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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-29 · Heft 27 (29.6.1886) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 27 (29.6.1886)
Date
1886-06-29
Page
Seite 428 (sequence 12)
Language
German
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428 In Lille verschied plötzlich der Großrabbiner Benjamin Lipmann, der 1870 sein Amt als Großrabbiner in Metz aufgab, weil er unter deutscher Herrschaft nicht fungiren wollte und sich mit der viel geringer dotirten Stelle in Lille begnügte. — Man schreibt uns aus Birkenfeld: Am 15. d. M. feierten die Eheleute Jakob Marx und Helene geb. Schoe mann zu Rachtig a. d. Mosel die goldene Hochzeit. Der Unterzeichnete hielt die Feier in der festlich geschmückten Synagoge zu Rachtig, wobei er die von Sr. Majestät dem Jubelpaare verliehene Ehejubiläums - Medaille überreichte, nachdem das Begleitschreiben verlesen und mit passenden Worten begleitet worden. Mit Gebet für Kaiser, Reich und Vaterland, sowie mit einem solchen für das Jubelpaar und dem Schlußsegen, wobei Böllerschüsse ertönten, endigte die religiöse Feier. Nach dem Festmahle, dem ea. 60 Personen beiwohnten, eröffnete das Jubelpaar den Hochzeitsball. Turek, 4. Juni (Literarische Notizen). Von dem jüdischen Publizisten Herrn P. Rabinowitz in Warschau wird ein illustrirtes Jahrbuch in neuhebräischer Sprache unter dem Titel Lx~i2h' nr:o im Laufe dieses Sommers erscheinen. Dasselbe wird dem Prospekte zufolge einen streng religiösnationalen Charakter haben. Neben dem wissenschaftlichen und unterhaltenden Theile, der von keinem Geringeren als von unserem altverehrten Veteranen der jüdischen Wissenschaft, S. I. Finn in Wilna, redigirt werden wird, wird es hauptsächlich den jüdischen Interessen auf den Gebieten der Agrikultur, der Kunst u. s. w. gewidmet sein. Außer den jüdisch-historischen Arbeiten des Orientalisten Dr. A. Harkavy, wird es auch literarische Beiträge anderer namhafter jüdischer Gelehrten, wie I. L. Gordon (Petersburg), Dr. Bloch (Wien), Dr. Oppenheim (Thorn), Dr. Mandelkern (Leipzig), S. Buber (Lemberg), Dr. Rabinowitz (Paris), Dr. Berliner (Berlin) u. A. enthalten. Moses Feinkind. AeuitLeton. Die portugiesischen und deutschen Juden in Amsterdam. Die „Köln. Z." vom 6. und 13. Juni enthält über die Juden in Amsterdam zwei Artikel, die von ziemlich objeetivem Standpunkte geschrieben sind. Interessant ist, was der Vers, über die Schwierigkeiten erzählt, welche die Gleichstellung von 1795 bei Juden und Christen begegnete, so daß sie erst mit der monarchischen Restauration von 1814 aus dem Buchstaben Wirklichkeit wurde. Wir heben hier heraus, wie der Verf. das Verhältniß zwischen den portugiesischen und den deutschen Juden skizzirt. Bekanntlich sind jene zuerst und zwar im Anfang des 17. Jahrhunderts in Holland angekommen und ausgenommen worden, denen dann deutsche Juden folgten. Der Verf. bemerkt: Spanisch-portugiesisch und hochdeutsch verhielt sich und verhält sich Lheilweise noch jetzt zu einander, wie Patricierthum und Plebejerthum, und in der Thal fließt auch in den Adern vieler spanischer Juden das reinste blaue Blut, indem verschiedene Familien ihren Stammbaum auf maurische Fürsten und Große zurückführen können, die nach dem Siege der christlichen Waffen unter Jsabella von Castilien sich unterwarfen und zum Christenthum übertraten oder das Land verließen. Denjenigen, welche ersteres vorzogen, wurde der Rang von Granden erster Classe Zuerkannt, und man behauptet, daß heute noch Nachkommen solcher maurischen Großen, die von der angebotenen Capitulation keinen Gebrauch machten, in Amsterdam nachzuweisen sind. Während die aus Deutschland herübergekommenen Juden in der Regel nichts gerettet hatten als das nackte Leben, brachten die spanischen ungeheure Reichthümer und Schätze mit. Eine der ersten und bedeutendsten dieser Familien sind die Pinlos. Der aus Portugal vor der Inquisition geflohene Ahnherr derselben, Thomas de Pinto, hinterließ ein Testament, in welchem folgende Vermächtnisse ausgesetzt waren. „Ich vermache", bestimmte er, „1) der Stadt Amsterdam schenkungsweise 5 Tonnen Goldes, 2) ich gebe der Stadt auf 10 Jahre ein zinsfreies Anlehen von l1/2 Millionen Gulden, 3) jeder! christlichen Kirche in Amsterdam und im Haag 10000 Gulden, 4) jedem christlichen Waisenhause in den zwei Städten 10000 Thaler, 5) den Armen 40 Schiffsladungen Torf, 6) einem Waisenkinde, das zuerst das Waisenhaus verläßt, 1000 Thaler, 7) der portugiesischen Synagoge in Amsterdam 2lj2 Tonnen Gold, 8) dem portugiesischen Waisenhaus 30 000 Thaler, 9) ich leihe der Regierung gegen 3 pCt. 10 Tonnen Goldes, die Zinsen sollen den Juden in Jerusalem zugute kommen, das Capital bleibt der Stadt, 10) der deutschen Synagoge 5000 Thaler, 11) meinen Verwandten 31 Tonnen Gold, 12) meiner Wittwe 10 Tonnen Gold, 13) anderen Verwandten, jedem 10000 Thaler, 14) jedem, der bei meinem Leichenbegängnisse zugegen ist, 100 Ducaten, 15) jedem katholischen Priester in Amsterdam und im Haag 100 Thaler." Und dies waren nur Legate, die Haupterben waren seine Söhne, und dabei denke man an den damaligen Geldwert! Als Wilhelm III. sich anschickte, den feigen Stuart, seinen Schwiegervater, vom Throne zu stoßen, gab ihm der jüdische Baron Suasso V/2 Million Gulden mit her Bemerkung, daß er die Summe wohl zurückerstatten werde, wenn die Unter-

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