Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1886)
- Date
- 1886-05-11
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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311 Was nun den Auszug Israels aus Egypten betrifft, so stimmt Herr Naville, wie mir scheint mit Recht, für den weiten aber nicht durch Festungen versperrten südlichen Weg, am Rothen Meere vorbei, den noch in neuester Zeit, vor Eröffnung des Suezkanals, die Beduinen zu nehmen pflegten. Die Lage von Ramses, dem Ausgangspunkt der Wanderung, ist unbekannt. Die erste Station ist nach der Bibel, Succoth, was unser Autor, wie erwähnt, mit Pithom-Sukkoth identificirt. Die zweite Station, Etham, erklärt er als die Gegend, welche die Papyri Atuma nennen, eine Wüste im Norden des Sees Timsah. Migdol, das im Egyptischen eine Festung bedeutet, sucht Herr Naville mit Ebers im Serapeum; Pihachiroth — aus mancherlei Gründen — in Pikeheret oder Pikerehet, einem Heiligthume nicht weit von Pithom, das sich in den von Naville gefundenen Monumenten findet. Im Großen und Ganzen kommt also der Berf.. wenn auch aas Grund ganz anderer Argumente, zu denselben Ergebnissen wie Linant Bey in seinem Mmoire sur les principaux travaux d’utilite publique eu Egypte. Um so zuverlässiger scheint seine Ansicht zu sein. Zahlreiche Karten und Abbildungen erhöhen den Werth des Merkchens. A. P. %e\kwvup/\'Vaofyxiofyfcvi. Deutschland. Berlin, 28. April. (Privatmitth.) Die „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin" hat wieder einen Bericht, den vierten, ausgegeben. Ihm voran geht eine Abhandlung von dem Dozenten der Anstalt Dr. Joel Müller: „Briefe und Responsen in der vorgeonäischen jüdischen Literatur." Die Zahl der Hörer betrug im Sommersemester 1885 — 28; im Wintersemester 1885—86 — 25. Zwei der ehemaligen Hörer der Anstalt haben Anstellung, vr. Lewy als Rabbiner in Göttingen, vr. Selver als Rector in Gothenburg erhalten. Die finanzielle Gebahrung ist in erfreulichem Stande, da eine Reihe von Freunden und Gönnern derselben mit Spenden und Beiträgen wiederum hinzugetreten ist — die Bilanz für 1885 zeigt in Einnahme und Ausgabe M. 20014, wovon M. 4290 Kassenbestand, und Fond M. 125955. Wichtig für die Anstalt ist außerdem die Stipendienkasse; sie balancirt 1885 mit M. 5901, wovon M. 1380 Kassenbestand. Daß Fond und Einnahmen immer mehr Zuflüsse erhalten, ist sehr wünschenswerth, damit die Lehranstalt, die eine so bedeutsame Stellung im Judenthume ein nimmt, auch in ihrer Wirksamkeit sich immerfort erweitere! Namentlich machen wir Wohlthäter auf die Stipendienkasse aufmerksam, eine Lebensbedingung für Rabbinerschulen und Seminare! Berlin, 28. April. Es ist merkwürdig, daß sehr oft, wenn Juden auf's heftigste beleidigen, die Gerichtshöfe „der Aufregung des Angeklagten" (d. i. Beleidigers) Rechnung tragen und eine sehr milde Strafe auferlegen. Hat man es doch erlebt, daß auch demjenigen „Rechnung getragen wird", der sich offen als Antisemit erklärt! Dem Fanatismus eines solchen muß mildernde Rechnung getragen werden! Man berichtet von hier: Ein von Semitenhaß strotzender Brief lag einer gestern vor der 98. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts verhandelten Privatklage zu Grunde, welche der Lederwaarenhändler Abrahamson gegen den Schuhmachermeister Karl Hoffmann angestrengt hatte. Der Angeklagte hatte vom Kläger sein Leder bezogen und war demselben einen größerm Betrag schuldig geworden, dessen Bezahlung ihm schwer wurde. Durch einen Mahnbrief ließ er sich hinreißen, in dem Antwortschreiben seinen Gläubiger als einen jüdischen Vampyr, der die Christen ausbeute, als einen Mann, der jeden Augenblick pleite mache, um die Leute zu betrügen, u. dergl. m. hinzustellen. Aus Befragen gab der Angeklagte an, daß er gar keinen Anhalt für seine Behauptungen habe, daß er lediglich aus Angst vor einer Klage alles Mögliche znsammengeschrieben habe. Rechtsanwalt Holz für den Kläger beantragte die Verurtheilung zu einer Gefängnißstrafe, der Gerichtshof erkannte aber nur auf 15 Mk. oder drei Tage Haft, indem er der Aufregung und dem Alter des Angeklagten Rechnung trug. — Die Antisemiten, um sich nur irgend über Wasser zu halten, thun, als ob ihnen wirklich eine umfangreiche Presse zu Gebote stände. So geben sie auch eine „antisemitische Correspondenz" heraus, die nur Wenigen zu Gesichte kommt. Welcher Art diese ist, kann man aus dem Folgenden ersehen: Die „Antisemitische Corresp.", so schreibt der „Ev. Kirchl. Anz.", klagt über den „Judendienst auf der Kanzel" und versteht darunter, daß beim christlichen Gottesdienst das alte Testament benutzt wird, in welchem semitischer Geist herrscht, wahrend das neue Testament vom arischen Geiste beseelt sei. So urtheilen Leute über die Bibel, welche als Ferment conservativer Demagogie angesehen sein wollen. Leipzig, 28. April. (Privatmitth.) Der Borstand der israelitischen Religionsgemeinde hat, wie immer, auch für das Jahr 1885 einen Verwaltungsbericht veröffentlicht. Die Gemeinde zählte 885 steuerpflichtige Mitglieder, welche M.