Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1886)
- Date
- 1886-07-20
- Page
- Seite 479 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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479 Ieui 1 Vermischtes. Pasteur und der Talmud. Als ich vor einigen Tagen einen eingehenden Bericht über das Pasteur'sche Heilverfahren gegen die Tollwuth las, erinnerte ich mich einer Stelle im Talmud, Tract. Joma f. 83, aus welcher hervorgeht, daß die Aerzte der damaligen Zeit (das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.) den netzartigen, die Leber umschließenden Lappen nun) des tollen Hundes dem von diesem Gebissenen als Heilmittel zu essen gaben, das seine Heilung bewirken sollte. Da fragt es sich, aus welchem Grunde haben sie gerade dieses Glied des Leibes des tollen Hundes dazu ausersehen? Sollten sie vielleicht in dasselbe das Wuthgift verlegt und eine Art Pasteur'schen Verfahrens eingeschlagen haben — was berechtigte sie aber zu einer solchen Annahme? — Sie konnten jedoch auch von einem andern Grunde geleitet worden sein. Aber von welchem? bleibt, wenigstens für uns Laien, ein Räthsel. — Uebrigens haben manche Talmudisten (Mischnalehrer) behauptet, jenes Mittel sei kein probates, und in Jer. Joma 45 findet sich der Ausspruch, daß weder dieses noch ein anderes Heilmittel gegen den Biß eines tollen Hundes wirke. M. M. in Darmstadt. Anachronismen. In Nr. 20 der Allg. Zeitung des Judenth. veröffentlichten Sie einen Artikel „Die Prüfung der Brautleute". Es wird nämlich das Bild Professor Junker's, von welchem die Illustrirte Zeitschrift „Ueber Land und Meer" einen Holzschnitt brachte, erläutert und geschildert. Es thut mir jedoch leid, sagen zu müssen, daß das Bild nach zwei Seiten hin Anateton. chronismen enthält. Aus dem Lehrbuche „Bne Zion", unseligen Angedenkens, wurde nie in der Synagoge geprüft, sondern im Amte, resp. im Kreisamte. Als Prüfende erschienen der Rabbiner, der Lehrer der jüdischen Volksschule, wenn solche im Orte war, und die Prüfung geschah in Gegenwart des Amtmannes, dem ebenfalls das Recht zustand, Fragen an die Brautleute zu stellen. Die ganze Staffage des Bildes ist daher unrichtig. Der Rabbiner erschien nicht im Amte mit dem Gebetmantel; er hatte keinen Folianten vor sich, denn die Brautleute sollten ja nur aus dem Bne Zion geprüft werden. Das Bne Zion wurde 1812 eingeführt. Wie ich jedoch von Fachmännern höre, entspricht das Costüm, welches Herr Professor Junker darstellt, nicht jener Zeit und einer späteren gewiß nicht. Gestatten Sie mir hinzuzufügen, daß das Bne Zion nicht im Jahre 1848 verschwunden ist. ve lege bestand es fort. Erst im Jahre 1856 wurde es mittelst Ministerialerlasses außer Wirksamkeit gesetzt. Dasselbe hatte auch selbstverständlich Geltung für Wien. Doch hat es der sel. Prediger Mannheimer nie in Anwendung gebracht und wurde dieser Vorgang von Seiten der Behörden nie beanstandet. Dasselbe wurde auch nie als Lehrtext in der hiesigen Religionsschule, die seit 1826 besteht, verwendet. Das Bne Zion diente als Einnahmequelle der Rabbiner, Lehrer und Beamten, da die Brautleute nur sehr selten den Inhalt dieses Buches kannten. Massenhafte Anekdoten circuliren über diese Prüfungen. Ich will hier eine anführen. Ein Amtmann fragt einen Bräutigam, welche Pflichten der Mann seiner Frau gegenüber habe. Hierauf antwortet der Bräutigam: „Aber gnädiger Herr Amtmann! sind Sie doch ein rechter Spitzbube." Wien. G. Wolf. Anzeigen. Ty% Q£2kY»0'i*£^ wer^611 nüi 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- €A*\jKj folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Im Verlage Adolf Cohn, Berlin W., | 35 4 Lützowstr. erschien soeben: > rrfr Derlmer Kalender I für alle jüdischen Gemeinden auf das Jahr! 5647 v. 30. Sept. 1886 bis 18. Sept. 1887, , von Di. J* Heinemann heransgegeben > aus dessen Nachlaß.! Preis brosch. in Tafelformat für Synaj gogen rc. 5o Pf., ohne Märkte 30 Ps.! Dieser in weiten Kreisen seit mehr als > 80 Jahren als correct bekannte Kalender; ist sauber ansgestattet. fB. 3380 ' TU "1 •Zu allerlei Mondamin sät Fruchtgelees, Schutzmarke. Puddings etc. Ersetzt Gelatine. Erleichtert die Zubereitung. Verbindet den höchsten Wohlgeschmack mit der leichtesten Verdaulichkeit. Auch zur verdictungr von Suppen etc. vortrefflich. Mondamin ist ein entöltes Mais-Product, Fahr. Brown & Polson, k. e. Hofl. Paisley (Schottland) u. Berlin, Heiligegeiststr. 35 u. ist in fein. Esswaarenu. Drog.-Handlg. in Vi u. y2 engl. Pfd.- Packet, zu haben.