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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-08 · Heft 24 (8.6.1886) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 24 (8.6.1886)
Date
1886-06-08
Page
Seite 381 (sequence 13)
Language
German
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881 hervor. Das Gesetz schreibt vor, 1 2) am Laubhüttenfeste Palmenzweige nebst anderen zur Festesfreude zu verwenden, und noch Nehemia befahl dem Volke, bei der Gelegenheit, als er das Laubhüttenfest nach dessen alten Vorschriften wieder erneuern wollte, Palmenzweige zu Laubhütten zu verwenden/) Man mußte doch überall im Lande Palmen haben, und zwar in Menge, wenn das ganze Volk zu solchen Zweigen kommen sollte. Wenn der Prophet Joel3) über die außergewöhnliche Dürre klagt, so führt er auf. wie der Weinstock, die Palme, der Feigenbaum, die Granate und der Apfelbaum verdorrt seien; die Palme wird also hier unter den Fruchtbäumen genannt, die im ganzen Lande verbreitet waren.4) Aber auch in den übrigen Theilen des Landes verzeichnet Robinson nur hier und da eine einzelne Palme, die ihm deßhalb um so mehr auffiel, weil sie nur eine Seltenheit war. Andere Reisende bestätigen dies. Welch' eine Verschiedenheit im landschaftlichen Charakter bedeutet aber die Häufigkeit oder der Mangel solches hoch emporragenden Baumes, der durch seine Eleganz und Majestät zugleich die Augen aller fesselt. Welch' reizvollen Anblick bot eine Landschaft, aus welcher bald hier, bald dort, ein Palmenwald seine hohen immergrünen Wölbungen erhob — oder das dürre, meist sandige und mit baumlosen nackten Höhen besetzte Gefilde! Wo die Palme wurzelt, ist Wasser nahe, theils indem sie desselben nicht entbehren kann, theils weil sie durch ihren Schatten das Wasser erhält. Jetzt find in Palästina die Palmen wie die Wasserrinnen verschwunden! — Die Palme steigt mit einem schlanken, geraden, einfachen Stamm gewöhlich bis 40, wohl auch bis 60, ja 100 Fuß in die Höhe und doch hat der Stamm nur zwischen 10—18 Zoll Durchmesser. Dieser hat keine eigentliche Rinde, sondern ist von schuppenarligen Ueberresten der abgefallenen oder abgehauenen Zweige bekleidet. Nur an ihrem Gipfel trägt die Palme 40—80 dünne Zweige, die je höher, desto kürzer sind und an den Spitzen sich bogenförmig zur Erde niederbeugen. Dies giebt dem Baume einen so eigenthümlichen und ausdrucksvollen Anblick und befähigt ihn, weithin Schatten zu verbreiten, der in diesem warmen Klima so überaus wohlthätig ist. Von der großen Nutzbarkeit der Palme, von welcher Alles, bis auf die Faser, nutzbringend verwendet wird, brauchen wir nicht zu reden. Diese ihre schöne Gestalt geben denn auch in der Schrift zu Vergleichen Veranlassung. So wird im hohen Liede (7, 8.) der Wuchs des lieblichen Mädchens mit der Palme ver- 1) 3. Mos. 23, 40. 2) Nehem. 8, 15. 3) Joel l, 12. 4) Auch der Talmud bezeugt dies an vielen Stellen; so über die Erstlinge rmcriD »von den Palmen in den Thälern" (Bikknr. I, 10), die „Palmen der Berge" □'iri waren weniger geachtet, weil sie ihre Früchte zu früh abwarfen (Sisra Thasr. Kap. 13, «8 b.). glichen und der König wünscht sie zu besitzen, wie man „die Palme besteigt und ihre Zweige ergreift." Innerlicher ist das Gleichniß des Psalmisten (92,13): „Der Gerechte sprosset wie die Palme, wie eine Zeder auf Libanon schießt er auf", wogegen der Frevler (B. 8) nur „wie das Gras sprießet," so daß dem Gerechten ein kräftiges Wachsthum und lange Dauer, wie Palme und Zeder, verheißen wird. Welcher Werth auf ein häufiges Vorkommen der Palme gelegt ward, ersieht man daraus, daß sowohl 2. Mos. 15, 27, als 4. Mos. 33, 9 die Station Elim im Wüstenzuge Israels aufgeführt wird, weil daselbst an zwölf Wasserqucllen siebzig Palmen standen. Auch wird Richter 4, 5 erwähnt, daß die Richterin Deborah unter einer Palme ihres Amtes pflegte und die Männer Israels dahin gingen, um ihre Rechtssprüche zu vernehmen; jene wurde deshalb die „Deborahpalme" genannt. Wie hoch von unseren Borvorderen die Schönheit der Palme geschätzt wurde, geht auch daraus hervor, daß im salomonischen Tempel an den Wänden in Holzschnittarbeit abwechselnd ein Cherub und eine Palme angebracht waren/) und Ezechiel läßt in seinem visionären Tempel dieselben Ornamente an Wänden und Thüren anbringen/) Eine Palmensäule wurde als Wegzeichen verwendet.3) Später wurde auf jüdischen und römischen Münzen die Palme als Sinnbild Palästinas geprägt. Es macht einen tiefen Eindruck, wenn wir auf römischen Münzen die Gestalt des gefesselten Juda gerade unter einer Palme sitzend angebracht sehen. Auch mag wohl der Gebrauch der Palmenzweige am Laubhüttenfeste die Sitte hervorgebracht haben, bei freudigen, namentlich Siegesaufzügen, Palmenzweige zu tragen und zu schwingen. Doch haben wir hierfür nur ein späteres Zeugniß, 1. Makk. 13, 51, wo Simon in die Burg von Gasa einzieht „mit Lobgesang und Palmenzweigen und mit Cithern und Cymbeln und Lauten und Psalmen und Liedern, weil der größte Feind vertilgt war aus Israel." Man wird fragen, wie kam es, daß ein in Palästina so verbreitet gewesener Baum von so hohem Nutzen aus diesem Lande fast völlig verschwunden ist? War es doch am Schlüsse des 7. Jahrhunderts nach der gew. Ztr. noch anders, und Adamanus 4) beschreibt die Lage von Jericho, das bereits „von allen menschlichen Wohnungen ganz entblößt war", daß es doch „zwischen Jericho und dem Jordan Palmenwälder gab, unter welchen Felder und Wohnungen zerstreut lagen." Man kann diesen traurigen Erfolg deshalb nur den Einfällen der Barbaren und den Kreuzzügen, der durch diese bewirkten Verheerung und Abnahme der Bevölkerung zuschreiben. Daß diese Vernichtung aber besonders die Palnie 1) 1. Kön 6, 2g, 32. 35. 7, 3«. 2. Chron. 3. 5. 2) Ezech. 40, 16 ff. 41, 19 ff. 3) Herein. 31, 21 vgl. 10, 5. 4) De Loc. Sanct. II, 13.

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