möchten. — Wir haben einen ausführlichen Bericht über die hundertjährige Jubiläumsfeier der Samsonschule zu Wolfenbüttel am 4.Juni c. gebracht. Der zeitige Director der Schule, Herr Dr. Moritz Rosenstock, gab auch zu dieser Feier eine Festschrift heraus, welche eine Geschichte der Anstalt nebst dem Verzeichniß ihrer Lehrer und Schüler enthält. — Bei dem Interesse, welches auch wir und unsre Leser für die „sociale Frage" (ökonomische Bewegung) hegen, machen wir auf eine kürzlich erschienene Broschüre des Dr. Max Hirsch: „Die hauptsächlichen Streitfragen der Arbeiterbewegung". (Berlin, 1886, Verlag des Verbandes der Deutschen Gewerkvereine, alte Jakobstr. 8) aufmerksam. Dieselbe enthält in Form eines Dialogs eine Disputation zwischen einem Socialisten und einem Gewerkvereiner. Bekanntlich giebt es jetzt auf dem social-politischen Gebiete außer dem Manchesterthume, welches die völlig freie Bewegung des Individuums will, verschiedene Parteien: Die Staatssocialisten, die Socialdemokraten, die Schulze-Delitz'sche Partei der Selbsthilfe und die Hirsch- Duncker'schen Gewerkvereine. Die Socialdemokraten sehen in den beiden letzteren scharfe Gegner, die ihnen unter den Arbeitern selbst Concurrenz machen. In der vorliegenden Schrift werden nun die Ziele und Gedanken der Socialdemokratie klar und bestimmt bekämpft, so wie die Vor- und Einwürfe, die sie gegen die Gewerkvereine erheben, widerlegt und die Grundsätze der letzteren auseinandergesetzt. Wir können der ganzen Darstellung nur unsre Anerkennung gewähren, nur daß wir gewünscht hätten, die den Gewerkvereinen zugeschriebenen Vorzüge und Wirkungen wären noch durch Anführung von Thatsachen unterstützt und belegt worden. — Uebrigens bringt Or. Hirsch ein reiches statistisches Material heran, das in überzeugender Weise zu Gunsten der Gewerkvereine spricht. — Die Sonntags-Beilage zur „Vossischen Zeitung" vom 18. Juli enthält einen aus dem Spanischen übersetzten Brief eines Daniel Levi de Barrios, der die Lebensschicksale und den Tod des bekannten Uriel Acosta beschreibt. Abgesehen davon, daß wir aus demselben nichts erfahren, was wir nicht längst schon aus dem Testament oder der Selbstbiographie Acosta's wissen, trägt er die vollen Anzeichen einer Mystification, welche zugleich eine judenfeindliche Tendenz verräth. Warum hat der LI. X., der sich also unter der Uebersetzung bezeichnet, nicht mitgetheilt, woher er das Schreiben des Barrios genommen? Barrios war ein nicht unbekannter Vielschreiber, der nach 1685 gestorben, ist der Brief etwa in irgend einer Schrift desselben vorhanden? Wir bezweifeln dies, denn er kann gar nicht so geschrieben worden sein. Acosta starb im April 1640, und Barrios soll seinen Brief am 25. Mai 1641 geschrieben haben, also kurz nach dem Tode Acosta's, womit der Brief selbst übereinstimmt, da er kurz nach dem Tode jenes verfaßt sein will. Nun spricht Barrios in der Einleitung mit vieler Selbstüberhebung von seinen viel später verfaßten Schriften. Barrios war um 1620 geboren, war bei dem Tode Acosta's also 20 Jahre alt! Aber noch mehr. Gegen Schluß des Briefes schreibt er von Spinoza: „So erging es Uriel da Costa, und dies wird auch wahrscheinlich das Loos eines mit geringer Ur-