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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-29 · Heft 27 (29.6.1886) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 27 (29.6.1886)
Date
1886-06-29
Page
Seite 426 (sequence 10)
Language
German
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426 Oesterreich - Ungarn. Wien, 18. Juni (Privatmitth.). Der „Deutsche Schulverein" befaßt in Oesterreich eine große Zahl der Deutschen aus der gebildeten Classe, und deshalb ist die Beseitigung der Antisemiten aus demselben von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung und deshalb in diesem Blatte wohl zu beachten. Salzburg, 14. Juni. Die Hauptversammlung des deutschen Schulvereins nahm einen ruhigen Verlauf, da die meisten Antisemiten fernblieben. Aufsehen erregte das Erscheinen des Statthalters Grafen Thun, welcher die Versammlung Namens der Landesregierung begrüßte und die Sympathien desselben für den Schulverein aussprach. Die Anträge der antisemitischen Ortsgruppen wurden mit überwiegender Majorität abgelehnt, der Wortführer der Minorität verwahrte sich gegen die antisemitischen Tendenzen und erklärte überdies, im Schulverein verbleiben zu wollen. Den in Graz unter dem „Namen Schulverein für Deutsche" beabsichtigten antisemitischen Concurrenzverein hat die Regierung genehmigt. Bei der am 14. Juni zu Salzburg (siehe die obigeZeitungsnachricht) stattgefundenen Hauptversammlung des deutschen Schulvereins waren 668 Ortsgruppen mit 102,63t Mitgliedern durch 1402 Delegirte vertreten. Man kann hieraus die Wichtigkeit des Vereins ermessen. Nach den Begrüßungsreden, unter welchen die des Statthalters Graf Thun eine erhebliche Stelle einnahm, erstatteten Weitlof und Kraus die Rechenschaftsberichte. Ihre Reden fanden stürmischen Beifall, insbesondere die gegen die antisemitischen Agitatoren gerichteten Stellen. Nach Abgabe der Stimmzettel für die Vereinsleitung fand die Debatte über die von verschiedenen Ortsgruppen angemeldeten Anträge statt. Der Vorsitzende theilte mit, daß die Anträge, wonach jüdische Cultusgemeindeschuleu nicht mehr unterstützt werden sollen, zurückgezogen wurden. Von antisemitischer Seite lag ferner ein Antrag auf Aenderung der Statuten vor, demzufolge künftig die Ortsgruppen über die Aufnahme der Mitglieder entscheiden sollen. Pernerstorfer beantragte Namens der Zentralleitung die Ablehnung dieses Antrages, der nur geeignet sei, Zwiespalt hervorzurufen und dem Schulvereiu das Grab zu graben. Hierauf wurden die antisemitischen Anträge mit allen 22 Stimmen abgelehnt. Bekanntlich will Schönerer einen eigenen antisemitischen deutschen Schulverein gründen. Er wird mit diesem Versuch ebenso sein Fiasco bekunden, wie mit seinen angekündigten Anträgen im österreichischen Abgeordnetenhause. Krakau, II. Juni. In Betreff der Beschwerde über die Weigerung russischer Consulate, die Reisepässe jüdischer Kaufleute aus Galizien mit einem Visum zu versehen, hat der „N. Fr. Pr." zufolge die hiesige Handelskammer gestern vom Handelsministerium einen Bescheid zugleich mit einer Note des russischen Ministeriums des Innern erhalten, worin letzteres sagt, daß es in Folge der preußischen Ausweisungen das Zuströmen von Vagabunden und staatsgefährlichen Elementen befürchtet und deshalb die Consuln im Auslande an die Verordnung vom Jahre 1860 betreffs Einwanderung fremder Juden erinnerte; die russischen Botschafter und Consuln seien jedoch ermächtigt zur Ausfolgung von Reisepässen und zur Ertheilung des Visums an ausländische jüdische Bankiers und Chefs bedeutender Handelshäuser, nur müssen hievon jedesmal der Minister des Innern, sowie die dritte Abtheilung der kaiserlichen Kanzlei verständigt werden. Frankreich. Paris, 18. Juni. Es zeigt sich jetzt, daß es auch in Frankreich an judenfeindlicher Gesinnung nicht fehlt. Nachdem die angegriffenen Journalisten dem Herrn Drumont die Ehre der Widerlegung — was ihre Personen betrifft — und des Duells angethan, ist derselbe zu einem Reclamegegenstand geworden. In Paris kommt es bekanntlich nicht auf den sittlichen Werth, sondern auf den sensationellen Grad einer Person an, um zu einer Reclame zu dienen. Oft genug werden zu solchen Zwecken Menschen benutzt, die ein Verbrechen begangen, wenn dieses nur ein recht großes Aufsehen gemacht hat. So ergeht es auch dem Herrn Drumont. Der bekannte Raoul Duval hat ihn nach seinem Schlosse eingeladen, um sich von den Folgen seines Duells zu erholen; die radicale „France" hat ihn unter ihre Redakteure ausgenommen, ein Anglofranzose Sir W. macht bekannt, daß er mehrere hundert Exemplare der France juive gekauft habe, um sie Freunden und Bekannten zu schenken: man brauche sie nur bei ihm abzuholen. Trotzdem sucht Drumont vergebens einen Capitalisten, um ein antisemitisches Journal herauszugeben; der Einzige, wie er behauptet, der ihm 40,000 Frcs. bewilligen wollte, wäre — ein Jude gewesen! Bekanntlich lassen es die Antisemiten an Lügen nicht fehlen, und all solchen ist das Buch Drumont's nicht arm. — Mit Genugthuung müssen wir übrigens erwähnen, daß in der Revue des deux Mondes vom 1. Juni d. I. Brünettere dem Buche einen 11 Seiten langen Artikel widmet, worin er, wenngleich, wie er im Eingang offen gesteht, persönlich den Juden nicht wohlgeneigt ist, Drumont doch gründlich heimleuchtet. Italien. Rom, im Juni. Der „Nat.-Ztg." schreibt man von hier: — Der Religionsspeculant Dr. Brimann kam nach Rom in der Meinung, hier mit seinen Judenfresserischen

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