Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1886)
- Date
- 1886-06-22
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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410 117 Jahren. Sein ältester Sohn, der der Bahre folgte, ist 82 Jahre alt. — Der in Petersburg erscheinende „Hajom" meldet, daß in dem Alexander-Gymnasium in Riga für die diese berühmte russische Lehranstalt besuchenden Schüler jüdischer Religion der Unterricht im Hebräischen und in der mosaischen Religionslehre eingeführt werden wird. Während der jährlich stattfindenden Prüfungen soll auch in diesem Lehrfache eine solche vorgenommen werden. — Die von dem Herrn Lubliner in Turek, von mir in dieser gesch. Ztg. besprochene jüdische dreiklassige Knabenschule für Talmud u. s. w. und für die profanen Fächer wurde dieser Tage eröffnet. Bis jetzt zählt die Schule ca. 20 Schüler im Alter von 8 —16 Jahren. Der Anfang ist zwar klein; hoffen wir jedoch, daß auf dieselbe der Bibelvers Anwendung finden werde: .und ~;cr -jnnnNi ,-iyuD -jn'ß'fn n-m Moses Feinkind. Australien. Sidneh, im April. Sowohl die Zahl der jüdischen Gemeinden, wie der Mitglieder derselben ist in einem beständigen Wachsthum begriffen. So hat sich die Gemeinde zu St. Kilda (Melbourne) so vermehrt, daß sie einen zweiten Cultusbeamten und einen Lehrer für die hebräische Schule angestellt hat. — Am 7. fand eine Generalversammlung der Mitglieder der hiesigen großen Synagoge statt, in welcher beschlossen wurde, daß während der Vorlesung aus der Thora die Spenden nicht mehr angezeigt, sondern am Ende des Gottesdienstes vom Gemeindesecretair in englischer Sprache verlesen werden sollen, was jedenfalls eine größere Wirkung thun wird. Indien. Bombay, 29. April. Die Anglo-Jewish Association erhält hier eine Beni Israel-Schule, in welcher gestern die jährliche Preisvertheilung an die Schüler stattfand. Die Schule wird gegenwärtig von 179 Knaben und 108 Mädchen besucht. Die Leistungen der Schule sind fortschreitend. In letzterer Zeit sind drei junge Männer aus ihr hervorgegangen, von welchen zwei an der Bombay-Universität und der dritte an der zu Durham in England die Examina bestanden haben. Bonn, 13. Juni. (Notizen.) Ehre dem unerschrockenen Lebensretter! Das „Fürther Tagebl.", der „Fränk. Kur." u. a. Bl. berichten: „Fürth. 10. Juni. Gestern Nachmittag hatte ein schulpflichtiges Knäblein das Unglück, nächst dem Fronmüllerssteg in die Rednitz zu fallen. Scho» schwebte sein Leben in äußerster Gefahr, als plötzlich Herr Rabbiner vr. Neubürger, der des Weges daher kam, in den angeschwollenen Fluß sich stürzte und mit eigener Lebensgefahr das dem sicheren Tode geweihte Kind den hochgehenden Wellen entriß. — Wieder ist ein Veteran der jüdischen Theologie heimgegangen, der in den 40 er Jahren einige Aufmerksamkeit durch seine mystisch angehauchte Orthodoxie machte, dann aber so gut wie verschollen war. Der „Schwäb. Merkur" schreibt: „In der letzten Maiwoche ist in Basel als Privatgelehrter der Landsmann, Jugend- und Studiengenosse Berthold Auerbachs, M. Löwengard-Salem, gebürtig von Rexingen bei Horb, im 74. Lebensjahre zu Grabe getragen worden. Derselbe betrat die gleiche Bildungslaufbahn mit Berthold Auerbach, genoß den ersten rabbinischen Unterricht mit demselben bei Rabbiner Gabriel Adler in Mühringen und auf der Talmudschule in Hechingen. Am Gymnasium in Stuttgart trafen die beiden Jünglinge wieder zusammen, um auf den Universitäten Tübingen und Heidelberg gemeinsam dem Studium der mosaischen Theologie obzuliegen. Ihre philosophischen Richtungen gingen auseinander. Löwengard- Salem bezog die Universität München, um ein Jünger Schellings zu werden, und vertiefte sich in dessen philosophische Richtung. Nachdem er die beiden Staatsprüfungen in Tübingen und Stuttgart bestanden, wurde er im Kirchendienst als Rabbiner in Berlichingen, Jebenhausen und Lehrensteinsfeld verwendet. Er schrieb einige Monographien im Sinne Schelling'scher Philosopheme und betheiligte sich durch einige Schriften am sog. Hamburger Tempelstreit für die Reform des jüdischen gottesdienstlichen Kultus. Später drängle ihn seine philosophische Richtung mehr uno mehr in mystische Anschauungen, und der innere Konflikt zwischen Lehre und Leben veranlaßte ihn, aus dem Praktischen Dienst der Synagoge auszutreten. 1859 nahm er seine Entlassung als Rabbiner in Lehrensteinsfeld und folgte einem Rufe nach Mainz an die Redaktion des „Israelit" von vr. Lehmann. Nur 2 Jahre hielt er dort aus; er zog sich dann ins Privatleben zurück. Etliche 20 Jahre lebte er zurückgezogen als Privatgelehrter in Basel. Sein Leichenbegängniß bewies, in welch' hoher Achtung er dort stand, wofür auch die Nachrufe an seinem Grabe beredtes Zeugniß ablegten." Im Jahre 1841 gab er unter dem Pseudonym „Juda Leon" heraus: „Beiträge zur Kritik der Reformbestrebungen in der Synagoge" (Stuttgart 1841) und 1843 in Berlin gegen die berüchtigte Schrift Ghillany's „Die Menschenopfer der alten Hebräer" eine Gegenschrift: „Jehova, nicht Moloch, war der Gott der Hebräer". — Die Arch. isr. zeigen den Tod des Schriftstellers Ernest David in Paris an, ohne sein Alter und seinen Todestag anzuqeben. Er beschäftigte sich viel mit der Geschichte der jüdischen Literatur und mit der Geschichte der Musik. In beiden Zweigen hat er zahlreiche Monographien verfaßt, namentlich über die italienischen, spanischen und französischen Juden während des Mittelalters. Sein Leichenbegängniß fand am 8. d. M. statt.