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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-08 · Heft 24 (8.6.1886) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 24 (8.6.1886)
Date
1886-06-08
Page
Seite 380 (sequence 12)
Language
German
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380 „Prager Ghettogeschichten von Bernhard Auerbach" u. dgl., die sich sämmtlich recht gut lesen lassen. — „Leo Hebraeus, ein jüdischer Philosoph der Renaissance; sein Leben, seine Werke und seine Lehren. Von vr. B. Zimmels, Breslau, Wilhelm Löbner. 1886." Eine tüchtige» fleißige und um-- sichtige Arbeit über das Leben und die Werke des Leo Hebraeus; der Vers, schickt eine Charakterisirung jener Zeit des Wiedererstehens des Platonismus im Kampfe gegen den scholastischen Aristotelismus voran. Hierhin gehört Leo und sein früher viel gelesenes Werk „Dialoge über die Liebe", die Liebe im platonischen oder besser in neuplatonisch-mystischem Sinne, Sein eigentlicher Name war bekanntlich Don Juda Abarbanel, ältester Sohn des großen Don Isaak Abarbanel. Er war 1460 geboren und stand lange im Rufe, zum Christenthum übergetreten zu sein, was jedoch falsch. Unser Vers, fügt neue Beweise den früheren hinzu, daß jener bis zu seinem Tode dem väterlichen Glauben treu geblieben. Die vorliegende Arbeit ist jedenfalls eine recht verdienstvolle. — Wir haben hier noch zweier tüchtiger Schulbücher zu erwähnen: „Erstes Lesebuch. Zweiter Theil der deutschen Schreib-Lese-Fibel. Ausgabe 8. Bearbeitet von Raphael Cohn, Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin. Berlin, Stuhr, 1886." Siehe über den ersten Theil, Jhrg. 1885. Dieser zweite Theil schließt sich planmäßig und mit gleicher Angemessenheit zusammengestellt an den ersten an. — „Deutsche Schul-Lieder von L. Levandowski, kgl. Musik- Direktor. 5. Aust. Berlin, Prozzelauer 1886." — Die in zwei Jahrzehnten schnell auf einander gefolgten Auflagen erweisen wohl, daß der Meister i« der Synagogen-Musik auch für die Schule angemessen zu arbeiten versteht. Ieuilleton. Die Palme und die Zeder in der Dibel. i. Wer mit dem prüfenden Blick des Beobachters durch Flur und Wald schreitet, dem wird es nicht entgangen sein, daß nicht bloß der Mensch, sondern auch das Thier und die Pflanze bestimmte Charaktere zum Ausdruck bringen. Bei den Thieren ist es leicht, den psychologischen Zug zu erkennen, der sich bei ihnen aus ihren natürlichen Instinkten und ihrer naturgemäßen Lebensweise heraus auch in ihrer Erscheinung deutlich kundgiebt. Man braucht nur etwa einen Elephanten mit einer Gazelle zu vergleichen, einen Löwen mit einem Hasen, einen Tiger mit einem Lamm, aber auch schon ein Rind mit einem Hirsch oder einem Pferd, um den psychologischen Charakter jeder Thiergattung auch in allen Formen derselben zu erkennen. Auch hier sind Wesen und Form, die man so oft unterscheiden will, identisch. Wir geben nun zu, daß man bei der Pflanze auf derartige seelische Charakterzüge verzichten muß, und daß es nur menschliche, wenn auch oft erklärliche Symbolik ist, wenn wir z. B. das Veilchen als Bild der Bescheidenheit, die Tulpe als das der Prachtliebe oder Putzsucht, die Lilie als das der Unschuld u. s. w. annehmen. In der Natur dieser Pflanzen liegen diese Bedeutungen nicht, wenn auch Gestalt und Farbe derselben uns ein Recht auf diese Symbolik geben. Dagegen ist es unleugbar, daß jede Pflanze, besonders die Baumwelt, in ihrer Gestalt, in der Art ihrer Zweige und Aeste, ihres Laubwerks und ihrer Blüthen für uns, die Menschen, einen gewissen Charakterzug, eine Eigenart in den Vorstellungen besitzen, die ihr Anblick in uns hervorruft. Bisweilen kommt es sogar vor, daß ein Individuum in seiner Art durch eigenthümliche Gestaltung einen bestimmten Gedanken in uns erweckt, eine Art Charakter vorstellt, den wir bei den Menschen vorfinden. Doch dies auseinanderzusetzen, würde uns hier zu weit führen. Niemand wird verkennen, wie eine Landschaft durch die in ihr vorhandene und vertheilte Pflanzenwelt, besonders die Bäume, einen bestimmten landschaftlichen Charakter erhält. Dies findet schon in großen Landstrichen statt, und man braucht nur an die Regionen der Palmen, der Orangen und Kastanien, der Buchen und dann der Nadelhölzer zu denken, um dies in vollem Sinne zu begreifen. Für das alte Palästina, für das Palästina des israelitischen Volkes bestimmten vorzugsweise zwei Baumarten den landschaftlichen Charakter: die Palme und die Zeder. Wir sagen mit Nachdruck „für das alte Palästina." Denn sowie einst Löwe und Bär im alten Jsraelitenlande heimisch waren und jetzt längst aus dessen Grenzen verschwunden sind: so erging es auch der Palme und zum großen Theil der Zeder. In der h. Schrift wird der Stadt Jericho der Beiname der „Palmenstadt"') gegeben, und die Umgegend, selbst ein Theil des Strandes des todten Meeres war mit Palmenwäldern bedeckt. In dieser ganzen Landschaft fand der sorgfältige und verdienstvolle Reisende Robinson nur noch ein einziges und zwar verkrüppeltes Exemplar der Palme1 2). Daß aber früher die Dattelpalme durch das ganze Land Israel verbreitet war, geht aus Andeutungen der h. Schrift klar 1) s. Mos. 34. 3. Nicht. I, 16. 3, 13. r. Chr. 28, IS. 2) Band II. S. 537. Nur bei Sur. dem ehemaligen Tyrus fand er „viele zerstreute Palmbäunie", die dem Orte einen orientalischen Reiz verleihen." B. III. S- 67S.

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