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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-11 · Heft 20 (11.5.1886) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 20 (11.5.1886)
Date
1886-05-11
Page
Seite 317 (sequence 13)
Language
German
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der Dauer der Feiertage aufgestellt werden mußten, enthält die Vorschrift, welche sich auf die Darbringung der reifen Erstlingsgarbe am zweiten Tage des Festes bezieht, einen unverkennbaren Fingerzeig auf die auch im eghptischen Kalender erwähnte Feier zu Ehren der Erntegöttin Rannut, welche mit aller Genauigkeit des Ausdrucks als ein froh zu begehender Tag verzeichnet steht." Und weiter: Wenn schon längst einige gelehrte Forscher von Bedeutung in dem Paschafeste der Israeliten ein altherkömmliches Frühlingsfest, verbunden mit dem Anfänge der Ernte, haben erkennen wollen, so findet diese Annahme durch das egyptische Vorbild ihre vollste Bestätigung. Der egyptische Frühlingsmonat ist zugleich der erste der Jahreszeit der Ernte, und zwar der Winterernte, die noch gegenwärtig im Nilthale die wichtigste ist und durchschnittlich gegen die Mitte des Monats März zu Ende geht. Daß mit einem so hervorragenden Abschnitt des Bauernjahres religiöse Feste verknüpft waren, wird nicht Wunder nehmen können, denn sie schließen den Dank des Menschen an die Gottheit für den gespendeten Segen in sich." — Es ist dies abermals ein Beweis, wie die „gelehrten Forscher" durch die Sucht, überall Analogien und Ableitungen zu finden, irre geleitet werden, und namentlich das Streben, die mosaische Gesetzgebung von der eghptischen abhängig zu machen, aus falscher Voraussetzung zu falschen Schlüssen führt. Bor Allem darf man sich von der Lantähnlichkeit des „Pachons" mit Peßach nicht verleiten lassen. In Pachons ist die Sylbe „Pa" Artikel und der Stamm heißt „Chons", d. h. Kinder, während das 2 in noD zum Stamme gehört, „überschreiten". Alsdann aber ist das Peßach ein Glied der drei Feste, Peßach, Schebouth und Sukkoth, steht also nicht isolirt, wie das Pachons der Egypter. Alle drei sind Dankfeste für die Ernte, je nach den Gegenständen der Ernte, das Sukkoth für Wein, Oel und Obst. Das erste und dritte haben zugleich nationalgeschichtliche Bedeutung, das erste zur Erinnerung an den Auszug aus Egypten, das dritte an die Züge durch die Wüste und die Ertheilung des heiligen Landes. Man hat auch dem zweiten eine historische Bedeutung gegeben, nämlich die Erinnerung an die Offenbarung auf dem Sinai, dies ist aber nicht biblisch, sondern nach späterer Berechnung. Diese Verbindung der Landeserzeugnisse mit geschichtlichen Ereignissen hat einen tiefen Sinn. Es sollte dem Israeliten stets ins Bewußtsein gerufen werden, daß der Gott, der in der Natur wirkt, einer und derselbe sei mit dem Gotte, der die Geschicke der Menschheit, die Geschicke der Völker und insonders Israel leitet. Die Einheit Gottes wurde dem Israeliten in die Seele gesenkt, indem ihm die Wohlthaten, die ihm in der Natur ersprießen, aus derselben Quelle gekommen erschienen, wie die Wohlthaten der Vorsehung. Dies ist kein Gedanke, den wir den biblischen Institutionen unterschieben, sondern er geht unmittelbar aus den Vorschriften und Einrichtungen, die diese Feste betrafen, hervor. Ani Vorabend des Peßach wurde das Osterlamm dargebracht und verzehrt und sieben Tage wurde das ungesäuerte Brod gegessen, an sich priesterliche Weihe bedeutend, aber in die engste Verbindung mit dem Auszuge aus Egypten gebracht. Dann aber fand am zweiten Tage des Festes die Eröffnung der Ernte statt und die erste Garbe wurde als Dankopfer dargebracht. Das Sukkothfest wird ausdrücklich als Dank- und Freudenfest nach Einsammlung der Wein- Oel- und Obsternte bezeichnet; aber während desselben sollten die Israeliten in Laubhütten wohnen zur Erinnerung, daß sie durch die Wüste gegangen und durch die göttliche Gunst die festen Wohnsitze im heiligen Lande erhalten haben, und dazu wiederum sollten sie Repräsentanten der Landeserzeugnisse nehmen und sich derselben freuen. In diesen Einrichtungen erschien den Israeliten offenbar die Gottheit als Werkmeister der Natur und als Lenker der Geschicke in ihrer Einheit. Alles dies stellt eine solche Verschiedenheit der mosaischen Feste von der egyptischen Frühlingsfeier auf, daß die Ableitung eines von der anderen nur als eine Verblendung betrachtet werden kann. Hierzu kommt endlich, daß im mosaischen Texte bei dem Peßach gar keine Spur einer „Frühlingsfeier" vorhanden ist. Der Monat, in welchem es gefeiert wird, wird i2.Mos. 13,4) als rrss-n cnn bezeichnet, das heißt aber nicht etwa Blumen- oder Blüthenmonat, sondern „Aehrenmonat", „Aehrenzeit". Die Zeit der reifen Aehren, wo die Ernte beginnt, kann nicht für jenes Klima als Frühlingszeit angesehen und gefeiert werden. Wenn die Egypter mit ihrem Pachonsfeste die Vorstellung verbanden, daß die Feinde des Frühlingsgottes niedecgeworfen seien und dieser den Sieg über die winterliche Finsterniß erstritten hätte, wobei sie an den Lichtgott die Bitte richteten: „Du hast deine Gegner geschlagen, sie liegen zu deinen Füßen, du hast sie wie die Gerste ausgedroschen" — wie Brugsch anführt — so hat dies wahrlich mit den Vorstellungen des Mosaismus und namentlich mit dem Peßach auch nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Jedem das Seine — aber Israel um seine heiligsten Güter zu schädigen, ist Jedermann gar zu bereit. Jndeß schweigen wir zu solchen Vorkommnissen nicht mehr und erwarten zuversichtlich die Zeit, wo man sich der besseren Erkenntniß nicht verschließen werde. Die Prüfung der Srautleute. Die meisten unserer Leser werden nicht wissen, was „die Prüfung der Brautleute" zu bedeuten habe. Es war eben auch so ein österreichischer Versuch, die Juden zu cultiviren.

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