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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-06-01 · Heft 23 (1.6.1886) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 23 (1.6.1886)
Date
1886-06-01
Page
Seite 362 (sequence 10)
Language
German
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362 gen Sitzung, dem Anträge des Reichsanwalts gemäß, die Revision. Stuttgart, 15. Mai. Der „Staatsanzeiger für Württemberg berichtet:" Die Feier des 25jährigen Jubiläums der hiesigen Synagoge begann gestern mit dem Abendgottesdienste. Nach einem einleitenden Gebete spielte Organist Fink eine Fantasie und ließ dabei die schönen Klangwirkungen und die Machtfülle des Weigle'schen Werkes hervortreten. Die rituellen Gesänge am Altar wurden von dem Kantor Tannenbaum aus Karlsbad ausgeführt. Heute Vormittag 9 Uhr fand der eigentliche Festgottesdienst in der mit Palmen und Lorbeerbäumen aufs reichste dekorirten Synagoge statt, die in Hunderten von Lichtern strahlte. Der Synagogenchor eröffnete die Feier mit einer Festmotette von Abenheim, die rituellen Gesänge führte Kantor Gundelfinger aus, die Festpredigt hielt um 10 Uhr Ehr. v. Wassermann. Heute Abend finden sich die Mitglieder des Kirchenvorsteheramtes bei einem gemeinsamen Mahle im Hotel Degginger zusammen. Memel, 16. Mai. Trotz der namhaften Lücken, welche in unsre Gemeinde durch die Ausweisungen gerissen worden, wird hier eine neue Synagoge gebaut, zu welcher am 14. d. feierlich der Grund gelegt wurde. Das „Memeler Dampfboot" berichtet darüber: „Heute um IIV2 Uhr Vormittags fand Hierselbst in der Kehrwiederstraße die feierliche Grundsteinlegung zum Bau einer Synagoge statt. Außer den Spitzen der Königlichen und städtischen Behörden, vertreten durch Herrn Landrath Cranz und Herrn Oberbürgermeister König, waren in officieller Eigenschaft erschienen Herr Consul Gerl ach als Vorsteher der Kaufmannschaft, Herr Stadtrath Fünfstück und Herr Polizeiinspektor Riechert. Ferner nahmen an der Feier Theil die Vorsteher und die Repräsentanten der Synagogengemeinde. Herr Rabbiner Di-. Rülf, in dessen Händen die Leitung der zwar in ihrem äußeren Gepräge sehr bescheidenen, trotzdem aber doch recht bedeutsamen Feier lag, verlieh derselben durch seine Festrede, ausgehend von dem Wort der heiligen Schrift: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden", die ihr gebührende würdevolle Form. Im Hinweis auf den zweiten Tempelbau unter Sernbabel zeigte Redner, daß auch auf den Bau dieses Gotteshauses das ermuthigende Wort des Propheten Secharja bezogen werden darf: „Es soll nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth." Die Kraft dieses Geistes solle sich hier bethätigen in der Opferwilligkeit, durch welche allein dieser Bau vollendet werden könne, in der reinen Menschlichkeit und in der wahren Frömmigkeit, welche hier die Stätte ihrer Pflege finden sollen. Nach einem Schlußgebct und nach der rituellen Fürbitte für das Kaiserlich Königliche Haus, verlas Herr Di-. Rülf den Inhalt oer Rolle, welche in einer Metallkapsel dem Grundstein einverleibt werden sollte." Dann verlief die Feier in der üblichen Weise. Fürth, 14. Mai. Das „Fürth. Tgbl." bringt Folgendes: Die politischen und socialen Ideen, welche gegenwärtig in der civilisirten Welt die Geister beherrschen, sind kaum zwei Jahrhunderte, die denselben entsprechenden Einrichtungen des Staates und der Gesellschaft kaum ein Jahrhundert alt. Die Gleichheit aller Volksglieder in Pflicht und Recht, die gesetzlich geregelte persönliche Freiheit und die verfassungsmäßige Theilnahme des Volkes an Gesetzgebung, Rechtspflege und Verwaltung sind erst zu gesellschaftlichen Besitzthümern der neueren Zeit geworden. Die Gleichberechtigung der Culte, die Gleichstellung der Bürger aller Confessionen und insbesondere die Emancipation der Israeliten zählen in manchen Staaten kaum ein halbes Jahrhundert. Der heute erfolgte Tod des hiesigen Privatiers Herrn S. E. Berolzheimer erinnert lebhaft an die Jugend der neueren Institutionen. Der Auflösung der früheren königl. Polizeibehörde folgte am 17. November 1818 die Einsetzung des hiesigen Magistrats und des Collegiums der Gemeindebevollmächtigten. 33 Jahre verstrichen, ohne daß in beide Körper ein Israelit gewählt wurde; die Erkenntniß der Wahrheit und des Rechtes zeigte sich erst im Jahre 1851 durch die Wahl B.'s in das Collegium, während die Wahl des ersten jüdischen Magistrats» rathes, Herrn Max Neubauer, erst am 21. September 1863 erfolgte. B. wurde bei der Neuwahl des Handelsrathes, dem er seit 1850 angehörte, im September 1862 als Vorsitzender gewählt, seine Ernennung als zweiter Ersatzrichter am hiesigen kgl. Handelsgericht datirt vom 2. März 1863. Es war dies der erste Fall, daß ein Jsraelite zum unbesoldeten Richter in Bayern ernannt wurde: das Decret des ersten besoldeten jüdischen Richters in Bayern, Herrn Max Berlin von hier, der als Assessor am kgl. Stadtgericht Nürnberg ernannt wurde, datirt vom 16. Januar 1874. B. vertrat den hiesigen Handelsrath beim Handelstag in Heidelberg 1868 und in Frankfurt a. M. im August 1865. Am 13. December 1869 wurde B. in den mittelfränkischen Landrath gewählt, dem bisher auch noch kein Jsraelite angehörte, ferner fungirte B. längere Zeit als Secretär der Gemeindebevollmächtigten, als Vorsitzender des größeren Berwaltungsausschufses der Israel. Cultusgemeinde und bekleidete sonstige Ehrenämter in gemeinnützigen und humanitären Vereinen. B., welcher sich in den letzten Jahren vom öffentlichen Leben zurückzog, erreichte ein Alter von nicht ganz 75 Jahren. Mit B. ist ein Stück Culturgeschichte der Israeliten Bayern's zu Grabe getragen worden. Ehre fernem Andenken! Oesterreich - Ungarn. Pest, 20. Mai, Tisza beantwortet demnächst eine Interpellation des Antisemiten Mendtvich über die massenhafte

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