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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-07-06 · Heft 28 (6.7.1886) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 28 (6.7.1886)
Date
1886-07-06
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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439 Literarischer Wochenbericht. Groß-Kanißa, im Juni. Den großen wissenschaftlichen Errungenschaften unseres Jahrhunderts auf dem Gebiete der Naturwissenschaften reiht sich in würdiger Weise die Erkenntniß des classischen Alterthums an. Literarische Denkmäler, seit vielen Jahrhunderten vergraben und von Schutt und Gerolle verdeckt, werden der Betrachtung der Forscher zugänglich gemacht, der Boden, auf dem die Cultnr des Alterthums sich entwickelt und ihre Früchte gezeitigt hat, wird emsig durchforscht, jeder Stein, an den sich eine alte Erinnerung knüpft, wird befragt und muß von untergegangenen Zeiten und Völkern Kunde geben. Dieses liebevolle Interesse der Wissenschaft hat auch den classischen Boden des Monotheismus, die Geburtsstätte weltbeherrschender Religionen, das durch die heiligsten Erinnerungen der Menschheit geweihte Land, hat auch Palästina bedacht. Die Palästinakunde hat in unserem Jahrhundert einen nie geahnten Aufschwung genommen und nicht nur an Tiefe und Ausdehnung gewonnen, sondern auch in den weitesten Kreisen lebhaftes Interesse für das heilige Land erweckt. Was die letzten drei Jahrzehnte in diesem Betracht geleistet, finden wir in einer kleinen Schrift zusammengefaßt, die wir einem der Berufensten zu danken haben. Es ist dies der unter den Abhandlungen der ungarischen Akademie der Wissenschaften erschienene akademische Vortrag unseres ausgezeichneten Orientalisten, des Akademikers Di-, Jgn. Goldziher: „Die Fortschritte der Palästinakunde in den letzten drei Jahrzehnten" (Budapest, 1886. 72 Seiten). Es ist ein farbenreiches Bild, das vor unseren Augen entrollt wird. Die wichtigen Resultate, die in jüngster Zeit von bedeutenden Forschern, insonderheit von den behufs Erforschung des heiligen Landes gegründeten Vereinen, der englischen und amerikanischen Dalaostins Exploration Society und dem deutschen Palästina-Verein zu Tage gefördert wurden, treten uns in lebendiger Darstellung entgegen. Dem ausdauernden Eifer dieser Gesellschaft danken wir es, daß wir über die Geographie Palästinas heute besser unterrichtet sind, als über die mancher Staaten von Europa. Am fruchtbarsten erweist sich die Thätigkeit der genannten Vereine bei der Jdentitätsbestimmung biblischer Ortsnamen. Durch zahlreiche, oft mit großen Schwierigkeiten verbundene Messungen und Vergleichung der noch heute gebräuchlichen Namen mit biblischen, ist es bereits gelungen, die Lage der in den heiligen Urkunden erwähnten Orte zu bestimmen. Hierzu kommen noch verschiedene Ausgrabungen und die Entzifferung alter Inschriften. Wir erwähnen bloß die Auffindung der Mesasäule und die Entzifferung der Siloahinschrift. So erfreuen wir uns denn bereits einer reichen wissenschaftlichen Ausbeute und dürfen noch reichlicheren Ertrag von den Bemühungen der Palästinaforscher erwarten.') Bon Dr. Moritz Löwy, Oberrabbiner der israelitischen Religionsgemeinde Temesvar, sind vor kurzem zwei am Passafeste gehaltene Predigten erschienen, die auch in dieser Zeitung erwähnt zu werden verdienen. Der Titel: „Reformirte Synagoge und Apostasie" enthält zugleich die Inhaltsangabe. Der Redner tritt mit edlem Eifer und lobenswerther Ueberzeugungstreue gegen den zunehmenden Abfall und die Umtriebe des neuesten Reformschwindels in die Schranken. Es ist hier zu Lande mit dem religiösen Fortschritt nicht am besten bestellt. Wir kommen sehr langsam den Schwestergemeinden in Deutschland nach, müssen gegen große Schwierig, keilen ankämpfen und mannigfache Hindernisse überwinden, um auch nur eine handbreit Boden für unsere Sache zu erobern und nun kommen Unberufene und bringen den Fortschritt in Verruf und discreditiren auf die gewissenloseste Weise die heilige Sache, als deren Verfechter sie sich aufwersen. Die jüngste Reformbewegung in Budapest hat dem Fortschritte einen harten Schlag versetzt, und darum muß die männlich j entschiedene Einsprache gegen den Mißbrauch, der mit einer hochernsten Angelegenheit des Judenthums getrieben wird, jedem treuen Anhänger der vorwärtsschreitenden religiösen Entwickelung willkommen sein. Dr. E. Neu mann. *) Bei einer Besprechung der Verdienste um die Geographie Palästinas darf das bahnbrechende Werk des Amerikaners Eduard Robinson nicht vergessen werden: „Palästina", 3. Bd., Halle, Waisenhaus 1841. Redakt. Deutschland. Darmstadt, 21. Juni. Ein zeitlich schon etwas zurückliegender Vorgang, der erst dieser Tage zn unserer Kenntniß gelangte, dürfte interessant genug sein, um ihn noch nachträglich in die Oeffentlichkeit zu ziehen. Eine Schulamtsaspirantin jüdischer Confession, die die Prüfung mit „gut" bestanden, hatte sich behuss geneigter Berücksichtigung bei Vergebung von Lehrerinnenstellen an das Ministerium, Abtheilung für Schulangelegenheiten, gewendet. Darauf erhielt sie fol»

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