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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-13 · Heft 29 (13.7.1886) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 29 (13.7.1886)
Date
1886-07-13
Page
Seite 458 (sequence 10)
Language
German
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458 sich diese iit den Trauerfeierlichkeitcn, welche in den Synagogen des Landes begangen worden. Es liegen darüber Bericbtc vor, z. Baus Bayreuth, welchem beiwohnten eine Deputation des Officierscorps der zwei hiesigen Regimenter, an deren Spitze zwei Stabsofficiere, dann das kgl. Rcgicrungscollcgium fast vollzählig, die weltlichen Mitglieder des k. protestantischen Consistoriums, mehrere Vorstände und Mitglieder der hiesigen k. Aemter und Justizbehörden, die Collegien des Magistrats und der Gemeindebevollmächtigten. Das Gotteshaus war schwarz behängen, ebenso Altar und Kanzel, letztere mit Blattpflanzen und Blumen reich geschmückl. Nach Absingung einiger auf die Trauerfeier passender Lieder und Psalmen hielt Herr Rabbiner vr. Kusnisky die Trauerrede. — Aus Kaiserslautern erhalten wir bereits gedruckt die am 22. d. bei dem Traucrgottesdienste in der Synagoge vom Bezirksrabbiner Di-. Landsberg gehaltene Predigt, welche in würdigster Weise alle die Gefühle zum Ausdruck bringt, die in solchem Momente das menschliche Herz und die patriotische Gesinnung erregen. — Auch die Trauerrede, welche Herr Rabbiner vr. Perles am 22. Juni bei dem Gottesdienste zu München gehalten, und die an Gehalt und Form gediegen genannt werden kann, ist uns soeben zugekommen. Ueberall spricht sich das tiefe Mitgefühl aus, welches die bayerischen Israeliten empfinden, aber auch die Hoffnung, die sie auf die Weisheit und Gerechtigkeit des Prinz-Regenten setzen. Landau, 26. Juni. Das 50jährige Dienstjubiläum des Herrn Bezirksrabbiners vr. Grünebaum gestaltete sich gestern zu einer großartigen Feier, an der, außer der israelitischen Cultusgemeinde, nicht nur die berufenen Vertreter der Behörden, sondern auch die gesammte Bürgerschaft der Stadt Antheil nahm. Die Feier wurde des Vormittags auf dem Stadthause durch eine Versammlung eingeleitet, in welcher Herr Bezirksamtmann v. Hartlieb dem Herrn Jubilar das ihm von Sr. Maj. dem König Ludwig II. verliehene Berdienstkrcnz des Ordens vom heil. Michael feierlich überreichte. Daran schloß sich ein Festgottesdicnst in der Synagoge, bei welchem Herr Rabbiner vr. Mayer von Zweibrücken die Predigt und Herr Rabbiner vr. Landsberg von Kaiserslautern die Schlußansprache hielt. Mittags fand im Hause des Herrn Jubilars eine Festtafel zu 40 Gedecken statt und Nachmittags 3 Uhr erfolgte die feierliche Ueberreichung der Geschenke und Glückwunschschreiben. Ter Rabbinatsbezirk Landau verehrte dem Herrn Jubilar einen silbernen Pokal, die Lehrer der Bezirke die Oppenheim'schen Familienbilder, der Syna- . gogenchor ein Gedenkblatt und ein Diplom, in welchem Herr ' Dr. Grünebaum zum Ehrenmitglied des Synagogenchors er- ' uannt wird. Frühere Schüler des Jubilars brachten ein > Photographie-Album mit ihren Photographien, seine Schüler i : der Realschule und Studienanstalt Honeggers „Kulturge- : schichte der neuesten Zeit", seine Schülerinnen der Töchteri schule einen Rauchtisch. Der Mendelssohn-Verein in Frankfurt ließ dem Jubilar durch Herrn Rabbiner Brüll ein Diplom als Ehrenmitglied überreichen; Herr vr. Mayer von Zwei- ■ brücken brachte im Namen des Deutschen Rabbinatsverbandes ein Glückwunschschreiben und Herr vr. Brüll von Frankfurt ein solches im Namen des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Außerdem erhielt der Herr Jubilar noch von vielen Privaten Geschenke. Die Stadt Landau hatte ihr Geschenk, zwei silberne Leuchter, schon Vormittags überreichen lassen. Sv bekundeten diese Festakte, sowie die im Laufe des Tages aus allen Theilen der Welt eingelaufenen über 70 Telegramme und etwa 300 Glückwunschbriefe, in wie weiten Kreisen und in wie hohem Maße der greise Jubilar allgemeine Verehrung genießt. Abends fand ein Festbankett unter großer Theilnahme statt. Bromberg, 28. Juni. Ueber eine andauernde Polizeihaft geht der „Freis. Ztg." von hier eine kaum glaubliche Nachricht zu. Danach sollen im Polizeigefängniß seit dem 3. bezw. 20. März d. I. zwei jüdische Personen aus Russisch- Polen internirt sein, welche wegen Bettelns mit einem Tage Gefängniß bestraft waren und nach verbüßter Strafe nicht entlassen wurden. Sie sollten nach Polen ausgewiesen werden, die russischen Behörden aber verweigerten ihre Annahme. Es giebt keine Bestimmungen des Gesetzes, welche Polizeibehörden ermächtigt, derartige Ausländer in Haft zu halten. Eßlingen, 1. Juli 1886 (Privatmitth.). Das israel. Waisenhaus „Wilhelmpstege" hier veröffentlichte in dieser Woche seinen 55. Bericht pro 1. April 1885—1886. Das Verwaltungsjahr bereitete der Verwaltung in jeder Hinsicht Ursache zur Zufriedenheit. Der Gesundheitszustand war ein normaler. Se. Majestät der König bedachte die Anstalt mit einer namhaften Spende (175 Mk.). Das Vermögen des Vereins hat sich durch reichlich angefallene Stiftungen, darunter 1000 Mk. von einem Katholiken in Stuttgart, durch Vermehrung der Jahresbeiträge (1710 Mk.), sowie durch gesteigerten Eingang von unbestimmten Beiträgen (6805 Mk.) namhaft erhöht (um 7150 Mk.) und beträgt jetzt ausschließlich des Werths der Immobilien der Anstalt 242816. Zur Vermehrung der Einnahmen werden in den rituell geleiteten Gast- und Wirthshäusern Württembergs Sammelbüchsen aufgestellt. Der Zöglingsstand, der bei Eintritt in das Verwaltungsjahr aus 38 sich bezifferte, ging durch Austritt von 8 und Eintritt von 9 Zöglingen auf 39 über. Die israel. Zöglinge des K. Schullehrerseminars, der Präparanden- und Taubstummenanstalt haben die rituelle Beköstigung in der Anstalt, mit der auch eine Fortbildungsanstalt für israelitische confirmirter Töchter verbunden ist. Vorstand der Anstalt ist H. M. H. Goldschmidt in Stuttgart und Leiter derselben

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