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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-27 · Heft 31 (27.7.1886) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 31 (27.7.1886)
Date
1886-07-27
Page
Seite 486 (sequence 6)
Language
German
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48(5 16. Juni, also der allerneuesten, „eine Kritik der antisemitischen Bewegung “ gab, „die er lieber deutsch als Judenhetze, Jsraelitentodtschlag und Scheiterhaufenpolitik bezeichnen wollte", und dann „ auf den Verein deutscher Studenten" übergehend, „das beliebte Streberthum und die Jnteressenpolitik ins Feld führte, die so kleinlicher, so kläglicher Art sei, daß er den deutschen Geist der Männer nicht wieder erkenne, der nichts weiter als einen Kniefall vor einem Idol bedeute." Und wie logisch diese neuen Torquemadas verfahren, das möge man aus folgendem Citat aus ihrem Organ, in welchem sie sich mit jeder neuen Nummer an den Pranger stellen und für ewige Zeiten als Finsterlinge, als Verfasser dieser neuesten Blätter „virorum obscurorum“, brandmarken, entnehmen. Unter „Zeitungsschau" wird die ganz zutreffende und wohlverdiente Rüge, welche die „Wiener Wochenschrift" über die zu dem am 15. Maier, von den Burschenschaften und deutschnationalen Vereinen der Wiener Hochschulen abgehaltencn Trauercomniers zu Ehren Scheffels ausgegebene Einlaßkarte, an deren unterem Rande die liebenswürdige und von dortiger Toleranz so glänzendes Zeugniß ablegende Bemerkung sich befand: „Für Juden hat diese Karte keine Giltigkeit" ausgesprochen hat, mit folgender Glosse begleitet: „Wenn die Herren Juden in Wien am 6. Mai einen hübschen „Börne- Commers" arrangirt und die Christen von demselben ausgeschlossen hätten, würden wir das auch ganz in der Ordnung gefunden haben." Also Ihr Herren Studenten, so macht Ihr doch keinen Unterschied zwischen „modernen Juden" und den „auf dem Boden des alten Testaments stehenden", sondern findet es für gerechtfertigt, daß man sie alle ausgeschlossen hat! Es paßt dies ganz zu der Erwähnung eines B örne-Commerses: entweder nämlich seid Ihr so unwissend, daß cs Euch nicht bekannt ist, daß Börne zum Christenthuni übcrgetreten war, oder Ihr wolltet eben keinen Unterschied machen zwischen getauften und ungetauften Juden! Welcher Abstand ist alles dies von den edleren, freisinnigeren, Millionen umschlingenden Grundsätzen der früheren deutschen BurschenschaftlerWie haben sich die Zeiten geändert! Was nützen die Humanitätsstudien, wenn solches ihre Früchte sind? Und weß haben wir uns zu gewärtigen, wenn die aus solcher Verbindung hervorgegangenen Männer einst Bokksschul- und Religionslehrer an den höheren Schulen sein werden? Das ist in der That ein schlimmer Ausblick für unsre Nachkommen, falls nicht, was wir nur inbrünstig wünschen', aber kaum erhoffen können, eine neue Wandlung zum Besseren bis dahin eintritt. Wie die Sachen jetzt liegen, weiß man wirklich nicht, soll man sich mehr über das der studirenden Jugend ganz ungeziemende Gebühren oder über diejenigen wundern, welche solche Anfeindung einer gesetzlich gleichberechtigten Klasse von Staatsbürgern ungestraft hingehen lassen. Bei dieser Gelegenheit will ich auch noch einen andern mit dem Antisemitismus oder der judenfeindlichen Gesinnung vieler unserer christlichen Mitbürger zusammenhängenden Punkt berühren. Es ist der ihrer Versuche, uns zum Christenthum zu bekehren. Es ist ihnen dies zwar von ihren evangelischen Vorschriften geboten, und somit wäre ihnen eigentlich kein Vorwurf daraus zu machen. Auch mag es ja in einigen Fällen immerhin wirkliche Ueberzeugung, aufrichtige Absicht und brüderliche Liebe zu uns sein, die Manche dazu bestimmt, jener Vorschrift nachzukommen und uns das, was man für alleinseligmachende Heilswahrheit hält, zuführen und deren Segen theilhaftig machen zu wollen. Ja, einen glänzenden Namen, den Namen eines Mannes, dem wir vielfach zu Danke verpflichtet sind für sein mannhaftes und menschenfreundliches Einstehen für uns, namentlich gerade in dieser letzteren Zeit der gegen uns sich aufthürmenden Hochfluthen des Hasses und der Anfeindung, könnte ich nennen, bei dem jene unzweifelhaft die Beweggründe zu seinem Bekehrungseifer sind, wäre er nicht den Lesern dieser Zeitung zur Genüge bekannt und hätten Sie nicht schon oft Gelegenheit genommen, ihm unfern Dank zu erkennen zu geben. Auch er wird, trotz jenem Eifer, wie Charbona in den Annalen des Judenthums verzeichnet bleiben und, wie dieser Letztere für seine einmalige Parteinahme zu unseren Gunsten, für seine mehrfache Bekämpfung unserer Gegner auch bei unseren Nachkommen in stetem gutem Andenken gehalten werden. Allein mit dem Troß, der sich solchen Männern, wie er einer ist, anschließt, steht es denn doch anders. Muß es nicht empören, wenn der Schüler sich über den Lehrer erheben und ihn belehren will, wenn man uns, die Träger und somit Fortpflanzer der wahren Lehre des Heils, wie die unwissenden, der Cultur und „Offenbarung" noch nicht theilhaftigen Heiden in fernen Welttheilen behandeln will? Da tagte ohnlängst hier in Leipzig eine Versammlung des sogen. Judenmissions-Bereins, und ich ging hin, um einmal zu hören, was die Vertreter der Sache für sich zu sagen haben. Die Versammlung war zahlreich besucht — es war eine des Centralvereins und hatte Mitglieder aus allen Städten der Umgegend herbeigeführt — aber was für Gesichter und Gestalten erblickte ich da! Dummheit, Heuchelei und Frömmelei lag aufs deutlichste und abstoßendste in Vieler Zügen und ganzen Haltung ausgedrückt, und zwar bei Jung und Alt, bei denen männlichen und weiblichen Geschlechts. Ich schloß indessen die Augen, um nicht zu sehen und um desto deutlicher zu hören. Der Redner — seinen Namen konnte ich nicht erfahren, man sagte mir nur, es sei der Vorsitzende, entweder Graf Vitzthum von Eckstädt oder ein Pastor Hardeland — ich weiß nicht einmal, ob ich die Namen richtig schreibe — war gerade beim Schluß feiner Rede, und ich hörte nur soviel, daß die Ergebnisse ihrer Bemühungen äußerst geringe, der Aufwand an

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