Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1886)
- Date
- 1886-05-25
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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342 vollen Händen schöpfen konnte. Unsre Leser erinnern sich, daß 4. Mos. 21,14. ein Citat aus einem Buchemor^D 'd „Buch der Kriege des Ewigen" in das Stativnsvcrzeichniß der Wüstenwanderuug Israels eingeschoben ist. Was „Kriege des Ewigen" bedeutet, ersieht man aus 1. Sam. 18, 17: es sind die Kämpfe Israels gegen die benachbarten feindlichen Völkerschaften. Ferner wird Josua 10, 13. ein anderes Buch “iB’Vi 'd erwähnt, welches auch 2. Sam. 1, 18. citirt wird. Die Bedeutung dieses Titels ist völlig ungewiß, wird von den Einen als „Buch der Lieder", von Anderen „das Buch der Helden" und auch „Buch der Israeliten, d. h. Nationalbuch" erklärt. Wir fügen hinzu, daß 4. Mos. 21, 27. ein Citat der cpta'.on Spruchredner citirt wird. Diese Citate bezeugen, daß diese Bücher poetische waren, Volkslieder, welche geschichtliche Ereignisse des Volkes Israel besangen. Aus welcher Zeit stammen sie? Daß 2. Sam. 1, 18. aus dem iß'vi 'd das Klagelied David's über den Tod Saul's und Jonathan's citirt oder doch angegeben wird, daß es in demselben vorhanden, beweist, daß dasselbe späteren Ursprungs ist. Allerdings wird an der citirten Stelle im Buche Josua ein Ausspruch Josua's gegeben, der sich dann in dem Citat aus dem S. hajaschar wiederfindet, so daß es fraglich scheint, ob die Worte Josua's von dem Verfasser des Buches Josua aus dem S. hajaschar entnommen sind, oder das Letztere die Phrase aus dem Buche Josua entlehnt hat. Weiteres wissen wir von diesen beiden Büchern nichts, und es ist deshalb den Vermuthungen ein großer Spielraum gewährt. Unsre Meinung, wie wir sie in unserem Commentar ausgesprochen, geht! dahin, daß diese Citate aus den beiden Büchern wie das 1 von Spruchrednern von einem späteren Glossator in den Text des 4. Buches Mos., des Buches Josua und 2. Sam. als Belege für das dort Gesagte eingeschoben worden. Hierzu bestimmt uns die Einführung derselben durch p bj; 4. Mos. 21, 14. und 27. nvi N^>n Josua 10, 13. und nznrc 2. Sam. 1, 18., was völlig der Art des Citirens gleicht, während durch das Ausscheiden dieser Citate der Zusammenhang nicht im! Geringsten leidet, vielmehr gewinnt. Während wir also über I die poetische Beschaffenheit dieser Bücher zweifellos sind, ist! das Alter, sowie ihr weiterer Inhalt, völlig dunkel, und ist Nichts vorhanden, was uns darüber Aufschluß geben könnte. Hier tritt nun die Phantasie des Herrn Renan ergänzend ein. Die citirten Bücher sind ihm die Quelle, aus welcher der „Jehovist" des Nordens seine „Mythen und Legenden" und seine geschichtlichen Mittheilungen geschöpft hat, während nach ihm diese Bücher Sammlungen alter mündlicher Tradition gewesen seien. Hier beginnt die eigentliche Arbeit Renan's, indem er nun fast Alles im Pentateuch und in den historischen Büchern aus dem S. hajaschar und dem S. Milchamoth 'n geschöpft und zu einer fortlaufenden Geschichtserzählung gestaltet hat, in welche nur hier und da ein Stück des Elohisten später hineingeschoben worden. Bei der lebhaften Einbildungskraft Renan's war dieses Werk gar nicht schwierig: dem Kriticismus ist mit der Annahme der deutschen Hypothesen genug geschehen, nun kann die Phantasie ihre Flügel schwingen. Man weiß, wie Renan in derselben Weise das Leben Jesu behandelt hat. Aus den vermeintlichen Resultaten der Kritik heraus brachte er für das Leben Jesu einen schön und anziehend geschriebenen Roman zu Stande. Dasselbe vollzieht er nun an dem Pentateuch und den historischen Büchern der h. Schrift. Eine weitere Kritik der Renan'schen Artikel im Allgemeinen ist wohl unnöthig. Nach den Elementen, aus denen sie zusammengesetzt sind, wird jedem Unbefangenen die völlige Unhaltbarkeit der Renan'schen Darstellung von selbst einleuchten. Sie ist aus Jrrthümern und willkürlichen Voraussetzungen zusammengesetzt. Wir hielten es jedoch für unsere Pflicht, ein Bild derselben zu geben, weil daraus so recht die Unzuverlässigkeit und Grundlosigkeit jener Hypothesen der neuesten Kritiker, namentlich auch Wellhausen's hervorgeht, auf welche sich Renan gestützt hat. Es kann uns nicht auffallen, daß bei der Geneigtheit eines gewissen Theils des Publikums, die h. Schrift als eine Sammlung von Bruchstücken anzusehen, deren Autorität dadurch abgeschwächt wird, die Bibelkritiker mit ihren Hypothesen und Phantastereien vielen Beifall finden, und zwar immer die neuesten den meisten. Ebenso wenig kann es verwundern, daß jeder neue Bibelkritiker seine Vorgänger übertreffen will. Da nun Wellhausen zugleich eine sehr gewandte und anziehende Feder besitzt, so hat er in Deutschland rasch viele Anhänger gefunden, und z. B. die „Preußischen Jahrbücher" lassen es sich nicht nehmen, auf Wellhausen's Resultate die schlimmsten Verleumdungen des A. T. zu stützen. Jndeß wird es wohl nicht lange währen, bis andere Kritiker die Meinungen Wellhausen's ihrerseits zerreißen und wieder andere Ansichten produciren werden. Renan seinerseits verwerthet sie in synthetischer Weise und wird damit in Frankreich Schule machen, allerdings keine umfangreiche, da die französischen Freidenker überhaupt von Arbeiten über die heil. Schrift nichts wissen wollen. Um schließlich noch gerecht zu sein, bemerken wir. daß da, wo Renan die Bücher der h. Schrift aus ästhetischem Gesichtspunkte betrachtet, er den besten Geschmack und ein tiefes und richtiges Gefühl erweist. Er hat da manches treffliche Wort gesprochen. (Fortsetzung folgt.)