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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-18 · Heft 21 (18.5.1886) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 21 (18.5.1886)
Date
1886-05-18
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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323 seiner Jugend mit göttlichem Wesen, mit dem Engel rang und obsiegte, daß dieser weinte und zu ihm flehete. Um so mehr ermahnt der Prophet Jehudah und Ephraim, zu Gott zurückzukehren, Liebe und Gerechtigkeit zu bewahren und auf Gott zu hoffen beständig! Wenn also unser Text den, mit welchem Jakob rang, u/'x nannte, bezeichnet ihn Hosea als Engel. Er erwähnt hier nicht des Namens Israel, aber bedient sich wiederholt des Wortes map, auf welches in unserem Texte der Name Israel zurückgeführt wird. Die Bedeutung des Wortes „ringen, kämpfen, streiten" ist durch beide Stellen gesichert?) Bemerken wir noch, daß das „Segnen" hier nichts Anderes bedeutet, als die Anerkennung des Sieges, wie dies auch B. 29 ausgesprochen wird, und sonst durch das Senken oder Niederlegen des Schwertes ausgedrückt ward. Neuere Erklärer haben in dem „Ringen" ein Ringen im Gebete sehen wollen; dies ist jedoch kein biblischer Begriff und kanl erst im Christenthume auf. Die jüdischen Erklärer sind so ziemlich darin einig, daß diese ganze Bision den Zweck hatte, Jakob zu stärken und aufzurichten und ihm die ihm einwohnenden Kräfte zu zeigen. Hiermit wird aber das Einzelne um Nichts verständlicher. Gewiß liegt in der Darstellung dieser Bision, in der ganzen Szenerie, in der Nacht bis zum Aufsteigen der Morgenröthe, in der Einsamkeit Jakobs und wie ein ihm Unbekannter ihm entgegentritt und ihn zum Ringen zwingt, und wie dieser sich nach und nach dem Jakob als ein göttliches Wesen erkennbar macht, die Tendenz, in ein Halbdunkel und inmitten von Zuständen zu versetzen, wo das Hervortreten des Geisterreichs in eine halbdunkle sichtliche Erscheinung dem menschlichen Genlüthe sehr nahe liegt. Um diese Erscheinung zu begreifen, müssen wir sie in Parallel mit dem Traumgesicht zu Bethel setzen. Dieses wurde dem Jakob bei seinem Hinweggange aus dem Lande der Verheißung, stellte ihn in unmittelbare Verbindung mit dem Zweck und Beruf seines Geschlechtes und deutete ihm den Weg der Offenbarung an. Jetzt, da er in das Land der Verheißung wieder einzuziehen im Begriffe steht und zu zahlreichem Geschlechte geworden, dem unmittelbar das Volk entspringen sollte, soll die Zukunft dieses Geschlechtes und Volkes angedeutet und symbolisch in dem Namen Israel ausgedrückt werden. Daß die Beilegung dieses Namens der Kernpunkt der ganzen Vision ist, sieht Jedermann ein. Die einfache Benennung Jakobs mit Israel, wie 1 Mos. 35, 10 r) Auch die Septuag. geben die Worte: on tylayvaag {.texcl Ofov Aal inexd dv&pcuTnov övvaxöq loy. Philo hat auch bei dieser Stelle nach den Septuag. gearbeitet, denn er übernrägt sie: oxt tnyvoaq jbtsxd frsov Aal fxsxd avO'QwTtiöv övvcctcoq. (de tcmul. fol. 251 ed. Hoesch.) < Uebrigens ist Jakob ihm das^ Symbol des Lernens und Fortschreitens {^aO-eascog Aal TtgoxoTtqq), wie er von Jakob zu Israel fortschreitet — so recht ein Beispiel von der Alles veralte^ gorisirenden Deutungsmethode, von welcher wir oben gesprochen, und unter deren Händen alles Thatsächliche verschwindet, alles Geschichtliche sich in metaphysischen Dunst auslöst. geschieht, würde die besondere Bedeutung desselben und seine symbolische Natur nicht zu erkennen gegeben haben. Und doch zwingt uns dieser neue Name, einen symbolischen Sinn darin zu finden. Bei Abraham und Sarah war es nur eine leichte Veränderung des Wortes, hier aber kommt ein ganz neuer, mit dem eigentlichen Namen (Jakob) in gar keiner Verbindung stehender Name hinzu, und doch sollte dieser für die Nachkommen Jakobs der bleibende werden, der dem Volke einen bestimmten Begriff aufprägte. Was sollte dies für eine Zukunft sein? Ein Ringen mit Gott und Menschen, ein Ausharren in diesem Ringen, aber auch eine nachtheilige Einwirkung ans die materiellen Verhältnisse des Volkes. Es wird ausdrücklich gesagt, er solle Israel heißen, „denn gerungen hast du mit Gott und mit Menschen und hast obgesiegt." Wir interpretiren also mit unserer Erklärung nicht das Geringste in die Textworte hiuein. Ebenso ausdrücklich wird gesagt, daß Jakob in Folge des Ringens hinkte (V. 32: „da ging ihm die Sonne auf, und er hinkte an seiner Hüfte", und dies wurde (B. 33) dem ganzen Volke durch die Sitte imprägnirt, daß „die Söhne Israels die Spannader, die auf der Hüftpfaune sitzt, nicht essen bis auf diesen Tag? Daß hiermit auf die ganze Zukunft Israels hiugewieseu wird, kann uns nicht auffallen, da Aehnliches in Kap. 15 Abraham in einer Vision knndgegeben wird. Dieses Ringen mit Gott bestand darin, daß das Volk Israel sich doch nur widerstreitend und nur nach langem Kampfe seinem göttlichen Berufe hingab und die durch die Fügung Gottes Israel gesetzten historischen Umgebungen immerfort ein Ringen Israels zwischen seiner materiellen Existenz und seinem göttlichen Berufe bedingten; es war ihm aber auch ein Ringen mit den Menschen auferlegt, weil es durch diesen Beruf, durch sein Bekenntniß des einzigen Gottes mit den anderen Völkern von vornherein in -Opposition trat und von ihnen bekämpft ward. Dennoch ward Israel diesem seinem Berufe nie ganz ungetreu; ebenso unterlag es niemals ganz den Menschen; es harrte aus, aber dieses Ringen hatte dennoch die Folge, daß der materielle Zustand Israels stets gelähmt war, daß seine wirkliche Existenz durch alle Zeiten angefochten und benachtheiligt blieb, i) Mögen die Herren Kritiker über die Abfassungszeit dieses Schriftstückes die entgegengesetztesten Ansichten austauschen: das müssen sie alle zugestehen, daß wir hier einen Text aus uralter Zeit vorliegen haben, welcher die Signatur dieses Volkes in den Hauptzügen seines ganzen Lebens ausprägt. Es ist eine merkwürdige historische Consequenz die Geschichte 1) Das; die oben gegebene Deutung richtig ist, wird auch durch den Plur. rp^ON (B. 29.) bewiesen, während der, welcher mir Jakob rang, heißt. 21

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