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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-22 · Heft 26 (22.6.1886) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 26 (22.6.1886)
Date
1886-06-22
Page
Seite 413 (sequence 13)
Language
German
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413 der Schule eine Beihülfe zugewcndet werden solle, falls sie deren bedürfen. Namens der Administration dankte Herr Rechtsanwalt Dr. Magnus aus Braunschweig. Diese Gabe sei um so willkommener, als bereits von verschiedenen Familien, die der Anstalt nahe stehen, ein Fonds (ca. 22000 M.) aufgebracht worden sei, dem man jene Gabe hinzufügen wolle, um aus den Mitteln arme Schüler, welche aus der Anstalt ins Leben treten, in entsprechender Weise auszurüsten. — Nachdem der Schulchor die Motette «Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist" gesungen hatte, wurde mit einem von Fräulein Emma Rosenstock ganz vorzüglich ausgeführten Claviervortrage der schöne Festactus geschlossen. Gleich darauf vereinigte ein Festmahl die Schüler der Anstalt in ihrem Speisesaale unter Assistenz der verschiedenen Festtheilnehmer. Dieses Mahl lief parallel mit einem zweiten, welches aus Mangel an geeignetem Raum in der Anstalt die Administratoren, Gäste und Lehrer im Saale des „Hotels zum Löwen" etwas später zusammenführte. Der jugendliche Frohsinn der Zöglinge gab sich dort in Gesängen und Toasten überreich zu erkennen, während hier bei den Klängen der Musik eine Gesellschaft von ungefähr 80 Personen, darunter ein reicher Damenflor, Platz nahm. Das Diner, welches 4 Stunden währte, verlief in einer wahrhaften Festesstimmung. Nachdem der Administrator vr. Magnus Sr. Majestät dem Kaiser und dem neuen Landesherrn Braunschweigs das erste Glas geweiht hatte, begann die lange Reihe der Toaste, welche sowohl der Dankbarkeit gegen die um die Anstalt verdienten Personen lebhaften Ausdruck verliehen, als auch in zum Theil humoristischer Form vergangener Zeiten gedachte. Tischlieder, von einer jungen Dame für das Fest gedichtet und das Schulleben der Anstalt in humoristischer Weise vorführend, hoben die fröhliche Stimmung. Inzwischen hatten die Samson-Schüler in turnerischem Schmucke mit ihrer Fahne, Capelle und einem Trompeterchor die Stadt durchzogen und sich nach der Turnhalle begeben, woselbst um 2 Uhr die Festtheilnehmer vom Diner und eine große Menschenmenge aus der Stadt ebenfalls erschienen waren, um dem Schauturnen beizuwohnen. Die Leistungen der Zöglinge befriedigten allgemein. Nach dem Rückmarsch unter Musikbegleitung versammelten sich die Gäste, Lehrer und Schüler wieder im Garten des Forsthauses, und das veranstaltete Gartenconcert, gemischt mit Sang und Tanz, brachte den so schön begonnenem Tag zu einem würdigen Abschluß. Der Rückmarsch der Anstalt erfolgte unter Musik gegen ll Uhr; dem Zuge voran schritten 12 (des Sabbaths wegen nicht-israelitische) Fackelträger, und so endete das Fest ebenso lichtvoll, wie es weihevoll begonnen hatte. Der Hofantiquar. (Aus den „Lokal-Nachrichten" des „Berliner Tageblatt.") Ein kleines, altes, noch immer dunkelhaariges Männchen mit bedächtigen Bewegungen und melancholischen Augen. Die Habitues der Kunstauctionen kennen ihn, seitdem sich sein Sohn in demselben Artikel etablirt hat, nur unter dem NamenHerr Senior. Kommt da neulich einer der Direktorial - Assistenten des Gewerbe-Museums zu ihm, um sich einen Rath zu holen. Das kleine Männchen steht auf einer großen Leiter und biegt an den Bronzearmen einer Riesen-Krystallkrone herum. „Komme gleich, Herr Doktor. Nur noch einen Druck! So, jetzt sitzt's!" Und langsam, den Blick noch immer nach oben gerichtet, klettert er rückwärts die Leiter herunter, dabei fortwährend sprechend. „Ja, ja, ihr Herren, aus den Büchern kann inan's nicht lernen. In der Hand liegt's und im Auge. Ein Blick, ein Ruck, und der richtige Schwung ist da. Daß es so gut ist und richtig, das weiß ich; warum es so sein muß, darüber könnt Ihr Euch nachher die Köpfe zerbrechen. Aber was verschafft mir das Vergnügen, Herr Doktor'?" „Sehen Sie einmal her, Herr Levi. Da hat man uns ein altes holländisches Trinkglas zum Kauf angeboten mit einem wunderbar geritzten Wappen." Dabei holt der junge Mann ein sorgfältig eingewickeltes Paketchen heraus und löst die Hülle. „Das ist offenbar mit dem Diamantstift geschnitten, nicht wahr, Herr Levi?" Das alte Männchen wischt die Hand an der blauen Arbeitsschürze ab, nimmt das dargereichte Glas und dreht es bedächtig zwischen den Fingern. Er lächelte überlegen. „Warten Sie einmal, Herr Doktor!" Und er nimmt einen alterthümlichen Schlüssel aus der Tasche und öffnet einen ebenso alterthümlichen Eichenschrank. „Sehen Sie, das ist des alten Levis Privatsammlung.! Machen Sie keine begehrlichen Augen, Herr Doktor, zu ver- , kaufen ist nichts davon. Alles in festen Händen, bis ich einj mal tobt bin. Wollen Sie das Pendant sehen zu Ihrem holländischen Glas?" Er langte von dem obersten Fach ein ganz ähnliches herunter. „Meinen Sie, das ist auch mit dem Diamantstift geschnitten? Keine Jvee von Schneiden! | das ist ganz anders gemacht. Die Glühkohle an die Jnnen- ■ fläche gehalten und mit dem Diamantstift bloß über die Außenseite hingefahren. Das giebt eine Schraffirung, feiner, als die feinste Radirung. Keine Idee vom Schneiden!" „Aber, Herr Levi, im Katalog des British-Museum —" „Lassen Sie mich in Ruh mit dem British-Museum! Schreiben Sie an die Leute und sagen Sie ihnen, der alte Levi hat gesagt, so wird's gemacht und nicht anders. Sie

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