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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-27 · Heft 31 (27.7.1886) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 31 (27.7.1886)
Date
1886-07-27
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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490 (Wir wollen uns hier um die Aeußerungen der oben genannten Männer nicht weiter kümmern; aber unserer Verwunderung müssen wir doch das Wort gestatten darüber, daß ein christlicher Theologe die Behauptung aufzustellen wagt, daß der Eid im Judenthume und im Christenthume keinen „gemeinsamen Grund" .habe. In beiden Religionen ist die Grundlage des Eides das dritte der Zehnworte: „Du sollst nicht aussprechen den Namen Gottes zum Falschen, denn Gott wird den nicht unbestraft lassen, der Seinen Namen ausspricht zum Falschen". Will der Pastor Ahlers diese Grundlage des Eides nicht anerkennen, so hätte er für das Christenthum gar keine. Denn im Neuen Testamente wird bekanntlich der! Eid überhaupt verboten und der Christ soll nur sagen: Ja, ja oder nein, nein. Matth. V 37.) Witten, 15. Juli. (Rhein.-Westf. Z.) In der heutigen Schöffengerichtssitzung wurde der Redakteur der hiesigen konservativ-antisemitischen Zeitung, Herr Kreutler, welcher den Redakteur des nationalliberalen „Witten. Tagebl." in einem Zeitungsartikel in schwerster Weise beleidigt hatte, zu einer Geldstrafe von 300 Mk., welcher im Nnvermögensfalle eine Haft von 60 Tagen zu substituiren, verurtheilt. Das Erkenntniß führt aus, daß auf Gefängnißstrafe würde erkannt worden sein, wenn Herr Kreutler schon vorher wegen Beleidigung in der Presse bestraft gewesen wäre. Auf eine so hohe Geldstrafe aber habe erkannt werden müssen, weil die Aufgabe der Presse darin bestehe, das Volk zu bilden, nicht aber durch gehässige Angriffe eine perfide Sprache und Anschauungsweise in das Volk zu bringen, durch welches dieses selbst zu ähnlicher Ausdrucks- und Anschauungsweise verleitet werde. Zweibrücken, 18. Juli. (Eingesandt, zur Schächtfrage.) Die Petition der Thierschutzvereine ist einstweilen beseitigt; allein der mit überwiegender Majorität gefaßte Commissionsbeschluß fordert zu sorgfältiger verbreiteter Gegenwehr auf. Die Petition wird mit beginnender Reichstagssession wieder auf der Bildfläche erscheinen und ist es in dieser allgemeinen Lebensfrage Pflicht eines Jeden, zur Abwendung der Gefahr beizutragen. Ich erlaube mir daher, zwei mir sehr zweckdienlich erscheinende Vorschläge zu machen. 1. Es sollen nicht blos die jüdischen Gemeinden Gegenpetitionen erlassen, sondern es müßten auch die Metzger veranlaßt werden, durch Petitionen gegen das ihren Gewerbebetrieb schwer schädigende Vorgehen der Thierschutzvereine Front zu machen. Solche Petitionen liegen so sehr im Interesse der Metzger, da die Juden einen beträchtlichen Prozentsatz des Fleisch essenden Publikums ausmachen, daß sie gerne der Anregung Folge leisten werden. Vielleicht unternimmt! es ein jüdischer Metzger, der nicht nur das Beit, sondern | auch die Feder zu führen versteht, in irgend einem jüdischen! Blatte einen Petitionsentwurf zu veröffentlichen, der dann von den übrigen Blättern reproducirt werden möchte. 2. Es dürste förderlich sein, die Reichstagsmitglieder bei Zeiten zu belehren und mit dem nöthigen Material zu versehen und zwar in der Weise, daß die Rabbiner schon vor Eröffnung des Reichstages die Reichstagsmitglieder ihrer Nachbarschaft besuchen und sie auf der einen Seite aufmerksam machen auf die eigentliche Hetzabsicht der Thierschutzvereine und auf der andern Seite ihnen Material an die Hand geben, um sich ein Urtheil bilden zu können. Namentlich wird es empfehlenswert sein, jedem Reichstagsmitgliede bei > dieser Gelegenheit entweder das Kayserling'sche oder das jüngere Ehrmann'sche Buch über die Schächtfrage einzuhändigen. Nun kann es jedoch nicht jedem Rabbiner zugemuthet werden, diese Reisen und Anschaffungen der Vertheidigungsschriften auf eigene Rechnung zu übernehmen und komme ich darum auf einen s. Z. in der „Jüd. Presse" von Rabb. vr. Carbbach in Lübeck gemachten Vorschlag zurück, einen Fonds zur Bestreitung dieser Kosten anzusammeln und möchten die jüd. Blätter aller Richtungen Sammlungen zu diesem Zwecke eröffnen. Dr. Mayer, Bezirksrabbiner. Nachbemerkung. Ich habe diese Vorschläge der „Allg. Zeitung des Judenthums" zugehen lassen, bitte jedoch die übrigen Blätter um Abdruck derselben, damit das Für und Wider erörtert und das allenfalls geeignet erscheinende allgemein bekannt und durchgeführt werde. Corresp. Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. Juli. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Türk ist bei der Landtagswahl in Freudenthal (Schlesien) durchgefallen. Wien, 15. Juli. (Privatmitth.). Das hiesige Clerical- Feudal Organ „Das Vaterland", welches jahraus jahrein gegen die Juden schreibt, ließ sich zunächst von seinem Berliner Correspondenten berichten, daß dort der Antisemitismus im Ab- und Anssterben sei. Wir haben keinen Grund, die Wahrheit dieser Mittheilung in dem genannten Organ zu bezweifeln. Als Ursache wird die Norddeutsche Allgemeine Zeitung angegeben, welche die bekannten Artikel gegen Stöcker veröffentlichte. Es geht auch bei uns nun bergab mit dem Antisemitismus, und hat zunächst die Versammlung des deutschen Schulvereins zu Salzbrunn viel zur Klärung der Lage beigetragen. Man mißverstehe uns nicht. Nicht etwa, daß wir glauben, es gäbe keine Antisemiten mehr. Es hat deren zu allen Zeiten gegeben und wird solche zu allen Zeiten geben; denn es ist ganz natürlich, daß der christliche Schuster seine jüdischen Concurrenten nicht mag, und wenn er ihm eins anhängen kann, so thnt er es; aber der Anti-

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