Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1886)
- Date
- 1886-05-11
- Page
- Seite 316 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Wechsel, in welchem der amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen, Bayard, einen sehr energischen Ton anschlug und vor Allem das Princip verfocht, daß die Religionsfrage nichts mit der Befähigung eines amerikanischen Bürgers für ein Amt zu thun habe; auch erklärte Bayard entschieden, daß die Vereinigten Staaten keine Veranlassung hätten, sich dem Gebrauche der europäischen Staaten zu fügen und vor der Ernennung eines gesandten bei einer fremden Regierung anzufragen, ob dieser der neue Gesandte auch genehm sei. Herr Keilet), der bereits nach Wien abgereist war, kehrte wieder nach Amerika zurück und sein Posten ist bis heute unbesetzt. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist den von Bayard entwickelten Grundsätzen treu geblieben und hat den Congreß und die Nation auf ihrer Seite. Der Fall Keiley hat sogar in der Presse einen sehr lebhaften Kampf gegen das ganze Gesandtschaftswesen überhaupt hervorgerufen, das man für völlig überflüssig erklärt, da die Generalconsuln genügten, um die mit fremden Staaten zu verhandelnden Angelegenheiten zu erledigen. Ob die österreichische Regierung dem Baron v. Schaeffer einen Nachfolger giebt, darüber verlautet heute noch nichts; thut sie es, so ist sie der nachgebende Theil, was ihr um so leichter werden kann, als bereits im Verlauf des vorjährigen Schriftwechsels vom Grafen Kalnoky zugestanden worden war, daß der österreichische Gesandte in Washington bei den Verhandlungen mit Herrn Bayard in der Angabe, die Jüdin betreffend, ein Versehen begangen habe. Bonn, 2. Mai. (Notizen.) Zum Mitgliede des israelitischen Consistoriums von Belgien ist Herr Professor Ih-. Martin Philippson gewählt worden, und hat derselbe die Wahl angenommen. —Wie die FrankfurterZeitungen mittheilen, wird am 6. Mai der hundertjährige Geburtstag Ludwig Börne's feierlich begangen werden. Es haben sich zu diesem Zwecke viele dortige Capacitäten aus allen Confcssionen zusammengethan. Es soll ein feierlicher Akt im „Saalbau" Abends 7 Uhr stattfinden und hieran sich ein Festessen anschließen. Außerdem soll das Börne-Denkmal, so wie Börne's Grabmal in Paris geschmückt werden. Zu dem Comits gehören auch hervorragende Juden, z. B. Director vr. Baerwald, A. Teblöe, der Secretair der israelitischen Gemeinde Elias Ullmann ff., gewiß mit voller Berechtigung. Ebenso berechtigt ist es aber auch, daß vom Rabbinat Niemand Theil nimmt, da Börne seine väterliche Religion verlassen und zwar nicht aus inneren Gründen. Die Feier hat, wie die Pietät der Frankfurter für den Sohn ihrer Stadt, doch auch einen demonstrativen Zweck gegen die kritische Mißhandlung, welche Börne in jüngster Zeit, namentlich von Treitschke erfahren hat. Daher besagter Aufruf: „Eine einfache Gedenkfeier ist ein Akt der Pietät gegen den großen Schriftsteller und Patrioten, gleichzeitig aber auch ein Anlaß, um die Bedeutung Ludwig Börne's für die nationale und freiheitliche Bewegung seiner Zeit dem gegenwärtigen Geschlechts näher zu bringen." Bonn, 2. Mai. (Literarische Notizen.) Die diesjährige Einladungsschrift zu den Prüfungen in der Real- und Volksschule der israel. Gemeinde zu Frankfurt a. M. enthält die treffliche Rede, welche der Direktor vr. Baerwald bei der Feier des 100 jährigen Todestages Moses Mendelssohn's gehalten. Sie würdigt in edelster Weise die Persönlichkeit und Wirksamkeit Mendelssohn's. — Dem 4. Berichte des Curatoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums zu Berlin hat, wie bereits oben erwähnt, Herr vr. Joel Müller, Dozent an derselben eine Abhandlung vorangeschickt: „BriefeundResponsen in der vorgeonäischenjüdischenLiteratur". In der schön geschriebenen, nicht umfänglichen Abhandlung werden die Erzeugnisse der urs epistolandi in der Bibel und in der talmudischen Zeit besprochen, wo manchmal der negative Befund erklärt und ein Streiflicht auf das Wesen der Tradition geworfen wird. Hierzu sind viele und ausführliche Anmerkungen hinzugefügt, in welchen die betr. Gegenstände gründlich erörtert werden. — Feuilleton. Zum peßach. In der „ Sonntags-Beilage zur Boss. Ztg." findet sich (in der stummer vom 18. und 25. April) eine Abhandlung des berühmten Egyptologen H. Brugsch über „das Frühlingsfest im Morgenlande". Es ist selbstverständlich, daß er besonders auf ein Frühlingsfest der Egypter und sehr ausführlich darüber handelt: Da heißt es dann: „Das uralte egyptische Frühlingsfest am Vollmondstage im Frühlingsmonat Pachons hat noch eine andere geschichtliche Bedeutung durch seinen offenbaren Zusammenhang mit dem bekannten jüdischen Paschah, Passah, einem der drei israelitischen Hauptfeste. Nach den Ueberlieferungen fand es zur Erinnerung an den Auszug der Kinder Israels aus Egypten statt und ward regelmäßig in der Vollmondszeit des ersten Monats im Jahre oder des Frühlingsmonats Nisan gefeiert. Das Fest begann am Abend des 14., dem Datum des Paschah, worauf am 15. an sieben Tagen hindurch die Feste der ungesäuerten Brode folgten. Ganz abgesehen von den Brand- und Speiseopfern, welche täglich während