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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-20 · Heft 30 (20.7.1886) · p. Seite 476

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 30 (20.7.1886)
Date
1886-07-20
Page
Seite 476 (sequence 12)
Language
German
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476 polnisch-russischer Nationalität, ist in den letzten Tagen aus München-Gladbach ausgetviesen worden. Gegen den Lebenswandel des Betreffenden liegt nicht das mindeste vor; derselbe wird, als ein harmlos-ruhiger Mann geschildert. Von demselben muß man also wohl befürchtet haben, er könnte allmälig die Rheinprovinz Polonisiren? Bochum, 13. Juli. (Privatm.) Am 13. und 14. Juni fand hier die jährliche Conferenz der jüdischen Lehrer aus Westfalen und Rheinprovinz statt. Am zweiten Tage erschien in derselben der Oberbürgermeister von Bochum, Herr Bollmann, und hielt eine Ansprache, die der eben erschienene Conferenzbericht folgendermaßen skizzirt: Er freue sich, eine Versammlung isr. Lehrer hier begrüßen zu können. Er sei erschienen, damit man nicht etwa sein Ausbleiben dahin deute, als ob er der Richtung huldige, die leider heute in alle Schichten unserer Gesellschaft eingedrungen sei. Zu seinem Bedauern hätten sich auch in der Stadt Bochum jene Bestrebungen bemerklich gemacht, die man mit dem Namen „Antisemitismus" bezeichne. Sowohl er persönlich als auch die Stadtverwaltung, welche er vertrete, wisse sich frei von jedem Vorurtheil gegen die jüd. Mitbürger, und dieselbe habe erst jüngst durch die Oeffentlichkeits-Erklärnng der jüd. Schule und Ueberuahme derselben auf den städtischen Etat den Beweis für die Thatsache erbracht. Er hob ganz besonders hervor, daß er jene Bestrebungen tief bedauere. Es wäre Aufgabe der jüd. Lehrer, in der Schule die Liebe zu ihrer väterlichen Religion und zu ihren altehrwürdigen Institutionen zu lehren, in die Herzen der Kinder den Geist echter Gottesfurcht und Frömmigkeit zu pflanzen, wahrhafte Humanität und ganz besonders die Liebe zum deutschen Vaterlande zu pflegen. Dann ivürden die Bestrebungen ihrer Feinde zwecklos sein, und er hofft, die Zeit werde nicht mehr fern sein, in welcher die Gegner der Juden diese Bestrebungen gänzlich einstellen. Auch die Juden seien echte und gute Bürger des deutschen Vaterlandes und hätten auch ein Recht darauf, als solche zu gelten. Schließlich wünscht er, daß überall der jüd. Schule die ihr zustehende Stellung auch eingeräumt werde, und unseren Berathungen wünscht er den besten Erfolg. Anhaltender Applaus lohnte diese herrliche Rede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck gemacht hatte. Oesterreich - Ungarn. Wien, 9. Juli. (Privatmitth.) Nachdem ich meine letzte Correspondenz (vergleiche Nr. 28) abgcschickt hatte, erfuhr ich ans der letzten Nummer des „Lemberger Israelit", daß auch der Vorstand der israelitischen Genieinde in Lemberg eine Petition au den Unterrichtsminister v. Gautsch abscndete, welche die Bitte enthielt, den Erlaß, daß die jüdischen Kinder von nun an am Sabbath schreiben müssen, zurückzuzunehmen. Ueberdies brachte die letzte Nummer der „Neuzeit" einen Leitartikel von unserem hochverehrten Prediger Dr. Jellinek, in welchem er ebenfalls diese Frage behandelt. Ich wurde nun stutzig, aber auch alle Welt war stutzig, doch Niemand war da, der der Sache näher treten wollte. Da unternahm es Herr Schulinspector vr. G. Wolf, der sich seit einiger Zeit auf dem Krankenbette befindet, und ersuchte eine befreundete Persönlichkeit, welche eine maßgebende Stellung im Unterrichtsministerium einnimmt, um Auskunft. Diese lautete wie folgt: „Die Sie interessirende Notiz hat auch in unserem Hause Befremden hervorgerufen, da von hier aus zuverlässig nichts verfügt worden ist, was zu solchen Mittheilungen Anlaß bieten könnte. Vielleicht ist irgend ein allzu eifriger Schulmeister auf den Einfall gekommen, sich für ein ungebührliches Verlangen auf die höchste Autorität zu berufen." Wie man also sieht, war es viel Lärm um nichts. Gestatten Sie mir noch, mit wenigen Worten auf die Frage zurückzukommen, ob es erlaubt sei am Sabbath zu schreiben. Lector M. Friedemann, unbestritten eine Autorität auf diesem Gebiete, bemerkt in seiner Pesikta: 115, b: sroü' noai nuin n"n N-n hm hnu ’h, hn bw nrw crrm nensn urot? iDDi pxn mta 'v'p xin mtm np’jn px^ mm man T~iNn moi o& «in. Diese Bemerkung giebt zu denken. Graz, 7. Juli. Gestern constituirte sich hier ein antisemitischer Schulverein für Deutsche, welcher bereits 3000 Mitglieder zählt. (Also doch! Es ist nun einmal eine Eigenthümlichkeit der Deutschen, sobald sie sich zu irgend einem Zwecke vereinigt haben, sich alsbald wieder zu spalten, und wenn auch dadurch dem Zwecke bedeutender Nachtheil zugefügt wird. Dies ist just kein Zeugniß für die Hingabe an einen großen gemeinsamen Zweck, sondern daß die Persönlichkeiten sich vordrängen und immer Anhänger finden. Was diese Fraction der Antisemiten für die deutsche Schule erwirken wolle, ist nicht ersichtlich. Redact.) Preßburg, 2. Juli. Die Stadtgemeinde wurde heute unter definitiver Abweisung ihrer diesbezüglich gemachten Vorstellung durch den Minister des Innern mit Erlaß aufgefordert, die Kosten des aus Anlaß der im Jahre 1882 vorgekommenen Judenkrawalle requirirten Militär-Brachiums im Betrage von ca. 5000 Gulden ohne Verzögerung zu bezahlen. Lemberg, 3. Juli. Hiesige Blätter constatiren eine massenweise Auswanderung der Juden aus Rußland, welchen der Aufenthalt dortselbst in Folge der existenzerschwerenden Vorschriften seit 1881 nahezu unmöglich geworden ist. Nachdem die Ausweisungen en masss nicht das erwünschte Resultat erreichten, wurde es mit Maßregeln, die den Erwerb

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