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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-18 · Heft 21 (18.5.1886) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 21 (18.5.1886)
Date
1886-05-18
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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328 unter Theilnahme der Behörden, vieler aus der Anstalt hervorgegangener Lehrer und anderer Gönner derselben feierlich eiugeweiht. Während die Räumlichkeiten des früheren Seminar-Gebäudes manches zu wünschen übrig ließen, haben wir jetzt ein neues stattliches Gebäude: die Schnlzimmer sind lustig, hell und geräumig, die Schlafräume gesund und bequem eingerichtet, große Wohn- und Stndirzimmer bieten den Zöglingen einen angenehmen Aufenthalt, selbst eine Badeeinrichtnng fehlt nicht. Kurz es ist nichts unterlassen, was der Zweckmäßigkeit und Gesundheit dienen kann. j Die ans den alten Räumen übernommene Schüterzahl^ ist nur eine verhältnißmäßig geringe für das neue Heim, sodaß wir in der Lage sind, noch Seminaristen anfnehmen zn können. Wir ersuchen deshalb die Vorstände und die Herren Lehrer der jüdischen Gemeinden, die beide berufen sind, dahin zu wirken, daß es an Lehrern nicht fehle, die für die Er-1 Haltung des Jndenthnms und seiner Gotteslehre die kräftigsten; Stützen bilden sollen, in ihren Gemeinden beanlagte Jüng-; linge ans unser Institut aufmerksam zu machen und wegen' deren Aufnahme mit uns in Briefwechsel zu treten. Es würde dadurch zugleich den Vorstehern und Lehrern in den Gemeinden die gewiß willkommene Gelegenheit ge-1 boten, manchen Knaben, der Talent und Lust zum Lehrfaches hat, aber nicht weiß, wie und was er beginnen soll, einem ehrenvollen Berufe zuzuführen. Wir würden statutengemäß zur Aufnahme solcher jungen Leute, die einen Zuschuß 311 j den Unterhaltungskosten nicht leisten können, gern die Hand! reichen, und ferner auch solchen Knaben, die zu genügender! Vorbereitung für die Seminarklassen anderweit keine Gelegen-.' heit haben, diese bei uns bieten.! Indem wir im Interesse des Judenthums und der jü-! dischen Gemeinden hierauf Hinweisen, erinnern wir gleichzeitig daran, daß unsere Stiftung auch den Zweck verfolgt, jüdischen | Jünglingen zur Erlernung von Handwerken und Künsten behülflich zu sein und bitten auch diese Gelegenheit, manchen Eltern und Knaben einen großen Dienst durch Hinweis auf : die Marks-Heindorf'sche Stiftung bezw. durch Vermittelung erreichen zu können, nicht ans dem Ange zu lassen. M a r k s - H e i n d 0 r ff ch e Stiftung j Der Praeses des Kuratoriums: F. Blumenfeld. Seminar-Dirigent: Dr. Steinberg. Nürnberg, 5. Mai. (Privatmitth.) In erfreulicher! Weise giebt sich jetzt die Neigung kund, Stiftungen für Stipendien von Studirenden und Seminaristen zn veranstalten. Außer der in diesem Blatte bereits bekannt gegebenen Obermeier'schen Stipendienstiftnng von 3100 M., deren Inter-- essen erst im nächsten Jahr zur Vertheilnng kommen, hat! auch ein Herr W. Frankenschwerth in Nürnberg 5060 M., von welchen die Interessen jüdischen Handwerkslehrlingen zn gute kommen soll, gestiftet. Der Landrath von Mittelfranken hat in seiner letzten Sitzung den Pensionsbezug der Schullehrer bis zu 1200 M. jährlich erhöhet, woran auch israelitische Lehrer partizipiren. Dies dürfte auch jüdischen Gemeinden ein neuer Sporn sein, ihre eignen Elementarschulen zu erhalten und neue zn gründen, denn die israelitischen Religionslehrer haben leider keinen Anspruch darauf. Bisher hat das manche Gemeinde davon abgehalten, weil sie bei eintretender Dienstunfähigkeit einzustehen fürchtete. Ebenso ist's mit der Relikten-Unterstützung, welche, bei denen der isr. Elementarlehrer vom Staate geleistet wird. Posen, 1-1. Mai. (Privatmitth.) Der Kaufmann Moritz Rohr zn Breslau hat am 30. v. M. der hiesigen Synagogen- Gemeinde den Betrag von 100,000 Mark als Grundstock zur Errichtung eines jüdischen Kranken- und Siechen-Hanses am hies. Orte mit der Bedingung offerirt, daß 1) ein Comito gebildet werde, welches Sammlungen Zwecks Errichtung genannter Anstalt einleite, 2) die Principien dieser Anstalt, insbesondere die Verpflegung der Kranken und Siechen auf streng rituell-jiidischer Basis beruhen. — Wie wir hören, haben die Gemeinde-Behörden die Schenkung unter den gestellten Bedingungen angenommen und soll das Jnslebentreten der Stiftung nach Möglichkeit gefördert werden. L. Oesterreich-Ungarn. Wien, 5. Mai. Man meldet von hier: Der österreichische Minister des Auswärtigen Kalnoky beauftragte den Botschafter in Petersburg, bei der russischen Regierung mit Berufung auf den Handelsvertrag die Sistirung der den österreichischen Handel schädigenden Verordnung zu veranlassen, wonach galizische Inden zur Reise nach Rußland der Erlaubnis; des russischen Ministeriums bedürfen. Es ist dies unseres Wissens das erste Mal, daß das österreichische Ministerium sich seiner jüdischen Staatsangehörigen im Auslande annimmt. Seiner Zeit hat Graf Andrassy dies dem kleinen Rumänien gegenüber unterlassen. Wien, 5. Mai. Man muß es den österreichischen Behörden nachrühmen, daß sie mit Energie den gehässigen Wühlereien der Antisemiten entgegentreten und sich dadurch vortheilhaft vor denen andrer Länder auszeichnen. Wir wollen natürlich nichts als gleiches Maaß — aber das ist es, was man uns gegenüber so oft ans den Augen setzt. Ein abermaliger Beweis folgt. Am 22. März d. I. wurde der Wiener Staatsanwaltschaft das Pflichtexemplar einer Flugschrift überreicht, welche den Titel führte: „Ein nothgedrnngenes Wort." In dieser Flugschrift wurden jene Hausbesitzer in Grinzing, welche

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