Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1886)
- Date
- 1886-07-20
- Page
- Seite 478 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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478 der göttlichen Offenbarung, bei deren Verleugnung die Menschheit sicherlich in den Wellen des Materialismus ihr Grab finden würde. Die ungarländischen Israeliten haben übrigens in vergangenen Zeiten stets bei den Bischöfen Schutz gefunden und meine ruhmreichen Vorfahren waren z. B. die Patronatsherren der hiesigen Israeliten. Jetzt leben wir in einem anderen Zeitalter. Sie sind nunmehr freie, gleichberechtigte Bürger dieses Vaterlandes und unsere Pflicht ist, daß wir Alle miteinander in brüderlicher Liebe leben. Aber nicht nur die pflichtgemäße Nächstenliebe, sondern die aufrichtigste Achtung und Werthschätzung fühle ich für Sie und seien Sie überzeugt, daß ich, wo es immer nothwendig sein sollte, gern bereit bin, Ihre Sache zu fördern. Uebergeben Sie meine Grüße Ihrem Mandanten, der Religionsgemeinde, und empfangen Sie wiederholt meinen Dank für Ihr freundliches Erscheinen." Aus Leutschau (Ungarn) wird geschrieben: Der hiesige israelitische Friedhof wurde durch ruchlose Hände verwüstet. Einige der schönsten Grabsteine liegen zertrümmert am Boden. Die verabschcuungswürdigen Gräberschänder konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden. Rußland. Wilna, 28. Juni. Aus der Kreisstadt Wileiki, Gouvernement Wilna, kommende Passagiere, erzählen, daß indem 42 Werst entfernten Flecken Dolginowo von Laudleuten, welche zur Kirchenmesse gekommen, eine Judenhetze veranstaltet worden sei. Außer Demolirung von vielen Häusern, Buden, Plünderung des Eigenthums u. s. w., soll es viele Verwundete, ja sogar einige Todte gegeben haben. — Am 25, Juni passirten in Wileiki, aus Wilna kommend, der Vicegouververncur, die Prokuratoren der Gerichte und andere amtliche Personen. Als Ursache wird erzählt: Es sei in Wileiki ein seit Ostern verschwundener Knabe im Walde erschlagen aufgesunden worden, die That rühre von Juden her, die das Blut zu ihrem Osterfeste gebraucht hätten. — Es wird weiter gemeldet, daß am folgenden Sonntag der Aufstand gegen die Juden sich erneuerte und daß außer Plünderungen und Mißhandlungen vier Männer und drei Frauen erschlagen worden sein, sowie die Synagoge demolirt. Viele Verhaftungen fanden statt. Die jüdischen Familien sind hierdurch in die größte Noth gebracht und Hülfe von außen wäre sehr erforderlich. östlichen Wahlbezirke Londons Tower Hamlet, in welchem das deutsche und polnische Element vorwiegend ist, der konservative Israelit Jsaacson, deutschen Ursprungs, an Stelle des bisherigen radikalen Arbeiterführers Durant gewählt wurde. Bonn, 11. Juli. (Notizen). Man schreibt aus Berlin: — In diesen Tagen beging Frau Philippine Liebermann, eine durch ihre wohlthätigen Bestrebungen bekannte Dame, das 25jährigeJubiläum als Ehrenmutter der Baruch Auerbach'schen Waisen - Erziehungs - Anstalten. Der Vorstand überreichte seiner treuen Mitarbeiterin eine ihre Verdienste würdigende, kunstvoll ausgeführte Adresse, desgleichen brachten die Zöglinge ihren Dank und ihre Glückwünsche dar. Die Jubilarin gestaltete ihren Ehrentag durch reiche Spenden zu einem Freudentag für die Zöglinge und die Anstalten. — Die WittweGiacomo Meyerbeers, Minna, geb. Mosson, ist gestern Nachmittag auf dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee an der Seite des ihr vor 22 Jahren in den Tod vorangegangenen Gemahls zur letzten Ruhe beigesetzt worden. Vorher hatte in der Wohnung der Tochter, der Frau Professor Richter, Bellevuestraße 5., wohin die Leiche von Wiesbaden überführt worden war, eine Trauerfeier stattgefunden, der neben der nächsten Leidtragenden, den Familien v. Korff, v. Andrian-Werburg und Richter, auch der italienische Botschafter de Lannay, Männer der Wissenschaft, wie Professor v. Helmholtz, Professor Leyden und Professor Gneist, ferner Staatsminister Delbrück, Prof. Paul Meyerheim, Maler Scholz, Major Dunker, Superintendent Dryander u. A. beigewohnt hatten. Der Henneberg'sche Chor, dessen Mitglieder zumeist auch schon den Gatten der Heimgegangenen an seinem Grabe einen Zoll der Verehrung entrichtet hatten, leitete die Feier mit dem Gesänge des „Selig sind die Todten" ein. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Maybaum die Gedächtnißrede, der Gesang und Gebet folgte. Auf dem Friedhof sangen Sänger der jüdischen Gemeinde. — Man schreibt uns aus Brüssel: In diesjährigen Wettbewerbungen des hiesigen Konservatoriums hat eine Israelitin, Frl. Uhlmann, einen ersten und außerordentlichen Preis von 1000 Frcs. für ihre außerordentlichen Leistungen im Piano erhalten; und ein Israelit, Hr. Abraham Ederlin, hat den höchsten Preis im Violinspiel, mit Acclamation der Jury und des ganzen anwesenden Publikums bekommen. Großbritannien. London, 7. Juli. Außer der Wahl des Barons Henry de Worms ist die des Sir Julian Goldsmid als liberaler Unionist bis jetzt bekannt geworden, so wie in dem großen