Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1886)
- Date
- 1886-06-22
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
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407 nächsten Herbstmanöver grundsätzlich ausgeschlossen habe, als unrichtig bezeichnet. (Man hätte doch ein bestimmteres Dementi gewünscht.) Dresden, 8. Juni. Herr Pinkert-Waldegg hat seinen Konkurs angemeldet. In der neuesten Nummer der „Deutschen Reform" zeigt ein conservativ-reformerisches Comits an, daß es die „Reform" erwerben und weiterführen will; es seien ihm die Nachweise gegeben worden, daß sich die „Reform" seit einigen Wochen mit reichlich 10 pCt. zu rentiren angefangen habe; auch erlaube es dem Comitö sein politisches Gewissen nicht, ein von der volksconservativen Partei geschaffenes Blatt wie die „Reform" eingehen zu lassen. Herr Pinkert-Waldegg verabschiedet sich in derselben Nummer mittelst eines Artikels, in welchem er behauptet, nicht seine jüdischen Feinde, sondern die Indolenz des deutschen Michels habe seine Niederlage verschuldet. Herr Pinkert-Waldegg wirst namentlich auf manchen seiner Freunde, „denen er zu Ehrenstellen verholfen", einen Seitenblick; auf wen das wohl gehen mag? (Nun, Herr Pinkert kann sich tröste», er ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein, dessen Erwartungen von seinem Antisemitismus sich nicht erfüllen! Und nun das Zugeständniß des P.! So geht es ja Allen, die auf die Juden schimpfen, wenn sie thatsächlichen Beweis führen sollen — müssen sie schweigen oder es fällt gerade gegentheilig aus!) Dresden, 11. Juni. Die „Franks. Ztg." schreibt: Der Ankündigung der Zahlungseinstellung des bekannten hiesigen Antisemitenführers Egon Pinkert-Waldegg ist die amtliche Konkurserklärung auf dem Fuße gefolgt, am Mittwoch früh wurde dieselbe veröffentlicht und Abends erschien — keine „Deutsche Reform" mehr; das edle Organ ist für immer entschlafen. So interessant dieses Borkommniß nach verschiedenen Richtungen hin ist, so würde ich doch zu einer Korrespondenz für Ihre Zeitung keine Veranlassung sehen, wenn dasselbe nicht den tragikomischen Abschluß einer siebenjährigen Judenhetz-Campagne in Dresden bildete — typisch für die Worte und Thaten der „Reformer" im Allgemeinen. Herr Alexander Pinkert mit dem wohlklingenden Schriftstellerbeinamen Egon Waldegg hat sein Licht nie unter den Scheffel gestellt. Er betrachtete sich als den geistigen Leiter, als ven Generalissimus der antisemitischen Bewegung in Deutschland, sich, den Herrn «Präses der Reformvereine Deutschlands"; Stöcker, Wagner, Förster, Henrici u. Gen. sah er nur unter seiner Fahne dienen. Die Bekämpfung der rothen Internationale stellte er als ersten Programmpunkt auf und nach einem bekannten Rezept behandelte er sie mit Zuckerbrod und Peitsche. Es wollte dem ehrenwerthen Herrn Pinkert nicht in den Sinn, daß der Antisemitismus in den Arbeiterkreisen so gar keinen Anklang fand, obwohl kein Mittel unversucht blieb, ihn in diese Kreise hineinzutragen. „Die Juden beuten den Arbeiter aus", das war seinMorgen- und Abendgeschrei. Und aus wie tiefer Ueberzeugung dies entsprang, zeigte der Umstand, daß die Setzer in der Druckerei der „Deutschen Reform" am letzten Sonnabend die kärgliche Löhnung von ihrem Arbeitgeber nicht ausgezahlt erhielten und sich mit ihren Ansprüchen ebenso wie einige arme Teufel von Redakteuren und Reportern an die Konkursmasse verwiesen sehen. Aus derselben wird freilich kaum etwas herauskommen. Allem Anschein nach wird die Sache ein Nachspiel vor dem Strafrichter haben. Aus Sachsen, 1l. Juni. Die kürzlich seitens einer vogtländischen Zeitung gebrachte Notiz, daß auf Anordnung des sächsischen Kriegsministeriums Israeliten von allen Armeelieferungen auszuschließen seien, soll neueren Nachrichten zu Folge auf die Thatsache zurückzuführen sein, daß kürzlich ein jüdischer Geschäftsmann, der sich zu Lieferungen für die im Herbste d. I. im Bogtlande stattfindenden Manöver erboten hatte, nicht für „vertrauenswürdig" erachtet und deshalb mit seiner Offerte zurückgewiesen wurde. Danzig, 7. Juni. Nachdem der hiesige Handelsmann Gudel, dessen Ausweisungsfall vielfach besprochen worden, von der hiesigen Strafkammer von der wieder ihn erhobenen Anklage wegen Vergehens gegen die Konkursordnung freigesprochen worden, hat derselbe jetzt die Aufforderung erhalten, binnen 14 Tagen das deutsche Staatsgebiet zu verlassen. Gudel ist in Kowno geboren, er ist weder polnischer Herkunft, noch der polnischen Sprache im Geringsten mächtig; seit 1877 wohnt er in Danzig und ist mit einer geborenen Danzigerin verheirathet, welche nun, obwohl krank und in wenigen Wochen der Entbindung entgegen sehend, mit ihren drei kleinen Kindern ihre Heimath und ihr Vaterland verlassen muß, um jenseits des Oceans eine neue Heimath zu suchen. Daß der über die Familie Gudel hereingebrochene Konkurs und Vermögensverfall eine Folge der Ausweisungsordre gewesen ist, hat die gerichtliche Verhandlung ergeben. Die Bittgesuche des nunmehr defintiv Ausgewiesenen um Naturalisation, sowie auch ein Immediatgesuch sind abschlägig beschieden. Letzteres durch folgendes Schreiben des Ministers v. Puttkamer: „In Bescheidung auf die aus dem Königl. Kabinet zur Verfügung an mich abgegebene Jmmediat-Vorstellung vom 27. Januar d. I. eröffne ich Ihnen, daß ich nach Prüfung der obwaltenden Verhältnisse mich nicht veranlaßt finde, die gegen Sie verfügte Ausweisung aus dem preußischen Staatsgebiet rückgängig zu machen. Ebenso wenig kann Ihrem Naturalisationsgesuch Folge gegeben werden." (Dies Alles spricht durch sich selbst und bedarf keines Commentars, weder für die Gegenwart, noch für die Geschichte.) Würzburg, 8. Juni. Vorgestern starb dahier der kgl. Advokat vr. Ohlesheimer, der dem hiesigen jüdischen Spitale in seinem Testamente sein ganzes Vermögen im Betrage von 65000 Mark vermacht hat.