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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-25 · Heft 22 (25.5.1886) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 22 (25.5.1886)
Date
1886-05-25
Page
Seite 349 (sequence 13)
Language
German
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849 reicht, sowie eine Gehaltserhöhung zugesichert. Der Jubilar dankte in bewegten Worten. Sodann kamen sämmtliche Gemeindemitglieder und Schüler, sowie Freunde und Collegen, um ihren langjährigen Freund und Lehrer zu beglückwünschen und erhielt er dabei manches sinnreiche Geschenk, auch von auswärts liefen von ehemaligen Schülern viele Glückwünsche ein. Herr Heymann verstand es besonders, sich in der Gemeinde und Bürgerschaft die Liebe und Achtung Aller zu erwerben. Möge es demselben vergönnt sein, noch viele Jahre die Früchte seines segensreichen Wirkens zu schauen. Bonn, 12. Mai. (Literarische Notizen.) Das „Institut zur Förderung der israelit. Literatur" gab die Lebensbeschreibung Moses Mendelssohn's von vr. M. Ka yserlin g heraus. Zugleich veranstaltete die Buchhandlung Hermann Mendelssohn eine Separatauflage. Auch diese ist erschöpft, und der verdienstvolle Verfasser bearbeitet jetzt eine neue Auflage für dieselbe Buchhandlung. Er berücksichtigt hierbei Alles, was seitdem auf diesem Gebiete erschienen ist, und werden auch einige Illustrationen hinzugefügt werden. — Tuarek, 5. Mai. (Literarische Notizen.) I. S. Finn in Wilna, bekannt als einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrten und neuhebräischen Schriftsteller in Rußland (Herausgeber der hebräisch - historisch - literarischen Monatsschrift „Hakarmel"), dessen gediegene Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur') in Fachkreisen sich ungetheilter Anerkennung erfreuen, schreitet jetzt zur Herausgabe seiner beiden Hauptwerke, eines umfassenden und eingehenden Wörterbuches zur Bibel und zur Mischna, in welchem auch auf den Sprachschatz der genannten neuhebräischen Literatur, der sich aus jenen Quellen herleitet, Bedacht genommen wird, und eines großen Gelehrten-Lexicons, das in alphabetischer Ordnung Biographien der sämmtlichen Schriftsteller und historischen Persönlichkeiten der Juden von der Zeit der Gaoncn bis zur Gegenwart enthalten wird. Die beiden vielversprechenden Werke werden von den Herren N. Maskileisson in Minsk und A- Zuckermann in Warschau in einzelnen Lieferungen zu je 5 Bogen ausgegeben und sind im Verlage des Letzteren zu 1 Rubel zu beziehen. Die Probelieferungen beider Werke lassen uns erkennen, daß Herr Finn sowohl das sprachliche als auch das historische Material mit weiter und klarer Umsicht beherrscht. Da solche Werke, wie sie uns hier geboten werden sollen, das hebräisch gebildete Publikum überhaupt noch nicht besitzt und der Mangel an solchen oft genug empfunden wird, so sind dieselben ganz besonders zu empfehlen. — Der Orientalist und Archäolog, Herr Dr. A. Harkavy, hat in der Petersburger kaiserlichen Bibliothek, wo er als Bibliothekar fungirt, sehr interessante Funde gemacht: 1) Das unter „Al-Chawi" von verschiedenen Autoren des Mittelalters erwähnte Lexicon des Raw Hai Gaon, welches auch Jbn Esra erwähnt. 2) Circa 30 Documente, die den bekannten Saul Wahl betreffen, von welchem die Sage geht, daß er auf eine Nacht zum König von Polen gewählt wurde. Hoffentlich werden wir bald Näheres aus diesen Documenten erfahren. Auch das arabische Original von den Fragmenten aus dem „Sefer Hagilui" von R. Saadia Gaon ist jetzt im Besitze dieses Gelehrten. Moses Feinkiud. 1) Wir wollen aus diesem Gebiete nur eins seiner Werke hervorbebeu: Die Geschichte des israelitischen Volkes und seiner Lites ratur von dem babylonischen Exil bis zum Einsetzen des Makkabäers j Simon zum Hohenpriester. In 2 Bünden in neuhebräischer Sprache.! (1872—1878, Wilna.) M. F. Ieuillelon. Valbert über Heinrich Heine. Der Essayist der Revue 668 1)6ÜX Nouäe8 Valbert (Cherbuliez) hat in der Nr. dieser Zeitschrift vom 1. April eine sehr interessante Abhandlung: RenR Reine et 868 äeriii6i'8 biographes allemands veröffentlicht. Er benutzte hierzu die Biographien von Adolf Strodtmann, Robert Prölß, Gustav Karpeles und Heine's Memoiren, herausgegeben von Eduard Engel. Gegen den Schluß faßt Valbert seine Ansicht zusammen und sagt hier u. A. Folgendes: „Die Deutschen werden nicht eher das Recht haben, Heine als ihr Eigenthum zu betrachten, als an dem Tage, wo sie sich entschließen, ihre Juden für wahre Deutsche zu halten. In Charakter und Gegie war Heine Jude bis in das Mark der Knochen. Ebenso wie Spinoza hat Heine niemals die Merkmale verloren, die er hatte, als er zur Welt kam. Man findet in seinen Versen und in seiner Poesie das stete Gedenken seines Ursprungs, den spöttischen Kosmopolitismus > eines Volkes, welches Jahrhunderte hindurch von einem Ende j der Erde zum anderen sein Mißgeschick und seinen Stolz > getragen. Dieses Volk hat Komponisten, Gelehrte, Philoso-! phen hervorgebracht; es hat auch einen großen Dichter erzeugt, der zugleich ein unvergleichlicher Spötter war. Dieser Dichter grausamer Ironie und schmerzlicher Liebe, welchem Hegel die Theorie der Gegensätze gelehrt und der diese überall I in der Geschichte wie im Leben sah, hatte das jüdische Lachen und die semitische Einbildungskraft. „Mit dem Trunk aus Arabien", sagte er, „wallte die Glnth des Orients in meinen Adern, seine Wohlgerüche umflossen mich, die sanften Klänge der Bulbul hallten in mir wieder, die Studenten verwandelten sich in Kameele, die Hexen des Brockens wurden Huris, die Nase der Philister Minarets." Er rühmte sich bisweilen,

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