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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-18 · Heft 21 (18.5.1886) · p. Seite 326

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 21 (18.5.1886)
Date
1886-05-18
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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326 regelten Gebiete gesammelt hat. Da vergleicht er die Reste des Schriftthumes aus den biblischen Zeiten, dort zeigt er, wie sich Israels Söhne auch in ihren Namen mit den Völkern der Erde verbrüdern; da liest er Alles zusammen, was die babylonisch-geonäischen Schulhäupter über Gottesdienst und Gebete bestimmen, dort erweckt er in erleuchteter Rede zu geläutertem Geschmacke in deu Formen der Gottesverehrung; da bespricht er in erprobter, tiefster Kunde das Schulleben, hier erhebt er seine Stimme, um den Völkern darzuthun, wie hoch der Eid unter den Heiligthümern Israels steht, dort faßt er die Grundsätze des Glaubens zusammen in erlesene Satze. Weithin, nach allen Seiten strömte segnend der Lebensquell aus dem Geiste Zunz'. Wo jüdische Lehrer strebten und wirkten, da tranken sie aus seinem Borne. Ueberall erwies, erprobte sich seine erfrischende Kraft. Unter dem Worte Zunz' blühte Alles empor, an ihm bideten sich Jünger und Lehrer und pflegten die neuen Pflanzen und Blüthen. Auch von mancher fremden Lippe tönte da der Ruf: „Die Pflanzungen deines Geistes, o Jakob, sind herrlich, wie klar fließende Wasserbäche, wie Gärten am rauschenden Flusse, wie Aloö von Gott gepflanzt, wie die ewigen Cedern vom Quell gegährt." *) Diese weite, umfassende gelehrte Thätigkeit, welche Aufmunterung bietet sie der Jugend, die der jüdischen Wissenschaft ihre Zeit und ihren Fleiß widmet. Welche Fülle von Aufgaben harren noch der Lösung. Welche Gedanken der Forscher bedürfen noch der klärenden Ausführung. Ein Leben, und selbst das eines Meisters wie Zunz, reicht nicht hin, um das weite Gebiet in allen Theilen zu ebnen, um Stämme und Blumen, Fluren und Gärten zu pflegen. Trotz seines Fleißes, trotz der bedeutenden Männer, die sich an ihm herangebildet haben, will noch die Agada, daß man ihren innern Geist ergründe, wünscht die Halacha, daß endlich das Licht der Forschung bei ihr prüfend verharre. In die Mischna drang wohl manch' heller Blick, aber die verschlungenen Pfade des Talmud suchen noch die kunstreiche Hand, um ihre Räthsel zu lösen. Wie wurden die Verhandlungen der verschiedenen Schulen aneinandergereiht'? welches waren die leitenden Gedanken der Redaetion? In welchem Verhältnisse stehen die Abhandlungen verschiedenerTraetate zueinander? Wie und bei welcher Veranlassung wurden den Akademien neue Fälle vorgelegt, und, um aus den vielen Fragen die herauszugreifen, welche schon Zunz in seiner ersten Schrift hervorhebt: „Wie entstand und wie entwickelte sich das Wesen der Deeisoren? Welches sind die Entwickelungsstadien des jüdischen Rechtes? 1) 4. B. Mos. 24. 6. rvVuo -in: 'hy mJJD rüJ Q^ruj □'D 'hy D'-nND 'n yu:. Tana d. l. Elia. DrpTD^rn cmun nn;NiniD^nz -mdz «npDz iDsy inow. Welches ist die Kunst des Stiles und der Rhetorik in Halacha und Agada?" Versenken Sie, o versenken Sie ihren Geist in die alten Schriften, welche das geistige Streben so vieler Jahrhunderte einschließt. Weit, ausgedehnt fließt er hin der Quell des wissenschaftlichen Lebens in Israel. Schöpfen Sie reichlich aus diesem Wunderborne! Zeichnen sich die Geistesthaten Zunz' durch das weite Gebiet aus, das sie umfassen und umspannen, fließt der Strom seiner schöpferischen Gelehrsamkeit weithin durch alle Länder und Fluren des jüdischen Lebens und der jüdischen Kenntuiß, so ragen seine schriftstellerischen Arbeiten nicht weniger durch ihre Tiefe hervor, so tragen alle seine Werke das Gepräge der Gründlichkeit, der genauen Prüfung, der sorgsamsten Präeision. Wie das klare Gewässer aus den tiefen Schichten der Erde, strömt Belehrung aus den Worten dieses Mannes; wie der schäumende Quell den rauschenden Bach hingießt, so quillt Weisheit und Wahrheit aus der Seele dieses Meisterst) Wer, m. F., es selbst versucht hat, eine literarische Arbeit vorzunehmen, wer, von Zunz geleitet, Quellenschriften las und verglich, der erst weiß die Bedeutung und die Größe des Mannes zu würdigen. Die tausend, tausend Anführungen sind alle genau, wohl ausgewählt, überall sind die Schlacken von dem Edelmetalle entfernt. Die Folgerungen sind sicher, die Schlüsse unumstößlich, die Behauptungen unanfechtbar. Auch da, wo er noch für seine Meinung keine Beweise hatte, traf sein geläutertes Gefühl das Richtige. Seine Vermuthungen finden in alten Manuscripten Bestätitigung, werthvoll ist jedes Wort, wahr ist jeder Satz. Rein und klar ist immer auch die äußere Form der Darstellung, und in dieser kunstreichen silbernen Fassung ruhen schimmernd und werthvoll die goldenen Früchte des Gedankens.-) Wie ein Quell, der unaufhaltsam seine reinen Gewässer sendet, ursprünglich, lauter und krafterfüllt, wie ein Quell des Lebens, nie versagend, nie trügend, so ist das Wort dieses großen Weisen des jüdischen Stammes.-h Ermunternd wirkt das Studium der Schriften Zunz' auf die Jünger der Wissenschaft! Wer ihn kennt, der wird weitab bleiben von dem Halben, von dem Unfertigen, der wird nur das Beste, das Vollkommenste anstreben! Der wird keinen Gegenstand ohne genügende Vorbereitung vornehmen, der wird nicht oberflächlich und matt sein. Der wird freudig 1) Prov. 18. 4. ttfW 'D ^21 nipDy 2) Pro. 25. ii. rjDD nrzisi'Dz zn: rnDn. 3) Prov. 13. 14. Dv»n -npD Dzn min.

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