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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-15 · Heft 25 (15.6.1886) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 25 (15.6.1886)
Date
1886-06-15
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 brannten einer Nachbarstadt die hübsche Summe von 1500 R. unter den Gästen gesammelt und dem Gouverneur zur Verth eilung übergeben wurde. Mit Recht wird der Lag Beomer dieses Jahres in den Annalen unserer Stadt zu den schönsten Gedenktagen gezählt werden können. Die edle Thal des Herrn P. hat nicht nur dem Tempel der Barmherzigkeit einen neuen Baustein hinzugefügt, sondern wird auch eine moralische Wirkung nach außen hin haben, da sie dazu beiträgt, Haß und Mißgunst zu verdrängen und Frieden und Eintracht unter den Bekenner» verschiedener Religionen zu fördern. Möge es Herrn Poznanski vergönnt sein, dieses Werk vollendet zu sehen und es noch viele Jahre hindurch zu leiten. —n —r, Türkei. Constantinoprl, 13. Mai. (Nach dem Arch. isr.) Unsre Gemeinde, die 45000 Seelen zählt (mit den Vorstädten ist die Zahl viel größer. Redakt.), ist im Zuge, sich zu reorganisiren. Unser ausgezeichneter Rabbiner R. Mochon- Levy, unterstützt durch Bochor Efendi, Vorsitzenden des Consistoriums, verfolgt die Reorganisation nachdem Programm: 1) Unterdrückung der Abgabe auf das Fleisch; 2) Gründung einer Rabbinerschule nach Art der Pariser, jedoch mit dem Studium der arabischen und kurdischen Sprache; 3) Schöpfung eines Feuerwehrcorps in jeder Synagoge. Unsre Synagogen sind fast alle aus Holz gebaut; vor drei Jahren hat die Feuersbrunst von Haskiri deren vier zerstört; 4) Unterdrückung der Hocabazes und ihrer Auflage; es sind dies Individuen, die unter dem Vorwände, daß ein Theil dessen» was sie erhalten, in die Gemeindekassc fiel, sich zu den Familien drängen, in welchen eine Hochzeit, Verlobung, Beschneidung oder dergleichen gefeiert wird — Bochor Efendi hat auch die Gemeinde von Adrianopel organisirt. Im Besitz eines schönen Vermögens, widmet er seine Muße dem moralischen und materiellen Fortschritt seiner Glaubensgenossen. Canea (Insel Kreta), 10. Mai. (Nach dem Arell. isr.) Die Stelle des griechisch-orthodoxen Bischofs Hierselbst ist seit 2 Jahren vakant. Die Verwaltung dieser christlichen Gemeinde lud den Bischof von Cheronisso ein, an diesem Ostern die bischöflichen Funktionen zu übernehmen. Das griechische Osterfest siel in diesem Jahre in die Mitte des unsrigen. Während des Festes tauschte der Bischof zwei Besuche mit dem Oberrabbiner von Canea aus. Msgr. Dyonisius, von wahrer religiöser Toleranz beseelt, drückte den Wunsch aus, den israelitischen Tempel während des Sabbathgottesdienstes zu besuchen. Letzten Samstag 9 Uhr Vormittags erschien der Bischof, begleitet von seiner Geistlichkeit und zweien Kirchenvorstehern, dem Generalprokurator Xiras und dem Advokaten Pateraki, zwei ausgezeichneten Männern, im Tempel. Der Oberrabbiner mit allen israelitischen Greisen empfing den Bischof und sein Gefolge mit allen Ehrenbezeugungen. Sie blieben während des ganzen Gottesdienstes. Ueberhaupt üben die griechischen Geistlichen auf unserer Insel die größtmögliche Duldsamkeit. Ein Beispiel: die jüdischen Hausirer, welche Sommer und Winter die Berge durchstreifen, um das tägliche Brod für ihre armen Familien zu erwerben, nehmen am Samstag, wenn sie nicht nach Hause gelangen können, ihre Zuflucht in den Klöstern, um sich auszuruhen und den Sabbath zu feiern. Sie werden stets mit der größten Freundlichkeit ausgenommen. Amerika. Chicago, 18. Mai (Privatmitth.). Am 16. d., Sonntag, feierte die hiesige Sinai-Gemeinde ihren 25jährigen Bestand. Die Sinaigemeinde ist nicht sehr zahlreich, aber von Anfang an der äußersten Reform zugethan, wodurch sie allerdings oft zum Tagesgespräche geworden. Ihr erster Rabbi war Di\ Felsenthal, der jetzt an der hiesigen Zion-Gemeinde fungirt. Ihm folgte vr. Chronik, welcher nach einigen Jahren die Stelle aufgab, nach Europa zurückkehrte und in Berlin als Privatgelehrter verstarb. Nach ihm fungirte vr. K. Köhler, gegenwärtig Rabbiner an der Beth-El-Gemeinde zu New-Iork, und endlich vr. E. G. Hirsch, Sohn des vr. Samuel Hirsch, Rabbiner der Keneseth Israel in Philadelphia. Vater des vr. E. G. Hirsch, vr. Samuel Hirsch interessirt wohl die deutschen Leser am meisten. Er war zuerst Rabbiner in Dessau, dann in Luxemburg, von wo er nach Amerika berufen ward. So lange er in Deutschland weilte, auch an den Rabbinerversammlungen Theil nahm, zeichnete er sich durch einige gediegene philosophische und homiletische Schriften aus. Seitdem er Deutschland verlassen, hat er literarisch wenig producirt. — Der Tempel der Gemeinde war prächtig mit Blumen und Sträuchern geschmückt. In einem Halbkreise um die Kanzel saßen die anwesenden Rabbiner vr. Liebmann, Adler d. A. Norden, vr. Kohn von hier, vr. K. Köhler von New-Aork, vr. S. Hirsch von Philadelphia und vr. Felsenthal und S. Sala von hier. Nach einem Hymnus hielt vr. E. G. Hirsch eine Ansprache, Felsenthal eine deutsche Rede, K. Köhler eine englische. Ihm folgte vr. S. Hirsch und die Schlußrede hielt dessen Sohn Zwischen diesen Reden wurde/i Gesänge vorgetragen. Daß diese Redner die Geschichte der Sinai-Gemeinde und ihre radikale Reformtendenz besprachen und feierten, kann man voraussetzen. Am Abend fand ein großes Bankett statt, bei welchem wieder viele und lange Reden als Toaste erflossen. Immerhin ersieht man, daß hier zu Lande die Reform und und zwar in ihren extremsten Ausläufen eine gewisse Consistenz erlangt hat. Von den beständig zuströmenden Einwanderern durch die ganzen Bereinigten Staaten sind aus-

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