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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-25 · Heft 22 (25.5.1886) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 22 (25.5.1886)
Date
1886-05-25
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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340 Friedensschluß ein ernstgemeinter sei, daß keine Vorbehalte auf beiden Seiten vorhanden seien, welche bald wieder Streitobjekte zu Tage fördern. Das walte Gott! Er«ejt Renan. 11. Die Geschichte der Bibel. In der Revue äs« deux Llonäes vom 1. und 15. März giebt Renan in zwei Artikeln, denen in späterer Zeit noch mehrere folgen sollen, „Les origines de la bible“, seine gegenwärtige Ansicht über die Bücher der h. Schrift kund. Wer aus unserem ersten Artikel ersehen hat, wie Renan die Kirche und ihr Priesterthum für unfähig zu einer Reform hält und in seiner religiösen Ueberzeugung bis zur alleinigen Verehrung der „Ordnung des Universums" gelangt ist, wird voraussetzen, daß Renan hinsichtlich der Bibel nur auf kritischem und nebenbei noch auf ästhetischem Wege wandelt. Dabei ist jedoch Renan ein zu eigenthümlicher, scharfsinnig und zugleich phantastisch gearteter Geist, als daß wir seine Anschauungsweise nicht der Beachtung werth halten sollten. Jener nüchterne Kriticismus, wie er bei den deutschen Gelehrten noch heute heimisch ist, wie er bei David Strauß geherrscht, und der cs für einen Fehltritt hält, wenn er sich von der kritischen Linie auch nur um eineu Schritt zur Erwägung des Geistes und der Aesthetik des Ausdrucks entfernt ist Renan nicht ansprechend. Er bewundert ihn in seinem Scharfsinn, in der Aufstellung von Problemen, aber er genügt ihm nicht, weil jenem „der Geschmack, die Gewohnheit, die vergleichende Literatur sich anzueignen und ein volles Verständniß des Orients und des Alterthums fehlt." Er findet „den Fehler der deutschen Exegese darin, daß sie zu gewohnheitsmäßig in einem abgeschlossenen und verdeckten Raum arbeitet, ohne Fühlung mit dem, was außerhalb der protestantischen Theologie geschieht." Er führt hierfür mehrere Beispiele an und giebt zu, daß viele Thesen der neuesten Bibelkritiker, der Herren Kuenen, Reuß, Graf, Wellhausen durchaus nicht definitiv sind, daß gerade „die chronologischen Resultate, welche durch die moderne Kritik so begierig ge° sucht werden, in den meisten Fällen unzuverlässig sind." Er weist z. B. auf die Ansichten dieser Herren hinsichtlich des sog. „levitischen Codex", des Deuteronomiums hin. Im Ganzen tadelt er, daß man nur die Analyse betreibe, ohne an die Synthese zu denken. In so feine Worte der Franzose seinen Tadel kleidet, so sieht man doch, daß er mit den in Deutschland immer von Neuem gepriesenen Hypothesen der Bibelkritiker durchaus nicht einverstanden ist. Jndeß wie wenig bleibt dann von dieser unermüdlichen Arbeit übrig! Auch wir haben stets darauf hingewiesen, daß über diese 9 Fragen nach der Abfassungszeit der Bücher der h. Schrift, mehr noch über dieses Zertheilen und Zerreißen, über dieses Zerstückeln in lauter kleine Theile, der Geist der Bibel, die Auffassung der inneren Einheit und die rechte Würdigung des Inhalts verloren gehe, worin doch Herder mit so glänzendem Beispiel vorangegangen. Renan will deshalb einen anderen Weg einschlagen: er will synthetisch verfahren und zusammenfassen, was zusammen gehöre. Aber die Methode, die er verfolgt, ist von sehr fraglichem Werthe. Im Grunde steht er doch nur auf den kritischen Ansichten der oben genannten deutschen Gelehrten, und nimmt im Ganzen ihre Hypothesen als Grundlage an, auf welcher er seinen Versuch zur Zusammensetzung aufbaut. Ohne sie im Einzelnen zu citiren, macht er doch ihre Resultate zu seinem Eigenthum und schließt seine Folgerungen daran. Bekanntlich ging die deutsche Kritik davon aus, daß in einigen Abschnitten des ersten Buches Mos. constant der Gottesname 'n, in anderen dv£n gebraucht wird, man nahm deshalb an, daß das erste Buch Mos. aus zwei Urkunden zusammengesetzt sei. Man ließ sich nicht davon hindern, daß oft einzelne Verse 'n haben, wo der ganze Abschnitt sonst □vtas hat, so daß man einen Vers aus der einen Urkunde mitten in der anderen hätte, z. B. 9, 26. 20, 18. und umgekehrt z. B. 6, 2. 19, 29, ferner daß in einem und demselben Verse einmal der eine und einmal der andere Gottesname steht, z. B. 7, 16. Weiter, daß überhaupt in einem ein Ganzes bildenden Abschnitt, in einem Theile irrta*, im andern 'n gebraucht wird, z. B. Kap. 22. oder gar völlig wechselnd, z. B. 29. 30. endlich, daß in den meisten Theilen der 5 Bücher Mosis beide Gottesnamen vereinigt stehen, namentlich mit besitzanzeigenden Fürwörtern. Ein maßloses Auseinanderreißen der einzelnen Stücke der Schrift war die Folge dieser Hypothese, die jedoch den Kritikern so sehr gefiel, daß sie nicht davon abtaffen wollten. Auch Renan giebt zu, daß diese Unterscheidung nach den beiden Gottesnamen recht schwankend ist, aber demungeachtet folgt er dem Beispiele der oben genannten Kritiker und will den Pentateuch und die historischen Schriften aus zwei Urkunden, durch eine in Jerusalem etwa um 700 vor d. gew. Ztr. vorgenommeue Verschmelzung bestehen lassen, deren eine er von einem Jehovisten und die andere von einem Elohisten abgefaßt glaubt. Renan's Arbeit besteht nun darin, im Pentateuch und in den historischen Büchern nachzuweisen, was dem jehovistischen und was dem elohistischen Verfasser angehört, und daraus zwei Ganze herzustellen, die in den jetzigen Pentateuch aufgegangen sein sollen. Unser Autor mußte wohl fühlen, auf welchen thönernen Füßen diese ganze Gestalt stehe. Er sucht sie deshalb durch zwei andere Fictionen zu stützen und zu sichern, die, was wir schon jetzt bemerken wollen, aus Unbekanntem, Dunklem ihre Existenz ziehen. Es ist dies eine bequeme Manier, weil sie

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