Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1886)
- Date
- 1886-07-06
- Page
- Seite 445 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227609-3227638--43659-3264032- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
445 Die Gesellschaft für Bekehrung der Juden beging am 24. d. ihr Jahresfest. In dem der Versammlung abgestatteten Berichte über die Thätigkeit dieser Missionsgesellschaft wurde offen zugestanden, daß sie „nur geringe Erfolge zu verzeichnen" habe. Ihre Anstrengungen richtet sie besonders auf die osteuropäischen Länder, aber hier begegnet sie großen Schwierigkeiten, ohne Erfolge zu haben. — Ieuillelon. Correspondenz. Breslau, 15. Juni 1886. Israelitische Lchrervcrsammlung. Wie alljährlich, fand in den Pfingstfeiertagen allhier die Generalversammlung des „Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen" statt. Sonntag, den 13. Juni Abends 8‘/2 Uhr eröffnete der Vorsitzende, vr. Samuelsohn, mit freundlichen Begrüßungsworten die Versammlung (im kleinen Saale der neuen Börse), worauf man zur Discussio» des Normallehrplans der Religionsschule mit 2 Lehrkräften schritt. Das Referat lag in den Händen des Vorsitzenden. Eine besonders lebhafte Debatte entspann sich bei der Frage, ob der biblische Geschichtsunterricht in den vereinigten zwei untersten Schuljahren concentrisch ertheilt werden solle, oder ob der gesammte Lehrstoff auf die zwei Jahre zu vertheilen sei. Die Versammlung entschied sich für die concentrische Methode. Schluß der Versammlung 10'/« Uhr. — Die 2. Sitzung begann Montag, den 14. Juni, früh 10y2 Uhr im Anschluß an die Generalversammlung der Mitglieder der Unterstützungskasse. Herr vr. Samuelsohn giebt einen Bericht über den Stand des Vereins. Darnach betrug die Mitgliederzahl im verflossenen Jahre 127, von denen 2 starben, 1 ausschied; hingegen traten neu ein 3 Mitglieder, so daß der gegenwärtige Bestand wieder 127 Mitglieder beträgt. Es folgte der Cassenbericht, demzufolge der Baarbestand der Lasse 96 M. 24 Pf. beträgt; auf den Antrag der Revisoren hin wurde dem Schrift- und Cassenführer, Herrn vr. Seligmann, von der Versammlung Decharge ertheilt. Zufolge eines den Abend zuvor von der Versammlung angenommenen Antrages des Vorsitzenden war die Tagesordnung dahin umgeändert worden, daß von der Fortsetzung der Berathung über den Normallehrplan der Religionsschule mit 2 Lehrkräften Herr vr. Badt zu einer schon vor 2 Jahren angeregten Angelegenheit das Wort erhielt. Die Angelegenheit betraf die Heranziehung der am Sonnabend- Morgen verhinderten Kinder und auch Erwachsenen zum Gottesdienste. Der Vorschlag des Redners ging dahin, dem Sonnabend-Nachmittaggottesdienste eine höhere Bedeutung durch Predigt zu verleihen, um denselben dadurch gleichsam zum Hauptgottesdienste zu erheben. An diesen Vorschlag s knüpfte sich eine längere Debatte, in deren Verlauf Herr vr. Brann einen Freitag-Abendgottesdienst mit Predigt vorschlug, und Herr vr. Samuelsohn auf seinen im vergangenen Jahre gemachten Vorschlag zurückkam, durch gemeinsame Vorstellungen an die Schulverwaltung zu bewirken, daß alle 4 Wochen einmal an den Sabathen der Neumondsverkündigung die Kinder während der Zeit des Frühgottesdienstes von der Schule dispensirt würden. Die Versammlung einigte sich dahin, an den in Berlin in Bälde tagenden Ausschuß des deutschen Rabbinerverbandes eine Resolution zu senden, wonach die angeregte Frage, sowie die drei vorgeschlagenen Mittel zur Hebung des Uebelstandes dem Rabbinerverbande zur weiteren Berathung und Beschlußfassung anheim gegeben werden sollen. — Wegen der vorgerückten Zeit wurde die Fortsetzung der am Vorabend begonnenen Diskussion des Normallehrplanes auf die Tagesordnung des nächsten Jahres gesetzt. Bei der Borstandswahl wurde der diesjährige Vorstand durch Acclamation wieder gewählt. — Unter dem Titel „freie Besprechungen" wurde auf Anregung des Herrn Petzal-Zabrze die Resolution gefaßt, daß die Versammlung sich auf Grund gewisser Vorgänge hin veranlaßt sehe, zu erklären, daß der Unterricht im Hebräische» ein wesentlicher Theil des jüdischen Religionsunterrichtes sei, weil eine fruchtbare Theilnahme am jüdischen Gottesdienste ohne Kenntniß des Hebräischen unmöglich sei. — Auf Vorschlag des Herrn vr. Samuelsohn wurde beschlossen, die Generalversammlung des nächsten Jahres allhier am 31. Mai und 1. Juni abzuhalten, weil die Pfingstfeiertage mit dem jüdischen Wochenfeste zusammenfallen. — Schluß der Versammlung l'/4 Uhr. Anwesend waren nach der Präsenzliste 34 Mitglieder und 10 Gäste. vr. Selig mann, Schriftführer. Die Juden in Amsterdam. In dem dritten Artikel der „Köln. Ztg." (vom 20. Juni) über diesen Gegenstand spricht der Verf. insbesondere über den ärmeren Theil der jüdischen Bevölkerung Amsterdams, der mit sehr geringen Mitteln durch unermüdliche Thätigkeit einen kärglichen Unterhalt zu erschwingen sucht. Hier heißt es weiter: „Aber dennoch ist das Loos des jüdischen armen Mannes