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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-06 · Heft 28 (6.7.1886) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 28 (6.7.1886)
Date
1886-07-06
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 beim Schächten vor Allem in den dem Abstechen der Schlachtthiere vorausgehenden Manipulationen, in der eigenthümlichen Lage, in welche die Schlachtthiere durch Ausstemmen der Hörner auf den Boden und das hiermit verbundene Strecken des Halses gebracht werden. Daß durch diese Manipulationen den Thieren heftige Schmerzen verursacht werden müssen, liegt auf der Hand und wird durch das jämmerliche Brüllen derselben bestätigt. Beseitigt könnte diese Quälerei dadurch werden, wenn dem Abstechen der Thiere eine Betäubung, ähnlich wie die bei den Schweinen jetzt übliche, vorherginge. Bevor ich jedoch eine derartige Betäubung im Wege der Polizei-Verordnung verschreibe,'möchte ich den Vorstand um eine gefällige Mittheilung darüber ersuchen, welche Bedenken von Wohldemselben etwa das in Aussicht genommene Verfahren geltend gemacht werden könnten. Die Polizei-Verwaltung. Der Oberbürgermeister. Geheime Regierungsrath. (Wir werden die Antwort des Vorstandes in nächster Nr. bringen. Red.) München, 27. Juni. (Privatmitth.) Der Tod König Ludwigs H., der in und außerhalb Bayerns überall die tiefste Theilnahme wachgerufen hat, war ganz besonders für die Israeliten in Bayern ein überaus schmerzliches Ereigniß. Der verstorbene König war bekanntlich von jeher auch in religiösen Dingen hochgesinnt und ist der Einschleppung der antisemitischen Wühlereien nach Bayern seiner Zeit durch einen energischen Erlaß an die k. Kreisregierungen wirksam entgegengetreten; über die Gesinnungen des Prinzregenten war bisher nichts Genaues bekannt. Die in dieser Richtung bestehende Besorgniß ist nunmehr in erfreulicher Weise gehoben, nachdem vorgestern Herr Rabbiner Dr. Perles und der 1. Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde Herr Hermann Müller von Sr. kgl. Hoheit in längerer Audienz empfangen wurden. Der Prinzregent beantwortete die Ansprache des Rabbiners in äußerst huldvoller Weise, unterhielt sich längere Zeit mit beiden Herren über die jüngsten Ereignisse und über ihre persönlichen Verhältnisse und entließ dieselben unter wiederholtem Händedrucke mit dem Ersuchen, der Gemeinde seinen Dank für die Theilnahme und den veranstalteten Trauergottesdienst zu vermitteln. Die Audienz, über welche alle bayerische Blätter berichteten, hat in allen Kreisen der Bevölkerung einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Oesterreich -Ungarn. Wien, 25. Juni. (Zeitfragen.) Vor einigen Wochen theilte der in Lemberg erscheinende „Israelit", Organ des Vereins „Schomer Israel", mit, daß das Ministerium für Cultus und Unterricht einen Erlaß veröffentlichte, „wornach die den jüdischen Kindern bis nun zu bewilligte Befreiung vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen nicht mehr zu gewähren ist", und knüpft daran die fernere Mittheilung, daß der Ausschuß des genannten Vereins sich veranlaßt gesehen habe, in einer Petition den Minister zu bitten, den bezeichneten Erlaß rückgängig zu machen. — Hier ist von einem derartigen Erlasse nichts bekannt, und da es doch nicht gut anzunehmen ist, daß man in dieser Beziehung gerade für Galizien eine Ausnahme gemacht, so scheint eine Verwechslung vorzuliegen. In Ungarn hat nämlich der Minister Trefort an die Gymnasien einen derartigen Erlaß ergehen lassen, und sollen nur Söhne von Rabbinern eine Ausnahme bilden. In Folge dessen hat sich ein ungarischer Rabbiner (der Name ist nicht genannt) veranlaßt gesehen, in der hier erscheinenden „Neuzeit" die Frage, ob es am Sabbath gestattet sei, Deutsch oder Ungarisch (nicht merubaath) zu schreiben, vom halachischen Standpunkte aus akademisch zu erörtern, und gelangte zu dem Schluffe, daß dieses zu gestatten wäre. Hierauf erhob sich die „Oesterr. Wochenschrift" und stempelte es gewissermaßen zum Verbrechen, eine derartige Frage aufzuwerfen; und doch wird es in den Sprüchen der Väter als Kennzeichen eines Weisen angegeben (5, 7.) pjo ^nue, der sachlich fragt. Wer die Verhältnisse kennt, wird zugeben, daß die Frage eine Antwort erheischt. Thatsache ist, daß in den hiesigen Mittelschulen, die von etwa 2500 jüdischen Schülern besucht werden, sich nur ein minimaler Theil des Schreibens am Sabbath enthält, obschon sie nicht dazu gezwungen werden. Wer die Augen verschließen und sich täuschen will, der soll es thun; aber man kann dies einem vernünftigen Menschen nicht zumuthen. Man kann auch nicht sagen üdio pH» vite', weil ein Theil der Schüler, besonders jene, die vom Lande kommen, wohl wissen, daß dies nicht gestattet sei. Nebenher bemerkt, sind die Verhältnisse auf dem Lande in Betreff der Schüler in Mittelschulen auch nicht viel besser. Es fällt mir nicht ein, ein Votum in dieser Angelegenheit abzugeben, aber ich denke, daß die Frage, ob die Jugend von Kindesbeinen an im Conflicte zwischen Lehre und Leben stehen soll, wichtig genug ist, um sie zu erörtern. Das non possumus allein führt die Lösung nicht herbei. Unter diesen Verhältnissen ist es begreiflich, tvenn man allerhand Mittel vorschlägt, um den Uebelstand zu sanircn. Nun heißt es, daß Minister Trefort in Ungarn ein jüdisches Gymnasium errichten wolle. Andrerseits wieder wird berichtet, daß reiche oder wohlhabende Israeliten in Ungarn auf eigene Kosten ein jüdisches Gymnasium in Budapest errichten wollen. (Ehrlich gestanden, werde ich letztere Mittheilung erst dann glauben, wenn dieses projectirte Gymnasium errichtet sein wird.) Hierauf sah sich Herr Rabbiner vr. Güdeman hier veranlaßt, den Vorschlag zu machen, in Wien ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Wie man jedoch weiß, hat man sich in Wien stets dagegen gewehrt, jüdische Schulen zu errichten. Man ist nämlich überzeugt, daß dann 28

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