Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 25 (15.6.1886)
- Date
- 1886-06-15
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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392 sind vom Adel. Im Ganzen werden 5000 Exemplare unter geschriebener Adresse versendet. Glaub's wer will! Nürnberg, 28. Mai. In der heutigen Magistratssitzung wurde folgender Beschluß gefaßt: Lehrer Konr. Hofmann hat in einer Eingabe mitgetheilt, daß in seiner Klasse sich mehrere israelitische Schülerinnen befinden, welche aus religiösen Gründen sich am Sonnabend des Schreibens enthalten und daher, um das Versäumte nachzuholen, an schulfreien Nachmittagen Privatunterricht nehmen wollen. Herr H. bittet daher den Magistrat um Ueberlassung eines Schulzimmers zu diesem Zwecke. Die Lokalschulkommission hat nun sich dahin ausgesprochen, daß die israelitischen Schülerinnen, welche aus obigen Rücksichten sich am Sonnabend des Schreibens enthalten wollen, hierzu nicht genöthigt werden sollen, die Schule könne aber keine Verantwortung übernehmen, wenn die betreffenden Schülerinnen in ihren Fortschritten Zurückbleiben, und falls durch Privatunterricht das Versäumte nachgeholt werden solle, so könne ein Schulzimmer hierzu nicht überlassen werden, da nach früheren generellen Beschlüssen Schulzimmer nicht zu Privatunterricht''überlassen werden. Das Kollegium pflichtet der Lokalschulkommission zu. — (Es scheint dies doch nicht sehr entgegenkommend und billig zu sein. Die Mädchen sind doch Schülerinnen dieser Schule und die Sachlage entspringt aus Schulverhältnissen. (Redakt) Dresden, 3. Juni. Die „Dresd. Z." bringt eine merkwürdige, der Bestätigung jedenfalls bedürfende Nachricht. Danach sollten bei den nächsten sächsischen Herbstmanövern die Mannschaften sich zur Probe mehrere Tage hindurch nur mit Mehl und Konserven ernähren. Eine besondere Verfügung sei ergangen, Israeliten als Lieferanten nicht anzunehmen. (Diese beiden Nachrichten lauten allerdings kaum glaublich! Sollte die letztere wahr sein, so bewiese sie, wie schnell man im deutschen Reiche das Bundesgesetz zu verletzen sich gewöhnt, welches die Gleichheit aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze vorschreibt. Denn selbstverständlich bleibt es der Verwaltung überlassen, dem Individuum gegenüber zu bestimmen, ob sie dasselbe für befähigt erachte. Aber eine ganze Klasse von Staatsbürgern und noch dazu nach einem religiösen Kennzeichen von vornherein auszuschließen — das wäre eine flagrante Verletzung des Bundesgesetzes — und darum glauben wir jener Nachricht nicht! Uebrigens erinnert man sich dabei des in voriger Nummer d.Zeitg. erwähnten Beschlusses der rumänischen Kriegsverwaltung, keine Juden als Lieferanten zu verwenden — wobei sich dann die Verpslegungsverhältnisse bei den Truppen so schlimm herausstellten, daß man schleunigst nach den Juden rief). Dresden, 5. Juni. Der Vorsitzende des hiesigen Deutschen Reformvereins und Präses der Deutschen Reformvereine, Pinkert-Waldegg, erklärt in der antisemitischen „Deutschen Reform", dem Centralorgan der deutschen Reformbewegung, daß er seine Zahlungen einstelle, und daß das Blatt aufhören werde) zu erscheinen. (Man merke auf die großprahlerischen Titel und Ausdrücke, deren sich die Antisemiten bedienen, und hinter denen, wie die Thatsachen lehren, nichts als Bankerut steckt! Redakt.). Oesterreich-Ungarn. Pest, im Juni. Die Generalversammlung des Pester isr. Frauenvereins fand heute Nachmittags unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Johanna Bischitz statt. Dem vom Vereinssekretär Herrn Gabor Friedmann verlesenen ausführlichen Jahresberichte entnehmen wir Folgendes: Im abgelaufenen Verwaltungsjahre wurden als momentane Unterstützungen 6460 st. 50 kr., als monatliche Stipendien 5737 fl., als vierteljährliche Zinsbeiträge 3846 fl., als Unterstützungen an Wöchnerinnen 245 fl., als Unterstützungen an Hebammen- Rigorosentaxen 15 fl. und als Heirathsausstattungsbeiträge 145 fl., zusammen 16,448 fl. 50 kr. in Baarem vertheilt. Im Mädchen-Waisenhause dieses Vereins wurden 51 Kinder, im Waisenasyle desselben hingegen 16 Kinder erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten sowohl, als für die außer denselben erhaltenen 21 externen Waisen 18,126 fl. 50 kr. Die Verpflegung und Erziehung eines Kindes stellt sich durchschnittlich auf 265 fl. 35 kr. im Waisenhause und auf 196 fl. 51 kr. im Waisenasyle. Die dritte Wohlthätigkeits-Anstalt des Pester isr. Frauenvereins ist dessen Volksküche. In der Zeit vom 1. April 1885 bis 1. April 1886 speisten daselbst 88.591 Personen ohne Unterschied der Konfession; davon gänzlich gratis 14,023 Personen. Die Verwaltungskosten dieser Anstalt betrugen 10,539 fl. 27 kr. Die Gesainmtausgaben für sämmtliche Zweige der philanthropischen Wirksamkeit dieses Vereins betrugen 46,382 fl. 73 kr., welchem nur Einnahmen im Betrage von 43,780 fl. 59 kr. gegenüberstehen; das Bedarfsdeficit wurde von den einzelnen Fonds abgeschrieben. Der im Monate Mai vorigen Jahres begonnene Neubau ist bereits fertiggestellt und werden die beiden neuen bedeutend vergrößerten Anstalten des Vereins: das Waisenasyl und die Volksküche im nächsten Herbste bezogen. Für die Bedeckung der durch den Neubau entstandenen namhaften Bauschuld behält sich die Vereinsleitung die geeignetsten Maßnahmen bis zu dem Zeitpunkte vor, da alle Rechnungen endgiltig abgeschlossen und die Gesammtkosten ziffermäßig festgestellt sein werden. Der Bericht über die segensreiche Wirksamkeit des Vereinsausschusses wurde zur Kenntniß genommen und sowohl der Präsidentin und Vicepräsidentin, als auch dem Gesammtausschusse für ihr hingebungsvolles und ersprießliches Wirken, ferner der Regierung,