Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 23 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
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355 Einzelheiten an denselben an.') Das Siegeslied, so frisch und originell es auch ist,- stellt sich doch dem Siegesliede am rothen Meere, dem Gesang Moses und selbst dem Segen Jakobs an die Seite. Dasselbe setzt das Volk Israel als einen Bundesstaat voraus, wie 1. Mos. 49 und 5. Mos. 33. — Der Bericht über die Thaten Gideons setzt in seinem Geiste und in vielen Einzelheiten das Gesetz Moses und die Existenz des Pentateuch voraus. So ist 6, 8—10 ganz pentateuchische Rede; 6, 22 wird die in den 5 Büchern Mos. so oft vorkommende Furcht des Todes bei Wahrnehmung einer göttlichen Erscheinung ausgedrückt. 7, 3. entspricht völlig dem Gesetze 5. Mos. 20, 8. 8, 23. entspricht ganz dem pentateuchischen Geiste, 8, 24 ff. gleich Aaron 2. Mos. 32, 2 ff. 2) — Mit dem Fortschritt der Zeit nahm der Abfall und die Entartung des führerlosen Israel zu. Wenn aber 10, 6. berichtet wird, wie die Israeliten „den Baalim und den Astarten und den Göttern Arams und den Göttern Sidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Söhne Ammons und den Göttern der Philister dienten", so bezeugt dieses Auseinanderfallen in den verschiedenartigsten Götzendienst aller umgebenden Völker, daß die Israeliten ursprünglich und so lange sie ihrer Eigenart treu geblieben, eine ganz andere Gottheit, den einzigen und ewigen Gott verehrten, weil sie sonst einen bestimmten Nationalgott angebetet und sich nicht die Götter aller umwohnenden Völkerschaften angeeignet hätten (10, 14. vergl. 5. Mos. 32, 37. 38.).— Schon die Vertreibung Jephtha's (11, 2.) gründet sich, wie man aus V. 7. sieht, auf einen Rechtsspruch. Die Brüder Jephtha's hatten die Analogie von 1. Mos. 21, 10 (wörtlich übereinstimmend) für sich, dieser selbst die von Jakobs Söhnen der beiden Mägde. Aber das wichtigste Stück für unseren Zweck ist 11, 15. die Botschaft Jephtha's an den König der Ammoniter. Denn wir haben hier einen vollständigen und doch sachgemäßen Auszug aus dem Berichte im 4. B. Mos., zuerst bloß sachlich, dann wörtlich. V. 16. Ankunft in Kadesch (4. Mos. 20, 1—13.). B. 17. fruchtlose Gesandtschaft an den König von Edom (wörtlich aus 4. Mos. 20, 14—21.). B. 18. Zug von Kadesch um das Gebirge Edom über das Ostplateau und um Moab, wörtlich nach 1. Mos. 21, 4. 11. 13. (auch 5. Mos. 2, 1.). V. 19. Gesandtschaft an Sichon, wörtlich nach 4. Mos. 21, 21. 22. B. 20. Weigerung und Kampf Sichons, wörtlich nach 4. Mos. 1) 4, 15. nrn 2. Mos. 14, 24. — B. ll gedenkt Moses. — 5, 1. vgl. 2. Mos. 15, 1. 5, 3. lJWI, lJ.’DB' 32, 1. Von ’OIN an gleich 2. Mos. 15, 2. 3. — 5, 4. 5. Nachahmung von 5. Mos. 33. 2. mit Rückblick auf 2. Mos. 19, 16. 5, 8. weist auf 5. Mos. 32, 17. 5, 16. vgl. 1. Mos. 49, 14. 5, 17. vgl. 1. Mos. 49, 13. 5. 21. '111 “DTin vgl. l. Mos. 49, 18. 5, 27. ähnliche Bauart wie 2. Mos. 15, 9. 2) 8, 16. wie 2. Mos. 3, 12. 6, 39. vgl. 1. Mos. 18, 32. 21, 23. Einnahme von Sichons Land, wörtlich nach 4. Mos. 21, 24. Gleich nach der Eroberung dieses Landes wird im 4. B. Mos. von Balak, Sohn Zippors, König von Moab berichtet. Auch Jephtha erwähnt ihn sofort B. 25. ganz conform 4. Mos. 22, 2 ff. V. 26. vergl. 4. Mos. 21, 20. Ein so genauer, oft wörtlicher, dabei die bezeichnendsten Verhältnisse doch nur hervorhebender Bericht, kann nur einem schriftlichen Original entnommen sein. Es ist offenbar: der König von Ammon machte Rechtsansprüche auf das Land, Jephtha wollte diese zurückweisen, schlug deshalb die h. Urkunde auf und zog die nöthigen Notizen daraus, aus welchen er seine Botschaft zusammensetzte. Ein hinreichender Beweis nicht bloß von der Existenz, sondern auch von der Verbreitung des Pentateuchs selbst in dieser Zeit.') — Nicht minder enthält die Geschichte Simson's Beziehungen zum Pentateuch. Zuerst setzt sie das Institut des Nasiräats (4. M. 6.) voraus, und wenn sich hier einige Abweichungen von den Verordnungen des Gesetzes finden, so darf man nicht vergessen, daß Simson auch Krieger und Richter werden sollte. Stimmen doch auch V. 7 und 14 mit 4. M. 6, 3—5 wörtlich überein. Ferner setzt Kap. 13. die im Volke verbreitete Kenntniß des ndd der unreinen Speise voraus und die ganze Situation klingt an die Verkündigung der Geburt Jsmael's an Hagar (1. Mos. 16.) an.^) 14, 3. zeigt 1) daß ganz nach dem Gesetze keine Verheirathung mit den Canaaniterinnen stattfinden sollte'), 2) daß die Beschneidung als unterscheidendes Merkmal galt. — Das meiste Gewicht legen unsre Gegner auf Kapp. 17, 18. den Bericht über den Bilderdienst Micha's. Ist nun hier allerdings von der Einrichtung eines Privatbilderdienstes die Rede, so erweist doch die Ausnahme, daß Bilderdienst nicht die Regel war, was auch B. 6. andeutet; ferner geschieht dieser Bilderdienst doch im Sinne, daß „der Ewige" damit verehrt werde, wie V. 3 und 13 zeigen; endlich wird das Priesterinstitut der Leviten als festwurzelnd im Volke erwiesen, denn erst als er einen Leviten zum Priester seines Bildes hat, ist er befriedigt, V. 13, was Alles durch Kap. 18 bekräftigt wird. In diesem zeigt V. 31, daß die Stiftshütte für ganz Israel in Siloh Heiligthum war, nur daß die Daniten, weil sie entfernt wohnten, sich ein besonderes Bild für ihr religiöses Bedürfniß machten. — Ueberlesen wir die ganze Begebenheit, die Kapp. 19—21 erzählt wird, so zeigt sich uns, daß Israel ein vollständiger Bundesstaat war, wie er auf dem Boden des Gesetzes geplant worden, ein besonderes Verbrechen allgemein Unwillen 1) 11, 35. 38. Die Unverbrüchlichkeit der Gelübde wörtlich >vie 4. Mos. 30, 3. 5. Mos. 23, 24. 2) So V. 17, 18. wörtlich mit 1. M. 33. 30. B. 22 mit I. M. 18, 13. B. 5. 7. nach 1. Mos. 16, 11. 3) S. 1. Mos. 27, 46. 2. Mos. 34, 16. 5. Mos. 7, 3. 4. 23*