Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 25 (15.6.1886)
- Date
- 1886-06-15
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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893 dem hauptstädtischen Magistrate, sowie der hauptstädtischen Presse für ihr bei jeder Gelegenheit dem Vereine gegenüber bewiesenes Wohlwollen der Dank der Generalversammlung ausgesprochen. Lemberg, den 27. Mai. Baron Hirsch, der schon einmal 100000 Francs für die Abgebrannten in Stry gespendet, hat für eine eventuelle weitere Hilfeleistung den Betrag von 25 000 Gulden ausgeworfen. Zugleich entsendete er| seinen Secretär, Herrn Veneziani, nach Stry, damit derselbe sich persönlich über die Situation der unglücklichen Stadt informire. Baron Hirsch spendete außerdem 50 000 Francs für die Abgebrannten in Lisko und 15000 Gulden für die von Horodenka. In Baligrod (Galizien) ist am 24. d. M. der dritte Theil des von Israeliten bewohnten Stadttheils und in Hnmpoletz (Mähren) am 25. d. M. die Synagoge niedergebrannt. Frankreich. Paris, 4. Juni. Das israel. Consistorium von Algier hat an das Justizministerium ein Gesuch gerichtet, welches um Beseitigung einer Verletzung der bürgerlichen Gleichberechtigung bittet. Der Art. 15 der ministeriellen Verordnung von 1842 über das Notariat ip Algerien lautet: „Die Acten werden von dem Notar in Gegenwart zweier männlichen, mündigen Europäer als Zeugen aufgcnomnien, die wenigstens ein Jahr in Algerien wohnen u. s. w." Wegen des Ausdrucks „Europäer" sind nun die eingeborenen Israeliten, trotz ihrer Naturalisation im Jahre 1870, ausgeschlossen, bei den Notaren als Zeugen in den Acten, Testamenten, Contracten n. s. w. zu dienen. Dieses zufällige und doch bisweilen sehr lästige Hinderniß soll nun beseitigt werden.— Herr A. Frank, Professor des politischen Rechtes am College de France, der sich auch als Schriftsteller einen sehr geachteten Namen erworben, hat bei der Beendigung seines diesjährigen Lehrcursus von seinen Zuhörern für immer Abschied genommen. Seit dreißig Jahren nahm der ausgezeichnete Gelehrte diesen Lehrstuhl ein und zählt 54 Jahre der Thätigkeit an der Universität. Die Mehrzahl der hiesigen Journale bespricht den ehrenvollen Rücktritt des greisen Philosophen, der stets ein eifriger Gegner des Radicalismus gewesen, mit den Ausdrücken der höchsten Achtung. Hoffentlich gewährt ihm der wohlverdiente Ruhestand die Muße, schriftstellerisch noch thätig zu sein. Rußland. Odessa, 31. Mai. General-Gouverneur Roop verfügte die Ausweisung von sieben Personen, welche die Urheber der in Odessa zu Ostern stattgehabten Excesse waren. Lodz (Polen), 1. Juni (Privatmitth.) Es macht einen erquickenden Eindruck, den Landmann bei seiner Arbeit Zusehen, wie er seine Frühjahrssaaten bestellt, unbekümmert um die Stürme, welche der Winter mitten in das neue Leben des Frühlings immer noch hineinsendet. Eine gleiche Erscheinung zeigt Israel in seinem Geschichtsleben. Während über unserem Haupte die politischen Stürme gar unsanft wehen, wird doch im Innern der Gemeinde unverdrossen an der Entwickelung Israels fortgearbeitet. Dazu finden sich in der Judenheit immer Männer, welche bereit sind, für die materielle und geistige Erhebung ihrer Glaubensgenossen die größten Opfer zu bringen. Auch hier in unserer Stadt haben wir einen solchen jüdischen hochgesinnten Magnaten, Herrn Israel K. Poznanski. Derselbe hat sich in wenigen Decennien durch unermüdlichen Fleiß, dem auch das Gelingen nicht fehlte, zu einem der größten Industriellen Polens emporgearbeitet und beschäftigt in seinen Fabriken bis 4000 Arbeiter, welche, mit guter Löhnung versorgt, ein friedliches und behagliches Leben führen. Die Arbeiter in den Fabriken sind fast durchgehends Christen, während die Juden wegen des Sabbaths ihre Stückarbeit nach Hause bekommen. In Folge dessen herrscht hier zwischen Juden und Christen ei» recht friedliches Verhältniß, und wir spüren hier nichts von jener antisemitischen Krankheit, welche drüben bei Ihnen so manche schöne Geistesblüthen des Volkslebens zerstört. Nachdem Herr Poznanski durch Glück und Geschick sich selber so emporgearbeitet hat, beschloß er auf dem Altar der Wohlthätigkeit einen Theil seines Vermögens als Opfer niederzulegen. Er bestimmte eine Summe von 225000 (Zweihundertfünfundzwanzig Tausend) Rubeln zum Aufbau eines Hospitals für jüdische Kranke, in dem aber auch christliche Kranke Aufnahme finden werden. Am Lag Beomer fand die Grundsteinlegung in feierlicher Weise statt. Zu diesem Akte war der Gouverneur aus Piotkow extra hierhergekommen; außerdem wohnten demselben die Spitzen der Behörden ans der Stadt und dem Kreise und von Privaten ein sehr distinguirtes Publikum bei. Der Akt begann mit der Absingung des Psalmes 41, woran sich ein Gebet in russischer Sprache, gehalten von dem Raw (2~i) unserer Gemeinde, anschloß. Dann verlas der Stadtpräsident die Stiftungsurkunde, welche, auf eine Silberplatte gravirt, nebst verschiedenen Schriften und Münzen in die Maueröffnung eingefügt wurde. Nach der Grundsteinlegung wurden vom Kantor und Chor einige Strophen des Psalmes 103 gesungen, worauf der Prediger der Synagogen < gemeinde, Herr Dr. Klüger, die Festrede in polnischer Sprache hielt. Mit Absingung der russ. Nationalhymne und des Adon Olam endete diese erhebende Feier.' Im Palais des Herrn Poznanski folgte hierauf ein glänzendes Diner, bei welcher Gelegenheit für die Abgess